Wie gewonnen – so zerronnen – Es wäre ja auch zu schön gewesen!

Stellen Sie sich vor: Sie sind knapp bei Kasse, haben Schulden. Ausgerechnet jetzt geht das alte klapprige Auto kaputt. Sie brauchen dringend ein Neues. Da erinnern Sie sich an ein altes Familienerbstück, eine teure, goldene Uhr von Onkel Hubert; gerade so wertvoll, dass man sich ein Auto davon kaufen kann. Also wird schnell die Uhr verkauft und das Geld in das Auto investiert…….

Halt, sagt da plötzlich Jemand und hebt mahnend den Zeigefinger: Das darfst Du nicht. Du musst das Geld verwenden, um deine Schulden zu tilgen.

In dieser Situation befand sich auch die Stadt Trier. Da gibt es RWE Aktien, die sich prächtig entwickelt haben. 14 Millionen Euro (!) können durch den Verkauf nach Steuerabzug erlöst werden.

Na wunderbar haben wir Ratsmitglieder gedacht: Das kommt uns doch gerade recht. Das gäbe ja ein schönes Südbad und alle Trierer würden sich freuen.

Haben wir aber auch nur gedacht…. NEIN, sagt die ADD, nicht mit Südbad! Das Geld müsst Ihr für den Schuldenabbau verwenden!!

Es ist ihr zuzugeben, dass die Aufsichtsbehörde nach den Buchstaben des Gesetzes völlig Recht hat. Eine Stadt darf eben nun mal keine Schulden machen. So steht es in der Gemeindeordnung. Und das Land, das selbst in Schulden erstickt, passt darauf auf, dass uns nicht zu sehr verschulden (und drückt mal mehr – mal weniger ein Auge zu, wobei sich die Kriterien für ein einfaches Ratsmitglied – wie mich – nicht ganz erschließen.)

So erscheint jetzt eine nüchterne Meldung, dass bei der Einbringung des dritten Nachtragshaushalts 2006/07 im Stadtrat sich der Fehlbedarf entsprechend verringert hat.

Wir Ratsmitglieder freuen uns über diese schönen Zahlen, für die wir den erwartungsfrohen Bürgern, die wir vertreten, aber nichts kaufen können … und ärgern uns doch ein wenig. Es wäre doch so einfach und so schön gewesen, das Südbad-Problem zu lösen!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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2 Antworten zu Wie gewonnen – so zerronnen – Es wäre ja auch zu schön gewesen!

  1. clemens sagt:

    Die Kriterien sind recht einfach: Ja zum WM-Stadion des Zweitligisten, ja zum Stadionneubau eines ehemaligen Ober-, zur Zeit Noch- Regionalligisten, ja zum alljährlichen Rheinland-Pfalz-Tag und ja zu allem, was südlich von Hunsrück und Westerwald geplant wird und den Herrn aus Steinfeld im hellen Lichte erstrahlen lässt – und nein zu Trier und Umgebung.
    Und die Wackeldackel hinterm Palais nicken…

  2. xpof sagt:

    Schuldenabbau finde ich gut, er bringt die besten Renditen. Es gibt auch noch „erwartungsfrohe Bürger“, die heute noch zu jung sind um gefragt zu werden und die den ganzen Schuldendienst nicht übernehmen wollen!
    Eine schnelle Patentlösung für die Südbad-Finanzierung gibt es sowieso nicht. Niemand sollte den Bürgern suggerieren, es ginge irgendwie schmerzlos.

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