Klimadiskussion: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis am Beispiel Landesentwicklungsplan

Jeder fordert in der gegenwärtigen politischen Diskussion, es müsse dringend etwas getan werden, um die Folgen des Klimawandels zu mindern. Forderungen sind schnell erhoben, kritisch wird es immer dann, wenn es eine konkrete Umsetzung geht. Dies zeigt sich z.B. an der neusten Diskussion über den Landesentwicklungsplan Rheinland-Pfalz (LEP – siehe Bericht im TV vom heutigen Tage).

Die Planer des Landes haben richtig gesehen, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Rheinland-Pfalz drastisch verändern wird. Folgerichtig denkt man darüber nach, die Zahl der Neubaugebiete zu reduzieren. Sie sollen künftig nur noch dort entstehen, wo eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr gewährleistet ist (Rheinland-Pfalz-Takt). Diese Forderung ist im Sinne des Klimaschutzes äußerst sinnvoll. Denn jeder weiß, dass gerade Berufspendler einen Großteil am Gesamtverkehrsaufkommen ausmachen. So gab bei einer Umfrage in Trier rund 1/3 der Befragten als Reisezweck „Arbeit“ an. Davon benutzen die meisten das eigene Auto (zum Teil auch deshalb, weil es anders gar nicht geht).
Einfach ausgedrückt: Man wohnt auf dem Land, denn dort gibt es billiges Bauland. Man arbeitet in der Stadt, beispielsweise in Trier (oder Luxemburg), dort gibt es die Arbeitsplätze. Je schlechter das Baugebiet verkehrsmäßig angebunden ist, umso billiger sind die Baulandpreise. So „rechnet“ es sich schnell, ein, zwei oder gar mehr Autos in einer Familie regelmäßig zu nutzen.
Arbeitnehmer können sich im Umland den Traum vom Eigenheim erfüllen, der in der Stadt fern jeder Realität wäre. Neben diesem „sozialen Effekt“ sichert diese Entwicklung das langfristige Überleben vieler Gemeinden. Nur wenn junge Familien in Neubaugebiete ziehen, kann vermieden werden, dass sie langsam (aber sicher) an Bevölkerungsmangel „aussterben“. Aus ihrer Sicht also mehr also verständlich, dass die verantwortlichen der Gemeinden sich vehement gegen die Pläne des Landes wenden. Es geht um mehr als das Recht auf kommunale Selbstverwaltung, es geht – langfristig betrachtet – um ihre Existenz.
Doch kann sich unsere Gesellschaft die Existenz von vielen, kleinen Dörfern tatsächlich noch leisten? Brauchen wir nicht eine Konzentration der Wohnungen in Mittel und Oberzentren? Ein wirkungsvoller Beitrag zur Verminderung der Co2 Emissionen und Lösung des Energieproblems besteht doch darin, Fahrten (mit dem eigenen Auto) möglichst zu vermeiden. Sinnvoll und ökologisch notwendig wäre es also, wenn die Arbeitnehmer dort wohnen würden, wo sie arbeiten oder wenigstens mit öffentlichen Verkehrsmitteln ihrer Arbeitsstätte erreichen könnten.

Wie dieser Zielkonflikt zu lösen ist, weiß ich nicht. Für mich ist Diskussion jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass es noch ein sehr weiter, schwerer Weg auch in unserer Gesellschaft sein wird, Konsequenzen aus dem UNO Klimabericht zu ziehen und die Energiefrage zu lösen.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
Dieser Beitrag wurde unter Verkehr veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Klimadiskussion: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis am Beispiel Landesentwicklungsplan

  1. Roland sagt:

    Der Klimaschutz fängt in der Tat im Kleinen an. Denn das viele „Kleinvieh“ ist es, was die Misere produziert. Vermutlich muss sich da sogar jeder seine eigenen Gedanken machen, welchen Beitrag er zum Klimaschutz leisten kann. Die Lösung kann meines Erachtens nicht nur darin bestehen, auf die Benutzung des Autos zu verzichten. In Zukunft müssen wohl einfach auch Fortbewegungsmittel her, die klimafreundlicher sind als die heutigen Autos. Damit könnte auch dem „Aussterben“ der Dörfer entgegengewirkt werden. So ganz ist das aber nicht zu verhindern, denn wir haben heute eine andere Gesellschaft als noch vor 50 oder gar 100 Jahren. Als die Menschen vor 100, 150 Jahren begannen, nach Amerika auszuwandern, hatte dies für die Bevölkerung hier in Europa und Deutschland auch einen tiefgreifenden Wandel zur Folge, von dem gerade der ländliche Raum betroffen war. Noch heute erzählt man sich beispielsweise im Kreis Daun… ähm sorry Vulkaneifel von dem Dorf, das einfach von der Bildfläche verschwand, weil sich die gesamte Einwohnerschaft auf den Weg in die neue Welt machte. Altes bewahren ist gut, aber an nicht mehr funktionsfähiger Infrastruktur festzuklammern auf lange Sicht erfolglos. Wir unterliegen der irrigen Auffassung, alles bewahren zu können, dabei sollten uns die immer wieder auftauchenden Funde aus Römer- und anderen Zeiten eines Besseren belehren.

  2. Sebastian sagt:

    Die hier unter Klimagesichstpunkten angesprochene Frage, wie weit wir es uns noch leisten können, kleine dörfliche Sturkturen zu erhalten, hat noch eine viel weitergehende Bedeutung.
    Dazu brauch man nur nach Ostdeutschland zu schauen, wo in Teilen Mecklenburgs der demographische Wandel der uns bevor steht, bereits Realität geworden ist. Es ist unumstritten, dass greade die ländlichen Regionen massiv an Bevölkerung verlieren werden. Da werden alternde Städte und Dörfer entstehen, in denen sich junge dynamische Menschen nicht mehr „verirren“ werden.
    Wir wollen wir den in solchen Regionen beispielsweise Mobilität, medizinische Infrastruktur, etc sicher stellen? Hat mal jemand nachgerechnet, was mit den Kosten für Müllbeseitigung, Abwasser, etc. passiert, wenn sich die Bevölkerungszahl halbiert? Diese Kosten werden explodieren!

    Auch unabhängig von Klimaüberlegungen und Verkehrsanbindung gibt es ländliche Regionen in RlP, die keine Zukunft haben werden. Das birgt ein enormes Konfliktpotential – zwischen Stadt und Land, zwischen Alt und Jung usw., die quer durch alle Parteien und durch alle gesellschaftlichen Gruppen gehen.
    Bevölkerungsrückgang politisch zu gestalten ist enorm anspruchsvoll, mit und ohne Klimawandel!

  3. Der Begriff „sterbende Gemeinden“ ist seit den Migrationsbewegungen in Ostdeutschland bekannt geworden. Dort sind viele Dörfer und Städte ausgestorben, weil die Menschen dort nicht mehr leben wollen. Ich kann mich gut erinnern, dass die Politik seit Jahren dagegen kämpft, dass solche Gemeinden aussterben. Da wurden Subventionen hineingebuttert und viele Maßnahmen ergriffen. Freilich stellt sich die Frage, ob das sinnvoll ist. Wenn eine strukturschwache Gemeinde nun einmal keine Zukunft hat, die dort lebenden Menschen aber woanders eine Zukunft haben können – warum soll man eigentlich dagegen ankämpfen? Das ist im Grunde genommen ein ganz normaler Wandel, der nichts neues ist. In der Geschichte wurden immer wieder Orte aufgegeben. Dafür sind woanders neue Orte entstanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.