Der Domstein-Skandal !

Der Trierer Domstein wurde vom Teufel vor den Dom geschmettert, weil er wütend darüber war, dass der Bau, bei dem er kräftig mithalf, kein Wirtshaus oder so ähnlich wurde, sondern ein Gotteshaus.
Domstein Das ist doch ganz klar! So hat es mir meine Mutter erzählt, als ich als Kind diesen Stein mit Begeisterung herunterrutschte. So wurde es allen Trierern erzählt. So erzählen es die Trierer den Touristen, die so auch über die Entstehungsgeschichte diese seltsamen Gebildes vor dem Trier Dom aufgeklärt werden.
An dieser Entstehungsgeschichte zweifelte niemand, bislang jedenfalls.
Wenn es da nicht den Verschönerungsverein Reichenbach im Odenwald gäbe!
Was haben die denn mit dem Domstein in Trier zu tun, werden Sie sich fragen. Ich kann es Ihnen erklären:
Dieser Verein richtete am 20. August 2006 an die Stadtverwaltung Trier ein besorgtes Anschreiben. Dabei wiesen sie darauf hin, dass (angeblich!!) im Jahre 1614 zwei Bruchstücke einer großen Granitsäule ausgegraben und vor das Portal des Trierer Domes gelegt worden seien.
Wörtlich heißt es in dem Brief weiter :

„Die Säule stammt bekanntlich vom Felsenmeer in Reichenbach. Der Verschönerungsverein Reichenbach, der sich als Heimat- und Kulturverein mit solchen Themen befasst, gibt in seiner Homepage u.a. Auskunft über diese Säule. Leider ist weder an der Säule selbst, noch an dem Dom ein Hinweis auf die Herkunft der Steine angebracht. Deshalb die Anfrage: Besteht die Möglichkeit der Anbringung eines Hinweisschildes? Wenn ja, würden wir selbstverständlich die Kosten hierfür übernehmen und die Gestaltung mit Ihnen abstimmen. Bitte teilen Sie uns deshalb mit, in welcher Form die Beschaffung und Anbringung abgewickelt werden kann.“

Wie reagierte die Verwaltung auf dieses ungeheuerliche Ansinnen, den Trierer ihren Domstein vermiesen zu wollen: Ganz anders als wir es gewohnt sind, nämlich gar nicht.
Das veranlasste den Vorsitzenden des Verschönerungsvereins am 4.3.2007 noch einmal nachzufragen: Was ist denn mit unseren Brief? Reaktion der Verwaltung: Keine.
Ich vermute ganz einfach einmal, dass schon längst eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe mit der Aufgabe befasst worden ist zu eruieren, ob dieser Stein möglicherweise doch nicht vom Teufel heruntergeschleudert wurde, sondern vom 200 km entfernten Reichenbach mit menschlicher Kraft (wie denn?) hierher geschleppt wurde, oder womöglich beides?? So eine Untersuchung dauert eben. Bei einem so zentralen Thema muss man da auch sorgfältig vorgehen. Domstein aus Reichenbach? 1. Das wäre ja noch schöner! 2. Wo kämen wir denn sonst hin!

Ungeduldig schrieben jetzt die Reichenbacher die Tourist-Information an, die nur lakonisch antwortete, dass das Anliegen „nicht in ihren Zuständigkeitsbereich“ fiele.
Das kann doch nicht wahr sein, dass die Trierer über ein so zentrales Thema nicht aufgeklärt werden wollen, dachte sich der rührige Vereinsvorsitzende und schrieb jetzt wütend alle Fraktionen an:

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit August 2006 versuche ich erfolglos, von der Stadt Trier eine Antwort auf eine kleine Anfrage des Verschönerungsvereins Reichenbach zu bekommen. Deshalb habe ich diese Erinnerung auf die Erinnerung der Erinnerung nun auch an die Fraktionen in Ihrem Stadtrat gerichtet und bin gespannt darauf, was jetzt passiert.
Mit immer noch freundlichen Grüßen

„Noch“ schrieb er! Es droht also Unheil!
Was sollen die Stadtratsfraktionen jetzt nur tun? Ganz Trier samt Touristen mit so einer „Aufklärungsplakette“ in Aufruhr bringen? Ihnen den Glauben an den Teufel nehmen!
Ich weiß nicht. Da ist guter Rat wirklich teuer!
P.S.
Lieber Reichenbacher Verschönerungsverein,
bitte nicht böse sein, über diese kleine Satire. Ich weiß, Sie arbeiten alle ehrenamtlich und meinen es gut! Das Thema verführt aber einfach zu einer kleinen nicht ernst gemeinten Betrachtung. Und wir Trierer hänge doch an unserem Glauben über den Domstein!
Eine Antwort auf Ihre Frage haben Sie jedenfalls wahrlich verdient.
Wir werden uns dafür einsetzen!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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2 Antworten zu Der Domstein-Skandal !

  1. Wortsalat sagt:

    Ja, also, als Text für die Hinweistafel würde ich dann vorschlagen: „Der Teufel ist ein Reichenbacher“. *grinst teuflisch*

  2. Moseljupp sagt:

    Jedenfalls ist der Domstein die „älteste Rutschbahn von Trier“.

    Hier ein bekanntes Trierer Lied „O’m Dumstaan sei mer romgerötscht. Et waor nöt ömmer ginstig: De Box zerröß, de Kaab verlor…“

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