Das Ende einer Absurdität

Die Idee, von seinen Kunden einen Bedienzuschlag zu verlangen, ist an Absurdität nicht zu überbieten. Man stelle sich einmal vor: Der Metzger im Supermarkt würde einen Zuschlag erheben wollen, wenn man kein abgepacktes Fleisch kaufen, sondern sich an der Theke bedienen lassen würde.

Gut also, dass dieser Abzock-Versuch schon im Keim erstickt ist.

Es bleibt jedoch ein übler Nachgeschmack und ein ganz erheblicher Imageverlust für das „Zukunftsunternehmen Bahn „.

Dabei wäre dieser leicht vermeidbar gewesen. War es doch von vornherein abzusehen, dass der Versuch, diesen Zuschlag erheben zu wollen, zum Scheitern verurteilt war.
Schon die erste Klage eines Kunden hätte den geplanten Zuschlag wohl gekippt. Hat doch schon der Bundesgerichtshof im Jahre 1993 (BGH 11. Zivilsenat, 30. 11. 1993, Az: XI ZR 80/93) entschieden, dass das Bürgerliche Gesetzbuch als Selbstverständlichkeit davon ausgeht, dass jede Geldschuld durch Barzahlung des Betrages erfüllt werden und der Gläubiger (hier: Unternehmen Bahn) für die Entgegennahme von Bargeld keine gesonderte Vergütung verlangen kann. Die Kosten für die Entgegennahme von Bargeld habe immer der Gläubiger zu tragen. Anderslautende Klauseln in AGB seien nichtig.

Man fragt sich also: Gibt es im Bahnvorstand eigentlich keine Juristen? Warum hat man sich vor der Veröffentlichung solcher Pläne nicht erst einmal juristischen Rat eingeholt. Warum hat man sich überhaupt nicht einmal beraten lassen, wie Einnahmen erhöht werden könnten? Vielleicht hätte man den Ratschlag gehalten, dass es möglicherweise sinnvoller gewesen wäre, durch geschickte Marketing-Maßnahmen mehr Nutzer des umweltfreundlichen Verkehrsmittels zu gewinnen und so die Einnahmen zu erhöhen, als Bahnkunden durch fragwürdige Abzock-Methoden zu verschrecken.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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5 Kommentare zu Das Ende einer Absurdität

  1. Tizian sagt:

    Die 8 Mitglieder des Bahnvorstandes haben sich von 1999 bis 2005 ihre Gehälter von 3,679 auf 14,693 Millionen Euro verdreifacht, ohne dass von irgendwoher ein angemessener Widerstand dagegen erfolgte.

    Dass sich bei solchen „Erfolgen“ Arroganz mit mangelndem Sachverstand paaren, ist doch nicht verwunderlich.

  2. Ferguson sagt:

    So schön wie ein Deutscher und Jurist sich die einheimische Welt vorstellt, ist sie schon lange nicht. Der zitierte Gerichtsbeschluß sagt nirgendwo, daß die Entgegennahme der geschuldeten Beträge durch leibhaftige Menschen erfolgen muß. Es genügt vollauf dafür Automaten aufzustellen, so wie es auch die Stadtverwaltung in Berlin seit Jahren praktiziert. Es wird keine besondere Automatengebühr verlangt, aber kein leibhaftiger Bediensteter ist bevollmächtigt irgendwelche Beträge entgegenzunehmen, das geht nur über die Automaten. Die Deutsche Bahn verfügt über eine Reihe von Fahrkartenautomaten, juristisch ist kein Grund gegeben zur Entgegennahme der Zahlungen Menschen einzustellen.

    Im übrigen gibt es auch im Gaststättengewerbe einen Bedienungszuschlag.

  3. Roland sagt:

    Der Hintergrund dieses „Bedienzuschlags“ (erinnert mich irgendwie an den „Serviervorschlag“ auf Mikrowellen-Food) ist doch klar: Personaleinsparungen. Bahn erhebt Zuschlag. Kunden kaufen vermehrt am Automaten. Personal wird überflüssig. Eine Unverschämtheit also nicht nur den Kunden gegenüber, sondern auch den Mitarbeitern.

  4. Ferguson sagt:

    @ Roland

    Ganz im Gegenteil: Die Mitarbeiter würden aufgewertet, wenn ihre Arbeit nicht mit der eines dusseligen Automaten gleichgesetzt wird.

    Aber es ist immer die alte Leier, nicht der Kunde bestimmt den Service, sondern er wird auf „höherer“ Ebene entschieden. Bald werden die Schalteröffnungszeiten verkürzt und die Anzahl der bedienenden Mitarbeiter verringert um den Kunden an die Automaten zu zwingen. Dabei wäre es mit etwas Vernunft möglich dem Kunden freie Wahl zu lassen, … und wenn der Kunde es wollte, könnten sogar mehr Mitarbeiter eingestellt werden.

  5. Pajak sagt:

    Ich bin für die DB seit etwa einem Jahr tätig. Man will es nicht glauben wie viel dämlichkeit dort angesiedelt ist; und das ausschliesslich in den oberen Etagen.
    Wegen blödsinniger Entscheidungen werden Gelder aus dem Fenster geschmissen. Und wehe du willst effizient arbeiten; da bekommst du die Hände und Füsse gebunden und anschliessend rufen sie alle: Lauf,
    lauf, lauf…………..
    Sollte die Bahn ganz privatisiert werden so ist sie über kurz oder lang bald pleite wenn die gleichen Leute in den oberen Etagen verbleiben!
    Die Lokführer und das „Bodenpersonal“, die können nichts dafür.

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