Trierer Knöllchen Abzocke

WeberbachparkplatzDie Worte unseres Ordnungsdezernenten von der letzten Stadtratssitzung klingen mir noch im Ohr: die Ordnungskräfte seien hoffnungslos überlastet. Deshalb sei es nicht möglich, überall in Trier gegen Falschparker vorzugehen. Anlass dieser Bemerkung war ein gemeinsamer Antrag von Grünen und CDU gewesen, der ein rigoroseres Vorgehen gegen verkehrsbehinderndes Falschparker auf Bürgersteigen vorsah.
Szenenwechsel: Am Montag hatte der DGB um 19:00 Uhr zu einer Podiumsdiskussion mit den Ob-Kandidaten in die Trierer Tuchfabrik eingeladen.

Lohnende Einnahmequelle?

Viele Besucher waren gekommen, davon etliche auch mit dem eigenen Auto. Das musste natürlich irgendwo abgestellt werden. Was lag also für viele näher, als ihr Fahrzeug auf dem Parkplatz neben der Stadtbibliothek abzustellen, mangelt es doch arg an Parkraum in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes.
Die Sache hatte allerdings einen kleinen Haken: Legal durfte man dort erst ab 20:00 Uhr, also 1 Stunde später, parken. Da auf dem Platz auch ein Parkscheinautomat (der für die Busse gedacht war) steht, war das indes leicht zu übersehen und man konnte glauben, es handele sich um einen “offiziellen” Abstellplatz.
Irgendwie hatte man beim Trier Ordnungsamt den richtigen “Riecher”. Trotz der beklagten Personalnot fanden sich dort auf einmal – oh Wunder – gleich drei Hilfspolizeibeamte ein, die kräftig Knöllchen an diejenigen verteilten, die das Schild übersehen hatten. Manche hatten sogar zuvor noch ein Parkschein gelöst, nicht wissend, dass dies völlig sinnlos war. Ich habe mir das seltsame Geschehen eine Weile angesehen.
Diskussion zwecklos
Manche Betroffene führten heftige Diskussionen mit den Hütern der städtischen Ordnung, die jedoch ebenso sinnlos wie überflüssig waren. Es gab kein Erbarmen.
Da sehr viele Fahrzeuge auf dem Platz abgestellt waren, muss sich das Ganze auch (für die Stadtkasse) gelohnt haben.
Eine bösartige Unterstellung? Betonen doch die Verantwortlichen der Stadt Trier immer wieder, dass die Verwarnungen nur aus ordnungspolitischen Gesichtspunkten erteilt werden. Empört weist man alle Vorwurf zurück, hierdurch solle die Einnahmesituation der Stadt Trier verbessert werden.
Natürlich: Es handelt sich um einen Busparkplatz. Und ein jeder weiß doch, dass gerade zwischen 19:00 und 20:00 Uhr ein solcher Ansturm von Unmengen an Touristenbussen auf diesem Parkplatz besteht, dass ein Einschreiten gerade zu dieser Zeit unerlässlich ist, um ein öffentliches Park-Chaos zu vermeiden. Man sieht ja auf dem Foto deutlich, wie überbelegt mit Bussen der Parkplatz 60 Minuten vor der offiziellen Freigabe war.
Die vielen, die sich darüber aufgeregt haben, jetzt ein Verwarnungsgeld berappen zu müssen, empören sich also völlig zu Unrecht….. wird die Verwaltung konstatieren. Wer glaubt’s…?

Und noch eine Erinnerung muss sein: Bei der Diskussion über die Frage, ob die Stadt Trier auch die kommunale Geschwindigkeitskontrolle übernehmen soll, wurde die Vermutung, hierdurch solle eine neue Einnahmequelle erschlossen werden und es ginge nicht in erster Linie darum, die Verkehrsdisziplin zu fördern, mit Empörung zurückgewiesen.

Bessere Schulung der Ordnungskräfte notwendig!

Mein Fazit: Immer wieder höre ich Klagen, auch aus den Stadtteilen, dass das Ordnungsamt gegen verkehrsbehindernde Falschparker nicht konsequent genug vorgegangen wird. Es wirkt unglaubhaft, wenn einerseits immer wieder auf das fehlende Personal verwiesen wird, andererseits plötzlich ein ganzer Trupp zur Verfügung steht, um ahnungslose Tufa-Besucher zu “disziplinieren” Solche Aktionen empfindet der Bürger meines Erachtens zu recht als kleinlich, er fühlt sich gegängelt. Bürgernah wäre es gewesen, wenn man kurzerhand die Uhrzeit an diesem Tag nur um eine Stunde vorverlegt hätte. Wo soll da die Logik sein: Im Bereich Tufa fehlt es bekanntlich an legalen Parkmöglichkeiten. Man vertreibt die Autofahrer vom Parkplatz an der Weberbach, wo sie wirklich niemanden stören, und provoziert damit, dass sich Mancher anderswo, viel verkehrsbehindernder hinstellt.

Wie im letzten Stadtrat schon gefordert: Die Einsatzpläne müssen meiner Meinung nach dringend überarbeitet werden. Die Mitarbeiter besser geschult werden, wie ich schon in der letzten Stadtratssitzung gefordert haben
Übrigens, um jedem Missverständnis vorzubeugen: Ich gehöre nicht zu den Betroffenen, sondern ich habe mein Fahrzeug brav in der Tiefgarage abgestellt.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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Ein Kommentar zu Trierer Knöllchen Abzocke

  1. Carola Jacobs sagt:

    Hallo Herr Albrecht

    Ich stimme mit Ihnen überein dass die Einsatzpläne überarbeitet werden müssen und kann Ihnen aber aus eigener Erfahrung bestätigen, dass gegen Falschparker nicht konsequent genug vorgegangen wird.

    Für Anwohner der Innenstadt (sprich unter anderem Fussgängerzone) ist die Falschparksituation zu einer unerträglichen Situation geworden, da die sowieso spärlichen Plätze für die Anwohner mit einem D Parkschein immer (und ich meine damit wirklich IMMER) mit Falschparkern besetzt sind, die eigentlich auf andere Parkplätze (sprich Tiefgarage u.a.) ausweichen könnten. Diese Möglichkeit haben wir als Anwohner leider nicht, da wir keine Kurzzeitparker sind.
    Für mich persönlich (Familie mit 2 Kleinkindern) heisst das bisweilen dass ich mir 4 Mal überlege ob ich mit den Kindern einen Ausflug mache oder ähnliches weil ich mir sicher sein kann dass sich bei unserer Rückkehr wieder mal um einen Parkplatz kämpfen – , bzw das Auto so weit abstellen muss, dass ich mit 2 müden Kindern zu Fuss die Distanz nach hause kaum schaffen kann. Den die Plätze die uns eigentlich zustehen sind – vor allem am Wochenende, aber nicht nur – ständig besetzt.

    Ausserdem kann ich es mir nicht leisten, mit dem Auto einkaufen zu gehen, oder ähnliches aus dem gleichen Grund.

    Falschparker die ein „Knöllchen“ erhalten sind mit den lächerlichen 10 Euro eigentlich noch gut bedient, wenn sie dafür einen Tag lang parken können, mit der sehr hohen Wahrscheinlichkeit, nicht erwischt zu werden …
    Da gäbe es dann tatsächlich eine Möglichkeit, die Kassen der Stadt zu befallen, wenn die Kontrollen konsequenter, häufiger und auch mit höheren Bussgeldern verbunden wären …

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