Was hast Du mir angetan!

Volksfreund AG!

Seit 40 Jahren bist Du mein treuer Begleiter. Dachte ich!

VW

Damals, in den 70ern,  hast Du mir die erste Freiheit geschenkt! Als junger Student, ich hatte kaum Geld, habe ich mir von dem mühsam zusammen Gesparten gemeinsam mit meiner damaligen Freundin einen alten orangenen VW-Käfer aus den Rippen geschnitten. 34 PS. Endlich unabhängig!

Was haben wir damit alles für Abenteuer erlebt! Niemals werde ich die Frankreich-Rundreise vergessen. Mit 4 Personen und einem Zelt in einem Käfer. Ich weiß gar nicht, wie wir das alles in das Auto hinein bekommen haben. Aber es funktionierte und wir haben abenteuerliche, wunderschöne Ferien in Frankreich verbracht. Der Käfer lief, und lief und lief eben. Er war eben zuverlässig. Und immer dachte ich, die Erbauer dieses kleinen Wunder-Autos müssen es demzufolge auch sein.

Also bin ich umgestiegen. Als ich das erste Geld verdiente auf einen VW Golf. Der Junggeselle mit etwas verrückten Ideen im Kopf erwarb einen roten Golf GTI 16V, mit dem er mit über 200 über die Autobahn brettern konnte.  Ein wenig Porsche-Feeling kam da auf.

Dann kam die Zeit der Familie. Ein Passat musste her, etwas langweilig, aber enorm praktisch.
Und zuverlässig, solide!

Die Familie wuchs. Die Einnahmen aus einem Buch, das ich mit meiner Frau geschrieben habe, erlaubten uns, einen damals wahnsinnig teuren, aber enorm praktischen blauen VW-Bus Diesel zu erwerben. Mit meinem leider viel zu früh verstorbenen Freund Jürgen Klein habe ich ihn persönlich in Wolfsburg bei Euch abgeholt. Es war ein Besuch bei Freunden, den ich niemals vergessen werden.

Das wahres Wunder-Gefährt: Großer Innenraum, unheimlich viel Platz. Mit 3 Kindern, beiden Eltern und der Oma in den Camping- Urlaub, jede Menge Gepäck, überhaupt kein Problem! Wie viele schöne Urlaubsreisen haben wir mit der ganzen Familie und dem Bus unternommen!
Einkaufen, ein Kinderspiel, auch der Weihnachtsbaum wurde einfach in den Wagen gelegt, ebenso wie ein Fahrrad, das mal eben zur Reparatur musste. Und dabei war er SO schnell wie eine Limousine. Der Turbo-Diesel lies so manches andere Auto auf der Autobahn „alt“ aussehen.

Ein tolles Gefährt eben, erdacht und gebaut von tollen deutschen Ingenieuren. Erste Zweifel an der Ingenieurskunst der Volkswagen-AG kamen mir indes, als es immer mehr Städte gab, die eine Umwelt-Plakette verlangten, um hinein fahren zu dürfen. Ich bekam diese nicht, denn ein Rußfilter war nicht nachzurüsten. Unmöglich sagte man uns, gibt es nicht für diesen Bus. Hatte man da etwa eine Entwicklung verschlafen?

Über 200.000 km gefahren, es musste jetzt auf jeden Fall ein neues Fahrzeug her. Und ich blieb natürlich meinem alten Freund treu. 2 Kinder waren aus dem Haus, jetzt genügte also wieder ein „Golf“, der vor 2 Jahren erworben wurde.

Ich weiß noch wie der Familienrat beim Kauf schwankte: Soll es wieder ein Diesel werden oder diesmal ein Benziner? Hybrid-Autos, wie sie beispielsweise japanische Automobil-Konzerne anbieten, gab es nicht bei VW.
Brauchen wir nicht, hieß es. „Unsere Autos sind Dank unserer Ingenieurskunst auch so umweltfreundlich“, sagte man uns.

„Blue-Motion!“, hieß das Stichwort!

Gut, dass wir uns aus Kostengründen dann doch für ein Benziner entschieden haben, denn sonst wären wir von Dir, unserem alten Freund, tatsächlich richtig über das Ohr gehauen worden.
Wir hätten gedacht, für viel Geld, einen umweltfreundlichen und leistungsfähigen Diesel erworben zu haben, der in Wirklichkeit überhaupt nicht umweltfreundlich war.  Dieser wäre jetzt umgerüstet worden, hätte viel von seiner Leistungsfähigkeit eingebüßt. Was wäre das etwas anderes als ein handfester Betrug an uns, den langjährigen Kunden, gewesen?

OK, unmittelbar geschädigt bin ich nicht. Aber enttäuscht, tief enttäuscht von Dir VW-Konzern! Das Vertrauen in Dich, dass in jahrelanger Verbundenheit gewachsen war, ist bis in die Grundfesten erschüttert.

Wie konntest Du nur aus purer Geldgier, auf kurzfristigen Gewinn schielend, soviel Vertrauen verspielen, das Millionen von Leuten auf der gesamten Welt in Dich gesetzt haben!

Niemals hätte ich mir auch nur im Ansatz vorstellen können, dass ein so bedeutender traditionsreicher deutscher Konzern zu so etwas dummen primitiven in der Lage sein könnte.

Hättest Ihr mich doch einmal gefragt, den alten Kunden, Ihr höchst bezahlten Konzernchefs mit einem Gehalt, von dem ein Beamter nur träumen kann: Ich hätte Euch versichert, dass ich aus langer Berufserfahrung weiß, dass (fast) jeder „Beschiss“ irgendwann einmal herauskommt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und ich hätte Euch gesagt, dass sich solche Tricksereien, unter dem Strich niemals lohnen.

Jetzt habt Ihr den Salat! Gut, Euch Verantwortlichen macht das recht wenig aus, fallt Ihr doch trotz Job-Verlust in ein weiches Abfindungs-Bett. Anders sieht es so schon bei den vielen Aktionären aus, aber auch kann man argumentieren, wer sich Aktien leisten kann, hat auch sonst viel Geld.

Aber bei den vielen Arbeitsplätzen, die jetzt auf dem Spiel stehen, trifft diese These mit Sicherheit nicht zu.

Ich schäme mich jetzt einfach zutiefst für Euch! Und ich mache mir Sorgen um den Fortbestand des Namens „VW“, der mich 40 Jahre so treu begleitet hat. Und von dem ich dachte, ich könne mich auf ihn verlassen, dass er läuft und läuft und läuft……

Ihr habt Millionen von treuen Anhängern wie mich auf schäbige Art und Weise hinters Licht geführt!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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Ein Kommentar zu Was hast Du mir angetan!

  1. Markus Römer sagt:

    Sehr geehrter Herr Albrecht,
    obigen Text sollten Sie ernsthaft nochmals überdenken. Wenn Sie sich wirklich niemals vorstellen konnten, ich zitiere, „dass ein so bedeutender traditionsreicher deutscher Konzern zu so etwas dummen primitiven in der Lage sein könnte.“, dann muss ich mich doch sehr wundern.
    Haben Sie schon mal von der Deutschen Bank gehört? Mai 2012 – 202 Mio US $ um eine Klage aus der Welt zu schaffen. Dez 2013 – 725 Mio € wegen Zinsmanipulationen. April 2015 – 2,5 Mio US $ wegen Libor Skandal. Mai 2015 – 55 Mio US $ wegen Bilanztricksereien.
    Es gäbe da auch noch Siemens. Dez 2008 – 800 Mio US $ wegen Schmiergeldskandal. Dez 2013 – 400 Mio € Verstöße gegen Kartellrecht.
    Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien und ich finde auch das VW bestraft gehört. Sie haben sich schließlich nicht an geltendes Recht gehalten. Aber bitte lassen Sie doch mal die Kirche im Dorf. Ich empfehle Ihnen den folgenden Artikel. Leider lies er sich nicht als Link einfügen, Sie müssen ihn leider in Ihren Browser kopieren.
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Mr-Dax-VW-Skandal-ist-ueberzogen-article16002516.html
    Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien und bin mir auch nicht sicher ob ich an dieses Geschmäckle glauben soll, aber ich kann Herrn Müller nur Recht geben wenn er eine Relativierung fordert. Es geht um Abgaswerte. ABGASWERTE!!!!

    Sie schämen sich für sowas? Ich schäme mich für ganz andere Dinge die in Deutschland passieren. Ich schäme mich dafür das ich in Deutschland nur die Wahl zwischen 2 Lagern habe. Entweder ich nehme einen Flüchtling in meine Wohnung auf und gebe ihm mein Bett, oder ich fackel seine Unterkunft ab. Eine reflektierte, besonnene Ansicht ist scheinbar nicht möglich.
    Ich schäme mich für Politiker die sich von Lobbyisten beeinflussen lassen. Für Schauspieler die das Flüchtlingsdrama zur Imageaufbesserung nutzen. Für Bischöfe die die gleichgeschlechtliche Liebe nicht akzeptieren können, und vieles mehr.
    Aber für die Manipulation von Abgaswerten kann ich mich nun wirklich nicht schämen. Dies fällt mir umso schwerer da ich davon ausgehe, das VW nicht der einzige Konzern ist der dies tut bzw. getan hat.

    Ich hoffe ich konnte Sie ein wenig zum nachdenken anregen und verbleibe

    mit freundlichen Grüßen,

    Markus Römer

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