Im Theater: Ich werde es überleben!

BildMan kann Operetten mögen oder nicht.
Ich hasse Operetten!
Man kann Jacques Offenbach mögen oder nicht.
Ich mag ihn nicht!

MEINE beste Ehefrau von allen hat mich überredet, mit ihr zusammen diese kleine Oper zu genießen:

Es gab eine Operette von Jacques Offenbach.

Ein Operettenhasser bei Jacques Offenbach? Da soll etwas zusammenkommen, was nicht zueinander passt.

Aber es war ja für einen guten Zweck: Es wurde zur ersten Trierer Aids Gala geladen. Und da kann man ja kaum „Nein“ sagen.
Zumal, wenn MEINE beste Ehefrau von allen einen „bittet“!

Aber: Ob ich das durchstehe?

„At first I was afraid, I was petrified Kept thinkin‘ I could never  –  Anfangs hatte ich Angst davor; ich war wie versteinert“,

so heißt es in einem Songtext, auf den wir noch zurückkommen wollen. Mir will er gar nicht aus dem Kopf gehen, vor diesem Operetten-Abend!

Ich kam von Zurlauben, wo ich mit vielen netten Menschen in anheimlender Atmosphäre anlässlich der Eröffnung des Weihnachtsmarktes den besten Qualitäts-Glühwein genießen konnte, den ich in letzter Zeit getrunken hatte.

Gespielt wurde das Stück „Die Herzogin von Gerolstein„, als so genannte „Vorpremiere“, eine Art öffentliche Generalprobe also.

Nichts ist, wie es scheint

Wer nun meint, der Titel habe irgendetwas mit dem kleinen Städtchen in der Eifel zu tun, wäre einem ersten Irrtum erlegen.
Es sei denn, man interpretiert den Titel wie der Theaterregisseur Georg Blümel, der in einem Interview mutmaßte, es gehe in dem Stück um das Eifler Mineralwasser, dem man , weil es „etwas stickig im Abgang sei“, „Pervertin“ beigefügt habe, das „aus Männern kriegslüsterne Berserker und aus Frauen libidinöse Nymphen macht“.

Tatsächlich hat der Name nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Eifelstädtchen zu tun. 

Zwar könnte man meinen, dass Jacques Offenbach, der bekanntlich in Köln geboren wurde, den Ort bewusst ausgewählt habe. Tatsächlich beruht der Inhalt des Werkes auf dem Groschenroman „Les Mysteres de Paris“ und die Namenswahl ist reiner Zufall.

 Blümels Mutmaßung beschreibt aber trefflich, um was es sich bei dem Stück, das eigentlich auch keine Operette ist, sondern eine „Opera Buffa“ handelt, geht:

Schrille Satire, Sex und Spaß

Der Name „Gerolstein“ steht für ein kleines Großherzogtum, dessen Führungskräfte (Baron Puck) dem Nachbarstaat den Krieg erklärt haben, um die Großherzogin, die sich schrecklich langweilt, davon abzuhalten, sich in die Regierungsgeschäfte einzumischen.

Die Minister des Kleinstaates sind alle Intriganten. Sie empfehlen der Großherzogin, um sie abzulenken, eine politisch opportune Heirat. Diese verliebt sich jedoch in einen einfachen Soldaten (Fritz), den sie nach und nach bis zu einem General hoch befördert. Doch dieser steht nicht auf sie, sondern nur auf seine Jugendliebe Wanda.

Die Folge: Wie es sich für eine ordentliche Opera Buffa schickt soll Fritz sterben. Ein Mordkomplott wird geschmiedet, das er jedoch überlebt. Ersatzweise soll ihm dann die Hochzeitsnacht vermiest werden. Alles endet in einem furiosen Finale.

Das Stück ist Satire, Klamauk, soll Militarismus, Intrigantentum in der Politik karikieren. Es enthält jede Menge sexuelle Anspielungen.

Wie geschaffen also für unseren Intendanten Karl Sibelius, Pardon: Rose Divin, der es sich dann auch nicht nehmen lässt, die Hauptrolle der Großherzogin selbst zu spielen und zu singen. Ich gebe offen zu: Er spielte die Rolle hervorragend! Inszeniert wurde das Stück von Manuel Schmitt.

Bei der Uraufführung vor fast 150 Jahren wurde es vom Pariser Publikum gemischt aufgenommen. Die erste Hälfte wurde begeistert aufgenommen, die zweite Hälfte fand es schlecht. Heuer war der Eindruck – jedenfalls bei mir – umgekehrt.

Ich empfand die erste Hälfte als ziemlich langweilig daher plätschernd. Die Witze kamen bei mir nicht so recht an, ich habe sie teilweise auch nicht verstanden. Und im Nachhinein musste ich erfahren, dass der einzige Witz, der für mich wirklich lustig war – als die Großherzogin „Sibelius“ ihre leuchtend-rote Perücke mitten auf der Bühne verlor – gar keiner war, sondern eine Panne, wie der Intendant am Schluss erläuterte.

Eigentlich wollte ich sogar gehen, lag mir doch noch immer  der angenehme Duft des leckeren Glühweins in der Nase, ich wurde aber von MEINER besten Ehefrau von allen, freundlich, aber unmissverständlich überredet, zu bleiben.

Der Ratschlag war – wie immer – richtig und gut: Die Aufführung steigerte sich, gewann sichtlich an Tempo. Bei den gezeigten Demonstrationen der „Gerolsteiner“ setzten  Pegida-Schilder („Wir sind das Volk“) witzige Akzente. Es gipfelte schließlich in einem beeindruckenden Finale mit dem tollen Lied:

I will survive

nach Gloria Gaynor, das einen überraschenden Kontrapunkt zu der seichten Operetten-Musik setzte und selbst mich aus dem  Theatersitz riss.

Na bitte, ich habe es doch von Anfang an gesagt: „I werde es überleben!“ „I will survive!“

Das leider nur spärlich anwesende Publikum (der Theatersaal war nur halb gefüllt) spendete jedenfalls stehenden Beifall. Ich konnte das nicht so ganz nachvollziehen und musste mir am Ende immer neue Ausreden einfallen lassen, wenn ich von vielen gefragt wurde, ob ich es auch so toll gefunden hätte. Aber gelogen habe ich nicht: „Das Stück war mir nicht zugänglich!“

Aber das lag an dem Stück als solchen, das ohne Zweifel gut inszeniert war. Und Karl Sibelius hat wirklich gut gespielt und es war ja auch für einen guten Zweck! Und wer sich selbst eine Meinung bilden will, kommt am besten ins Theater.

Ich verspreche auch Operetten-Hassern:

You will survive!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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2 Kommentare zu Im Theater: Ich werde es überleben!

  1. rose divine sagt:

    Lieber THOMAS, danke für den netten Bericht. Kleiner HINWEIS, das Stück würde vom jungen, unglaublich attraktiven Manuel Schmitt inszeniert, nicht von meinem Lieblingsintendant Karl Sibelius. Der hat das Werk übersetzt. Busserl Deine Rose Divine

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