In Memoriam Bernd Gritzmacher

„Mein ganzes Leben war bisher eine Party“
(Bernd Gritzmacher, 6.1.2011, 65. Geburtstag)

Gritzmacher

Ich bin unendlich traurig:
Unser Freund Bernd Gritzmacher ist tot

Gestern noch hat er auf seiner facebook-Seite etwas gepostet, das so bezeichnend für diesen grundehrlichen, offenen, sympathischen, schelmischen, großzügigen Menschen ist:
Es ist eine an die Toleranz der Menschen appellierende kleine Erzählung, die erst dann, wenn man weiß, dass Bernd Gritzmacher zum Thema Religion und Glaube eine sehr dezidierte Einstellung hatte, ihren ganz tiefen Sinn erhält: „Ein Moslem, ein Jude und ein Christ gehen in ein Café, und sie reden, lachen, trinken und werden gute Freunde. Das ist kein Witz. Das passiert, wenn Du kein Arschloch bist!“
Bernd Gritzmacher war immer ein Freund der offenen und klaren Worte.
Er, der uns Trierern neben seinen Verdiensten als Eintracht-Präsident auch viele Jahre mit seiner Großraumdiskothek „Riverside“, mit „Pop meets classic“ viel Freude bereitet hat , wurde uns zum Freund im …….Karneval.

„Jutta I. vom Riverside“ hieß ich damals, 1995,als Karnevalsprinzessin. Es war das erste Jahr von Bernd Gritzmacher in Trier. Er erwies sich als äußerst ideenreicher, gewiefter, stets gut gelaunter, jovialer und äußerst großzügiger Sponsor: Das Feuerwerk, das er am Rosenmontagabend vom Riverside abfeuerte, wird allen, die dabei gewesen sind, in Erinnerung geblieben sein.
Auch nach unserer Prinzenzeit besuchten wir ihn regelmäßig im „Riverside“, man war sich gegenseitig sympathisch : „Kommen Sie doch einfach direkt zu mir ins Büro, ich gebe Ihnen eine Karte, Sie brauchen doch nicht zu bezahlen, sie sind doch mein Prinzenpaar!“
Seine Großzügigkeit kannte keine Grenzen – das wussten allerdings auch jene Zeitgenossen, die sich schon immer gerne „für lau“ durch das Leben schlugen. Aber Gritzmacher, den Menschenfreund, tangierte das nicht.
Wieviel er für unsere Stadt als Sponsor geleistet hat, wird wohl auch posthum nicht genügend gewürdigt werden können. Er wollte nie im Mittelpunkt stehen, war ein sehr bescheidener Mann.

Und dann war da noch eins, über das er nicht viel sprach, das aber zwischen uns ab dem Moment, in dem ich mich wissenschaftlich mit der Thematik befasst habe, ein Thema war: Das Judentum. Seine Eltern waren Juden, hatten in Trier ein Gemüsegeschäft, so entstand wohl seine Leidenschaft und sein ausgesprochenes Talent, kaufmännisch tätig zu sein. Jude ist man, wenn man von einer Jüdin geboren wird, man bleibt es auch, wenn man, wie Bernd Gritzmacher, aus der jüdischen Kultusgemeinde austritt. Alles Dogmatische war ihm zuwider. Aber er hat im christlichen Sinne mehr Werke der Nächstenliebe vollbracht als manche großen kirchlichen Würdenträger.

Lieber Bernd Gritzmacher, es ist ganz eigenartig: So lange haben wir uns gekannt, so viel haben wir miteinander gelacht, aber auch ernste Gespräche mit Tiefgang geführt, aber es ist nie dazu gekommen, dass wir „per Du“ geworden wären.
Wenn wir Ihnen am 9. Januar 2016 – an Ihrem 70. Geburtstag – vielleicht bei der ATK-Gala, begegnet wären, hätten wir das geändert. Dazu ist es jetzt leider nicht mehr gekommen.

Ich trauere um einen sehr guten Freund, um einen, der mir wie Jürgen Klein (unsern Fahrer zur Prinzenzeit, der auch viel zu früh am 4.1.2014 plötzlich verstorben ist), sehr ans Herz gewachsen ist. Ich bin in Gedanken ganz nahe bei Alice, seiner Ehefrau und ihren beiden gemeinsamen Kindern.

Alle drei Religionen, die in der obigen Anekdote erwähnt sind – Christentum, Judentum, Islam – haben eins gemeinsam: Sie alle besitzen den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. Egal, ob Bernd Gritzmacher daran geglaubt hat, oder nicht, ich wünsche ihm dort, wo er jetzt ist, soviele Freuden, wie er sie uns immer selbstlos bereitet hat.

Über Jutta Albrecht

Ehefrau von Thomas . Ebenfalls Mitglied des Stadtrates. Lehrerin und Historikerin.
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