Eine Reise durch Benin

In diesem 6.Bericht aus Benin möchte ich Euch dazu einladen mit mir auf eine Reise durch den Benin zu gehen. Daniel hat mich Anfang März besucht, wir sind zusammen rumgereist und haben sehr viel gesehen. Das möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten und wünsche Euch jetzt viel Spaß mit meinem kleinen Reiseführer zu Benin. Vielleicht bekommt der ein oder andere ja danach auch ein bisschen Lust nach Benin zu fliegen und das Land kennen zulernen.

Cotonou

Grostadttreiben

Grostadttreiben

Unsere allererste Station ist natürlich Cotonou, weil Daniel dort mit dem Flugzeug ankommt. Außerdem hat Cotonou den Vorteil, dass es ganz im Süden liegt und wir so perfekt von Stadt zu Stadt reisen können, bis wir ganz oben bei mir im Norden sind. Von Tanguieta nach Cotonou zu fahren, um Daniel abzuholen ist für mich zuallererst sehr aufregend. Seit einem halben Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen!

Schon am Flughafen angekommen, kann ich mich gar nicht mehr richtig halten vor Aufregung. Und dann kommt auch noch sein Flug zu spät und ich muss noch länger warten. Als er dann endlich aus Flughafengebäude kommt, ist es für uns beide ein herzliches Wiedersehen.Bild 2

Cotonou ist für uns beide kein Ort, an dem wir uns lange aufhalten möchten. Zwar ist es für mich schön wieder einmal in einer Stadt zu sein, wo ich europäisch essen kann, dennoch ist es uns beiden viel zu laut und viel zu voll. Es gibt unglaublich viel Verkehr – die Autos und Motorräder fahren, wie sie wollen, und es sind oft so viele Menschen unterwegs, dass man total den Überblick verliert. In Cotonou kann man zwar viel machen, sie ist aber keine schöne Stadt und mir fehlt auch die afrikanische Ruhe, die ich sonst aus Benin gewohnt bin. Wir sind also beide nicht unglücklich darüber Cotonou bald zu verlassen und einen Ausflug zur Stadt auf dem Wasser zu machen.

Ganvier

Stadt auf dem Wasser

Stadt auf dem Wasser

Die Stadt auf dem Wasser heißt Ganvier und ist definitiv eines der Highlights unseres Trips durch Benin. Ganvier liegt mitten in einer Lagune. Nach einer langen Bootsfahrt übers Wasser sieht man die ersten Häuser, die wie über dem Wasser zu schweben scheinen. Fährt man etwas näher ran wird aber schnell klar, dass die Häuser auf Stelzen gebaut sind. Die meisten Bewohner von Ganvier sind Fischer und verdienen ihr Geld damit den Fisch auf dem Markt am Festland zu verkaufen.
Bild 4Aber auch in Ganvier gibt es einen Markt – einen Markt auf dem Wasser. Tomaten, Gewürze, Reis und vieles mehr befinden sich auf Booten und die Menschen müssen dort vorbeifahren, um einzukaufen. Jedes Haus hat mindestens ein Boot, weil die Menschen sich auch von Haus zu Haus nur mit ihren Booten fortbewegen können. Die Stadt hat sogar eine Kirche, ein Krankenhaus, eine Schule … Und das alles auf dem Wasser. Allerdings müssen die Häuser alle fünf Jahre erneuert werden, weil das Holz dann zu angegriffen ist vom Wasser und einstürzen kann. Ganvier – das Venedig von Benin.

Ouidah

Sklavenleid

Sklavenleid

Auf Ouidah war Daniel von Anfang am meisten gespannt. Von Ouidah aus wurden vor und während der Kolonialzeit die Sklaven nach Europa verschifft. Heute kann man an verschiedenen Stationen in Ouidah den Weg der Sklaven bis zum Meer verfolgen. Die Stationen sollen an das Leiden der Sklaven erinnern. Schon auf dem Weg nach Ouidah zur Verschiffung sind sehr viele Sklaven an Erschöpfung gestorben. Haben sie es bis nach Ouidah geschafft, wurden sie in ein Gefängnis eingesperrt. Auch dort sind noch einmal viele an den unmenschlichen Bedingungen gestorben.

Diejenigen, die robust genug waren die ganzen Strapazen zu überstehen, wurden schließlich am „Porte du non retour“ nach Europa verschifft. Noch heute kann man das große Tor am Strand bewundern.Bild 6

Neben seiner traurigen Sklavengeschichte ist Ouidah die bedeutendste Stadt des Vodoo. Überall in Ouidah sieht man Statuen, die Vodoo Gottheiten darstellen.
Außerdem gibt es einen Pythonpalast, in dem auch Vodoo Zeremonien stattfinden. Pythons sind im Vodoo heilig und dürfen nicht gejagt und gegessen werden. Die Pythons wohnen in einem kleinen dunklen Raum und werden einmal

Bild 8

Keine Angst vor Schlangen

im Monat zum Fressen hinausgelassen. Danach kehren meist alle Pythons zurück. Findet ein Passant draußen eine Python, bringt er sie zurück in den Palast – in Oudiah ist klar, dass Pythonfleisch tabu ist. Der Palast ist auch Ort für Vodoo Zeremonien

Grand Popo

Nach den ganzen Reisen ist uns erstmal nach Entspannung zumute. Die wollen wir iBild 9n Grand Popo am Strand finden. Der Name hört sich für uns erstmal komisch an, aber die Betonung im französischen liegt nicht auf dem ersten, sondern dem zweiten „o“.
Wir übernachten in einem sehr schönen Hotel direkt am Strand. Sehr schade ist nur, dass man nicht wirklich im Meer schwimmen kann. Die Brandung ist so stark, dass man direkt ins offene Meer getragen wird und sehr aufpassen muss.

Entspannung am Meer

Entspannung am Meer

Abomey/ Bohicon

Bild 11Nach der kleinen Entspannung in Grand Popo geht es weiter nordwärts nach Abomey, der Stadt der Könige. Als Benin noch das Königreich Dahomey war – also vor der Kolonialisierung – war Abomey der Sitz der Könige Dahomeys. Über die Jahrzehnte gab es sehr viele Könige und man sieht heute noch viele Paläste, weil jeder König sich einen eigenen Palast gebaut hat. Der am besten erhaltene und größte Palast, der heute ein Museum ist, ist der des letzten Königs von Dahomey und seinem Sohn. Es ist beeindruckend zu sehen, wie groß unBild 12d bedeutend der Palast ist, aber auch erschreckend, wie grausam die Zeit des Königs war. Der Thron des Königs besteht zum großen Teil aus Köpfen, die seine Soldaten bei Überfällen in andere Königreiche gesammelt haben. Menschenopfer waren bei den damaligen Vodoo Zeremonien weit verbreitet. Bei der Beerdigung des Königs wurden 40 Kriegsgefangene geopfert. Dahomey gehörte vor der Kolonialisierung auch zu den Reichen, die Kriegsgefangene und zum Teil die eigenen Leute an Europa verkauft haben. Seinerzeit bestand zwischen den Portugiesen und dem König Dahomeys eine wichtige Handelsbeziehung.
Gegenstand des Handels waren Sklaven. Belohnt wurde der König für seine Lieferungen mit wertvollen Geschenken. Nicht weit von Abomey ist Bohicon, bekannt für die „village souterrain“ – die unterirdische Stadt. Noch zu Zeiten Dahomeys haben die Menschen dort unterirdisch in Höhlen gewohnt, um sich besser vor Feinden schützen zu können. Außerdem konnten sie so ankommende Feinde mit einem Angriff überraschen.

Dassa

Bild 13Nach der Besichtigung der Königsstadt fahren wir noch weiter in den Norden nach Dassa – der Pilgerstadt für Christen. Eine Grotte in Dassa dient jetzt neben einer großen, von Italienern gebauten Kirche, als Pilgerstädte. Da es den allermeisten Beninern finanziell unmöglich ist nach Lourdes, den großen Pilgerort in Frankreich, zu fahren, wurde ein Stein aus Lourdes zur Grotte gebracht und in den Felsen eingebaut.
Dassa ist außerdem ein wichtiger Ort des Vodoo, weil es dort einen heiligen Berg gibt. Da wir inBild 13 b
Dassa das Glück haben an einen sehr guten Fürer zu geraten, der sich sehr gut in Dassa auskennt, lernen wir auch ein Cafe eines Künstlers kennen, der seine Kunstwerke in Felsen eingraviert.


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Pendjari National Park (Tanguieta)

Abschied

Abschied

Nach unserem kurzen Aufenthalt in Dassa folgt unsere bisher längste Fahrt nach Natitingou, um einen kurzen Abstecher zu Anna und Andrea zu machen. Außerdem schauen wir uns Boukombe an, berühmt für seine Tatas. Tatas sind besonders gebaute Lehmhütten, die ein bisschen an eine kleine Burg erinnern, weil sie sehr hoch gebaut sind. Die Menschen schlafen oben auf den Dächern, um besser vor Feinden und Dieben geschützt zu sein.
In Tanguieta sieht Daniel endlich, wie ich so lebe und arbeite. Das Schwierigste an Tanguieta ist für ihn mit der Hitze umzugehen, an die ich ja zum Glück schon ungefähr gewöhnt bin. Dennoch ist er froh am letzten Tag in einem ventilierten Hotel übernachten zu können.
Tanguieta ist am bekanntesten für den nahegelegenen Pendjari Nationalpark. Dort kann man Büffel, Affen, Antilopen, Nilpferde, Elefanten und Löwen beobachten. Außer Löwen und Elefanten bekommen wir bei unserem eintägigen Trip in den Park alles zu sehen. Als besonderes Highlight besuchen wir gegen Ende unserer Tour einen wunderschönen Wasserfall, wo wir uns abkühlen können.
Nach diesen zwei Wochen, die für mich wie im Flug vergangen sind, muss sich Daniel auch schon wieder verabschieden, um zurück nach Deutschland zu fliegen.
Wie ihr seht, gibt es in Benin sehr viel zu sehen und zu erleben, auch wenn es überhaupt kein touristisches Land ist. Aber gerade das macht einen großen Reiz aus, weil man so als Tourist vieles intensiver erleben kann.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Sarah

Über Sarah Albrecht

Die Tochter der Familie Albrecht. Psychologin.
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