Ein Brunnen für Tanguiéta

Hallo an alle!

Die letzten Tage waren sehr ereignisreich und auch sehr stressig. Grund dafür ist ein Brunnen, den wir gerade auf einem Dorf bauen bzw. ein Brunnenbau, den wir in Auftrag gegeben haben. Deswegen möchte ich Euch die Geschichte des Brunnens nicht länger vorenthalten und Euch davon berichten.

Im Prinzip hat die Idee, einen Brunnen zu bauen angefangen, als wir eine Freundin in Bagapodi, einem kleinen Dorf bei Tanguiéta, besucht haben. Davon habe ich Euch ja bereits berichtet. Die Menschen hatten dort schon im Dezember große Probleme an Wasser zu kommen.

Wie alles begann, könnt Ihr hier nachlesen: Es war aufregen und spannend.

Wasser – Ein wertvolles und teures Gut

Allgemein gibt es in Tanguiéta große Probleme mit Wasser, insbesondere in der Trockenzeit. Die Trockenzeit im Norden Benins dauert normalerweise von November bis Mai. Gegen Ende der Trockenzeit gibt es eigentlich in ganz Tanguiéta und Umgebung Wasserprobleme. Die Brunnen sind zu der Zeit fast alle leer und die Menschen müssen zum Teil weit laufen, um Wasser zu finden. Generell gibt es in Benin verschiedene Möglichkeiten, an Wasser zu gelangen.  In manchen Höfen, so wie bei uns, steht ein Wasserhahn. Das Wasser kommt aus dem hiesigen Stausee und wird so aufbereitet, dass man es trinken kann. Allerdings kostet das Wasser, was sich viele Menschen nicht leisten können.

Als kostenlose Alternativen gibt es Wasser aus Eimerbrunnen, die oft nur einige Meter tief sind. Das Problem hierbei ist allerdings, dass das Wasser eigentlich nicht trinkbar ist. Dadurch, dass die Brunnen offen sind, kann alles Mögliche hineinfallen, was das Wasser verseucht. Außerdem halten sie nicht über die komplette Trockenzeit. Wenn die Brunnen leer sind, laufen viele Menschen deswegen zu großen Seen, die noch über die Trockenzeit Wasser enthalten. Das Wasser dort ist allerdings noch verschmutzter als in den Brunnen. Mangels einer besseren Möglichkeit wird es dennoch getrunken.

Bild 1Nachdem wir aus Bagapodi zurückgekommen sind, dachten wir noch, es könne nicht viel schlimmer zugehen als dort und in Tanguiéta. Da hatten wir uns allerdings getäuscht und mussten feststellen, dass es noch viel schlimmer geht, wie wir in Monkonton gesehen haben.

Die einzige Möglichkeit dort an Wasser zu kommen, ist ein See in der Nähe. Um dorthin zu gelangen, müssen die Frauen allerdings erst 20 Minuten über Stock und Stein gehen. In der Regenzeit gibt es dort sehr viel Wasser, in der Trockenzeit geht das Wasser jedoch so weit zurück, dass sich der ganze Schmutz im See sammelt. Mit einem Stock müssen die Frauen zuerst die schlimmste Mikrobenschicht  von der Oberfläche entfernen, bevor sie anfangen können, Wasser zu schöpfen.

Bei unserem Besuch im Dorf haben wir solches Wasser auch zum Trinken angeboten Bild 2bekommen. Es war so braun, dass wir wahrscheinlich noch nicht einmal unseren Fuß hineinstecken würden – von Duschen oder gar Trinken ganz zu schweigen.

Aber für die Menschen aus Monkonton  gibt es nun mal keine andere Möglichkeit. Es gibt dieses Wasser oder keines. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie viele Krankheiten einzig und allein durch das Wasser ausgelöst werden, die die Strapazen des Alltags natürlich noch verschlimmern.

Uns haben die Erlebnisse auf den Dörfern so sehr berührt, dass wir beschlossen haben zu handeln und den Menschen helfen wollen.

Unser Entschluss: Wir müssen handeln

Der Weg zum Brunnenbau war ein sehr langer und stressiger Weg. Davor wäre mir niemals die Idee gekommen, dass es so aufwendig sein kann einen Brunnen zu bauen. Zunächst einmal stellt sich da die Frage, was für ein Brunnen gebaut werden soll. Es gibt die da die Möglichkeit einen ganz einfachen Eimerbrunnen zu bauen, der nur wenige Meter tief ist. Diese Brunnen sind nicht teuer, halten aber auch nicht über die gesamte Trockenzeit. Deswegen haben wir beschlossen einen Tiefbrunnen mit einer Pumpe zu bauen. Das Wasser wird hierbei  vom Grundwasserspiegel mithilfe einer Handpumpe nach oben gepumpt. Der Brunnen ist geschlossen und bietet somit über das gesamte Jahr Trinkwasser.

Bild 3Soweit so gut. Wir hatten das Dorf und wussten, welchen Brunnen wir bauen können. Aber wer baut uns den Brunnen? Vor allem: Wer baut uns den Brunnen zu einem angemessenen Preis? Die Suche nach geeigneten Brunnenbauern hat sich als am Schwierigsten herausgestellt. Leider ist es oft so, dass der Preis astronomisch in die Höhe steigt, wenn ein Weißer am Projekt beteiligt ist. Deshalb wollten wir auch zunächst die Idee des Brunnens ganz aufgeben, weil wir dachten, dass es viel zu teuer werden wird. Außerdem war es zu dem Zeitpunkt schon Mitte Mai und die Regenzeit konnte jederzeit einsetzen. Die beste Zeit einen Brunnen zu bauen ist in der Trockenzeit, weil dann der Grundwasserspiegel sehr weit unten liegt und man so sicher sein kann die ganze Trockenzeit über auf Wasser zu stoßen. Die Zeit drängte. Nach einiger Recherche und vielen Gesprächen haben wir buchstäblich in letztem Moment jemand gefunden, der bereit war uns den Brunnen zu einem angemessenen Preis zu bauen.

Es war wirklich schön die Freude in allen Gesichtern der Dorfbewohner zu sehen, als wir ihnen mitgeteilt haben, dass wir ihnen einen Brunnen bauen wollen. Sie waren direkt Feuer und Flamme und sofort bereit sich tatkräftig am Bau des Brunnen zu beteiligen.

Zwei Wochen später ging es dann auch schon los. Das Wichtigste war zunächst ein Loch zu Bild 4bohren und dort dann hoffentlich auf Grundwasser zu treffen. Da die Maschine, mit der der Bohrer betrieben wird, sehr viel Wasser benötigt, war e die Aufgabe der Frauen Wasser zu besorgen. Der See, den ihr auch auf dem Foto gesehen habt, ist über eine halbe Stunde Fußweg entfernt. Zum Glück sind die Tage des Wasserholens für die Frauen hoffentlich bald gezählt.

Bild 5Das Loch wurde mit einer handbetriebenen Bohrmaschine gebohrt. In Deutschland wäre so etwas unvorstellbar. Ein 24m tiefes Loch mit einem Handbohrer nur durch

Muskelkraft bohren? Niemals! Der Bohrer wird von den Männern nach und nach immer tiefer in die Erde gedrückt und das Wasser schwemmt Schlamm und Steine nach oben. Größere Steine müssen von den Männern mit dem Bohrer durchschlagen werden. Man kann sich gar nicht vorstellen wie anstrengend so eine Arbeit sein muss.

Nachdem das Loch gebohrt und die Rohre, in denen später das Wasser nach oben gepumpt wird, eingesetzt waren, wurde eine Mauer um den

Brunnen gebaut. An der Mauer sind die Arbeiter gerade noch dran.  Der Brunnen ist aber noch nicht ganz fertig. Die Handpumpe muss noch eingesetzt und das Wasser desinfiziert werden.  Es gibt also noch einiges zu tun, bis die Bewohner aus Monkonton endlich an ihr Wasser kommen können.

Zum Schluss meines heutigen Berichtes, wende ich mich noch an Euch mit einer BitteBild 6. Der Brunnen wird wahrscheinlich in nächster Zeit fertiggestellt werden können, weil wir einige Finanzierer  gefunden haben. Es fehlt allerdings immer noch Geld, um meinen Aufenthalt hier in Benin zu finanzieren. Meine Organisation benötigt für meinen Aufenthalt insgesamt 2400 Euro, um die Kosten für die Unterkunft, Essen und den Flug zu decken. 

Wenn Ihr also meine Arbeit hier unten unterstützen wollt, dann bitte ich Euch um eine Spende, um so meinen Aufenthalt weiterhin zu ermöglichen. Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden an den ihr mein Anliegen und meinen Bericht zum Brunnen weiterleiten könnt. Das würde mir wirklich sehr helfen.

Die Spenden sollten an folgende Adresse gehen:

Spendenkonto: Kinderhilfe Westafrika e.V.

IBAN: DE03 8305 0000 0000 6521 64

BIC: HELADEF1GER, Sparkasse Gera-Greiz

 Verwendungszweck: Sarah Albrecht, Tanguiéta, Name Spender + Adresse

Ich danke Euch schon jetzt für Eure Unterstützung und bis zum nächsten Mal!

Eure Sarah

Über Sarah Albrecht

Die Tochter der Familie Albrecht. Psychologin.
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Ein Kommentar zu Ein Brunnen für Tanguiéta

  1. dirk-h. meis sagt:

    wenn tausend brunnen fehlen, dann sind es jetzt einer weniger. ein leuchtendes projekt beispielloser iniative, man glaubt es kaum! dem thema fluchtursachen ist auch entsprochen, was mehr könnten wir denn erstreben? und das macht mut!

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