Der Radweg, der kein Radweg ist

Ein neuer Radweg, der viel öffentliches Geld verschlungen hat, und niemand fährt darauf? Ein Radweg, der unerwartet zum Fußgängerweg mutierte? Ein neuer Trierer Schildbürgerstreich?
Doch der Reihe nach:
Viele, viele Jahre wurde über den Ausbau der Loebstraße gestritten. Ein wesentlicher Streitpunkt: Soll ein gesonderter Radweg gebaut werden oder genügt es auf der Fahrbahn ein Radweg abzumarkieren, wie es Anwohner oder auch der Adfc Trier gefordert hatten?
Die Verwaltung hat sich letztlich durchgesetzt, insbesondere mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, ein durchgehendes Radwegenetz zu schaffen, das einen gesonderten Radweg erfordert. Besonders abgestellt wurde in der Argumentation auch auf die besondere touristische Bedeutung dieses Radweges. Mir liegen diese Statements Allesamt vor: „Der Verteilerkreis ist sinnvollerweise nur mit einem Zweirichtungsradweg ins Radwegenetz einzubinden“, so heißt es wörtlich in einer Stellungnahme der Verwaltung. Richtig! Und jetzt?
Ist der jahrelange vehemente Einsatz der Stadt Trier für diesen Radweg plötzlich Null und Nichtig?
Immerhin muss man den Verantwortlichen, die dafür Sorge getragen haben, dass aus dem geplanten Radweg ein Fußgängerweg mit Fahrradgestattung wurde, zugestehen, dass von Anfang an beabsichtigt war, diesen neuen Radweg nicht benutzungspflichtig zu machen, wie es wörtlich in einer Stellungnahme der Verwaltung vom 27.11.2011 zur Vorlage 543/2010 festgelegt ist. Und dies hat auch einen guten, sehr nachvollziehbaren Grund: Radfahrern mit dem Ziel Gewerbegebiet sollte ermöglicht werden, in die Seitenstraßen hinein zu fahren!
Doch muss man deshalb den neuen, teuren Radweg zu einem Fußweg degradieren mit der Folge dass Radfahrer dort nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen?
Natürlich nicht! Da hat die Verwaltung wohl wieder einmal das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet. Meines Erachtens muss das derzeitige Schild „Fußgängerweg“ schnellstmöglich verschwinden und zwar ersatzlos! Stattdessen sollte dort überhaupt kein Verkehrsschild montiert werden, insbesondere natürlich nicht das berühmte Zeichen Nr. 237, das den Weg zu einem benutzungspflichtigen Radweg machen würde. Stattdessen sollte auf diesem Weg weiße Fahrradzeichen aufgemalt werden, die jedem deutlich signalisieren, dass hier freie Fahrt für Zweiradfahrer herrscht, die aber (rechtlich) keinen Benutzungszwang anordnen würden.
Und ein weiteres muss sich schnellstmöglich ändern: Die Zu-und Abfahrt zum neuen Radweg ist äußerst gefährlich. Hier muss (beispielsweise in roter Farbe) eine Furt abmarkiert werden, die den Zweiradfahreren gefahrlose Zu-
und Abfahrt ermöglicht.
In Rat und Verwaltung sind wir uns ja (fast) alle einig, und so ist es ja auch im Mobilitätskonzept festgeschrieben, dass wir den Radverkehr in Trier fördern und steigern wollen. Dieses selbst gesteckte Ziel sollte aber auch ernst genommen werden! Manchmal kann man sich nicht ganz des Eindrucks verwehren, als fehle manchem da die entsprechende Einsicht.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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