Frustration

Wenn man die Meldung im heutigen TV liest, dass die Umgestaltung des Simeonstift-Platze zum Zeitpunkt der Eröffnung der Konstantin-Ausstellung nicht mehr möglich sein wird, vergeht einem wirklich der Spaß an der Stadtratsarbeit.
Stundenlang haben wir das Projekt im zuständigen Ausschuss diskutiert. Alle Fraktionen waren sich darüber einig, dass es dringend notwendig ist, dass zur Konstantin-Ausstellung der Platz neu gestaltet sein und die Busse von der Porta entfernt werden müssen. Sogar Einzelheiten, wie die Überdachung der neuen, zentralen Bushaltestelle aussehen soll, sind schon intensiv besprochen worden. Und jetzt das! Alle Mühen waren offensichtlich vergeblich. Das Land hat erklärt, dass die notwendigen Zuschüsse nicht fließen können. Wieder ein von uns beschlossenes Projekt, das nicht realisiert werden kann! Und Verschiebung auf spätere Jahre (laut Dietze 2008 oder 2009) heißt doch in Wirklichkeit – da sollten wir uns nichts vormachen – Verschiebung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag!

Ich frage mich langsam, sollten wir wirklich noch irgendwelche Projekte für die Stadt Trier diskutieren? Es scheint ja so gut wie gar nichts mehr umzusetzen zu sein.

Heute entscheiden wir zum Beispiel im Stadtrat über die Weiterentwicklung des Regionalbahnkonzeptes, ein notwendiges und ebenfalls von allen Fraktionen unterstütztes Projekt, das allerdings noch viel teurerer ist (allein der Bau des Haltepunktes Ehrang hat über 7 Millionen Euro gekostet!). Eine völlig überflüssige Diskussion? Es scheint ja nicht den Hauch einer Chance zu geben, dieses Konzept in einigermaßen absehbarer Zukunft auch umsetzen zu können!
Macht die Ratsarbeit in Anbetracht dieser Aussichten überhaupt noch Sinn, fragt man sich bisweilen.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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13 Antworten zu Frustration

  1. blogoli sagt:

    Kopf hoch Herr Albrecht!
    Das kein Geld für gar nix da ist, das sollte Sie eigentlich in keinster Weise überraschen. Insofern ist das mit den tollen neuen Projekten immer so eine Sache, wenn man sich auf einen Geldgeber verlässt, der selbst kein Geld hat.
    Hier ist Kreativität gefragt! Beim ÖPNV zum Beispiel halte ich es für ausgeschlossen, das es nicht möglich sein kann das bestehende Angebot attraktiver und wirtschaftlicher zu machen, indem man keinen Cent mehr dafür ausgibt als bisher. Die Verbesserung von Produkten in privatwirtschaftlichen Unternehmen geschieht häufig kraft der Kreativität der Entscheider und Beteiligten. Da wird auch nicht erst mal Geld verplant und anschließend schauen wir mal ob wir noch Geld haben!
    Also – der Stadtrat sollte mal in sich gehen und überlegen in der Stadt Trier eine Kreativitätsinitiative zu starten. Alle Beschäftigten und Entscheider die eine Idee entwickeln, mit der Arbeitsabläufe verbessert, sparsamer, effektiver, kunden- und bürgerfreundlicher werden, zu mehr Einnahmen führen, werden mit einem dicken Bonus belohnt. Und zusätzlich schaffen Sie einen Arbeitsplatz, auf dem jemand sitzt, der Bürgerideen ERNSTHAFT auf Ihre Macjhbarkeit und Umsetzbarkeit überprüft. Auch hier schlummert ein Potential von annähernd 100.000 Einwohnern. Da kann mir keiner sagen, das die Alle sich nicht auskennen und keine guten Ideen haben sollen!

    Gründen Sie den Brainpool Trier und schöpfen Sie aus der Intelligenz einer ganzen Stadt. Nehmen Sie die Bürger und Beschäftigten mit auf eine Reise in die Zukunft!

  2. blogoli sagt:

    P.S.

    … und lassen Sie sich dabei professionell beraten!

    😉

  3. Jim Klitsch sagt:

    @blogoli: Applaus Applaus!

    @Thomas_Albrecht:
    Ich kann Ihre Enttäuschung gut verstehen, ein wichtiges Projekt für die Stadt Trier, bei dem sich ausnahmsweise alle einig waren und trotzdem ist es wohl gestorben.
    Trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, hier soll wieder einmal das Geld anderer Leute ausgegeben werden, bevor man es in Händen hält.
    Viele Projekte werden durchgeführt nach dem Motto „Machen wir, schließlich bezuschußt das Land mit x Prozent!“. Trotzdem ist das unser aller Geld was ab und an etwas leichtfertig ausgegeben wird – sofern es es denn mal fließt…

  4. Moseljupp sagt:

    @blogoli

    Schön, dass täglich neue Angelismen erfunden werden, um das Elend unserer modernen Lebenswelt neu zu beschreiben – oder auch nur zu verschleiern (eher letzteres!).

    Ist ein Brainpool (schreckliches Wort! Erinnert mich an Gruselfilme…) das neue Zuhause für kluge Köpfe und Querdenker?
    Der Brainpool für Neuentwicklungen und Ideen-Management ist doch schon bei der „Lokalen Agenda Trier“ angesiedelt, oder?

    Ich persönlich bevorzuge eine Arbeitsgemeinschaft von geistigen Arbeitern mit praktischer Erfahrung! So kommt nämlich meiner Erfahrung nach am meisten dabei raus.

  5. augur sagt:

    @ blogoli
    Vollste Zustimmung!!!

  6. blogoli sagt:

    @Moseljupp:

    Ich kann es nicht ausstehen, wenn jede Idee gemessen wird an irgendwelchen Theorien oder Arbeitspapieren oder sonst irgendetwas. In Deutschland haben wir es völlig verlernt Dinge einfach einmal für sich selbst stehen zu lassen. Für mich sind diese sogenannten „geistigen Arbeiter mit praktischer Erfahrung“ sind häufig nichts anderes als Kaffekreise in denen man zwar wüßte wie es geht, das dann aber lieber in eine Agenda schreibt als zu arbeiten. In Deutschland wird halt gerne empfohlen!
    Was wir brauchen ist eine neue Kultur der Selbstbeteiligung und Eigeninitiative und keine Kultur an Besserwisserei und Empfehklungs-Empfehlungen, egal von wem Sie kommen. Wir brauchen auch keine geistigen Arbeiter mit praktischer Erfahrung, wir brauchen Arbeiter die anpacken und zupacken.
    Und einer dieser Arbeiter könnte ganz Vorurteilsfrei Ideen sammeln, Ideen einfordern, Ideenwettbewerbe ausschreiben und was weiß ich nicht noch alles.
    Die Stadt Trier hat ebensoviele Gehirne wie Einwohner. Da hält kein Rechner mit, das kann keine Theorie abbilden. Aber das sollte man ausschöpfen. Und wenn Dir so eine Idee nicht gefällt, weil ich das eben einfach mal so Brainpool genannt habe, dann ist das erstens schade und zweitens Bestandteil des Problems das wir haben.

    Hier geht es nicht um eine Politikdebatte um „Bürgerbeteiligung“, das endet wieder nur in endlosen Diskussionen um Weltbilder und warum dies und warum nicht das.
    Mir geht es ganz pragmatisch und theoriefrei darum, die Menschen aufzufordern Ideen abzugeben, die sie schon längst haben. Und wenn ich es auch nicht gerne zitiere, trifft der aktuelle Werbeslogan von Microsoft das ganz treffend:
    „Ihr Potential ist unser Antrieb“.
    Das wär mal was für Stadtentwickler und Kommunalpolitiker!

  7. Moseljupp sagt:

    @blogoli

    Na dann geh dochmal mit guten Beispiel voran.

    Was hat denn der „blogoli“ für Erfahrungen im Ausland sammeln können? Wieviel Auslandserfahrung braucht man?

    Meinereiner kann mit vielfältiger Auslandserfahrung aufwarten, vorwiegend in „Nah-Ost“. Fair gehandelter Kaffee und Tee kann man auch in Israel bekommen und trinken…

  8. Thomas Albrecht sagt:

    @alle
    Ich bedanke mich für die ausführliche und intensive Diskussion. Ganz sicher sind in Anbetracht der knappen Kassen kreative Ideen gefragt. Wir werden im nächsten Jahr zu diesem Thema sicher eine intensive Diskussion zu führen haben.

  9. blogoli sagt:

    @moseljupp:

    Deine Reaktion ist genau das was ich meine!!!!

    der blogoli ist sehr aktiv, aber ich finde, das tut hier gar nichts zur Sache!

    Wie Du jetzt auf Auslandserfahrung und fair gehandelten Kaffee kommst erschließt sich mir überhaupt nicht. Und ganz ehrlich gesagt hilft „Nah-Ost“-Erfahrung in dieser Diskussion auch nicht weiter, denn Trier liegt in „Ganz-nah-West“!!!

    Aber Zuhören, das würde weiter helfen!
    Zum Beispiel wenn man ERNSTHAFT Zuhören würde wie die alte Dame im Stadtbus stöhnt, weil die absenkbaren Busse überall fahren, nur nicht dort wo die ganzen Alten Leute wohnen? Vielleicht gäbe es den ein oder anderen Fahrgast mehr, wenn man ihr zuhören würde. Das ist eine ganz praktische und sinnvolle Überlegung die für mehr Kundenzufriedenheit, höhere Auslastung und mehr Einnahmen sorgen kann, wenn sich der Einwand als berechtigt herausstellt. Wenn ich das mit „geistigen Arbeitern mit praktischer Erfahrung“ diskutiere, dann wird da gleich eine Generationendebatte draus in der alle Busse Altenfreundlich sein müssen. Bloß das dafür kein Geld da ist und die alte Dame muss immer noch in den Bus klettern.
    Das Beispiel mit der alten Dame ist übrigens frei erfunden, nicht das mir jetzt einer Fahrpläne und und Einsatzpläne von den Stadtwerken um die Ohren haut!

  10. Moseljupp sagt:

    @blogoli

    Ein Mensch, nennen wir ihn Klaus wird bestimmt über deine Ideen und Initiativen erfreut sein.

  11. augur sagt:

    @ Moseljupp

    Bist Du der „echte“ Moseljupp aus dem Blog, denn ich verstehe deine Antworten und Kommentare nicht bzw. bringe sie nicht mit deinen sonstigen Meinungen zusammen…

  12. Hans-Peter Linz sagt:

    um nochmals auf das Thema Regionalbahn zurückzukommen: Ist der Stadtrat eigentlich das richtige Gremium für eine Diskussion, die letztlich die Deutsche Bahn AG als Akteur erfordert? Es würde doch nur Sinn machen, zu diskutieren, wenn die Bahn schon ein Angebot gemacht hat. Aber ich fürchte, dass die DB sich wenig dafür interessiert, ein paar Wittlicher mit dem Zug zur nächsten Arena-Andre-Rieu-Show zu fahren.

  13. Thomas Albrecht sagt:

    @ Hans-Peter
    Die DB ist selbstverständlich in die Diskussion einbezogen. Sie hat (nach meinen Informationen) nicht gegen zusätzliche Haltepunkte, bescheren sie doch mehr Fahrgäste. Allerdings: Bezahlen muss diese Haltepunkte die Stadt Trier (Ehrang: 7,5 Mill €)!

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