Kinderfreundlichkeit in Trier

Ich halte es für notwendig, gut und richtig, dass in letzter Zeit der Fokus der öffentlichen Diskussion auf geschundene und gequälte Kinder in der ganzen Welt gerichtet worden ist. Man kann gar nicht genug darauf aufmerksam machen.

Dies führte mich zu der Überlegung: Wie sieht es eigentlich vor der eigenen Haustüre mit der Kinderfreundlichkeit aus! Wie gehen wir in Trier mit unseren Kindern um?

Ohne Zweifel, so behandelt wie in manchen Ländern dieser Erde werden Kinder hier sicher nicht. Aber vieles erscheint mir auch bei uns stark verbesserungsbedürftig, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Da ist mir diese Woche doch ein Beispiel begegnet, das ich kaum glauben konnte.

Neubaugebiet auf der Tarforster Höhe. Viele junge Familien wohnen dort mit Kindern, aber auch kinderlose Ehepaare. Man berichtete mir, dass dies teilweise überhaupt nicht zusammenpasst.

Kinder spielen nun einmal gerne Ball. Sollen sie auch, müssen sie auch, denn fettleibige Kinder sind auch so ein trauriges Kapitel bei uns.

SpielstraßeDoch wo sollen sie spielen? Auf der Straße werden sie von Nachbarn verjagt, die sich durch das Spiel gestört fühlen. Das Schild weist sie zwar als „Spielstraßen“ auf, aber viele wollen nicht dass Kinder dort tatsächlich spielen!

Aber da gibt es ja große Wiese in der Nähe, gleich neben einem Spielplatz. Wenn man da ein paar Tore aufstellen würde, dann könnte man dort wunderbar Fußball spielen. Ein idealer Platz! Das dachte sich auch der Ortsbeirat und veranlasste das Entsprechende: Doch die Rechnung hatte man ohne den Wirt, genauer gesagt die Jurisprudenz gemacht. Ein Anwohner klagte dagegen vor dem Verwaltungsgericht und ….. bekam Recht! So etwas ist rechtswidrig, meinten die Richter.

Wiese

Jetzt bleibt den Jugendlichen nur darauf zu hoffen, dass bald der 2. Sportplatz gebaut wird und man dort etwas Ball spielen kann.

Ich persönlich kann nicht nachempfinden, wie man überhaupt Geräusche, die Kinder verursachen, als störenden Lärm empfinden kann. Gut, man kann argumentieren, ein „kampferprobter“ Vater von 3 Kindern – wie ich – ist das einfach gewohnt. Es gibt kranke, überempfindliche Personen, die reagieren anders darauf. Aber muss können Kinder, die beim Fußballspielen sicher auch mal laut schreien, wirklich so stören, dass man gleich vor das Gericht ziehen muss? Erwartet jemand, der sein Haus in einem Neubaugebiet errichtet, das für junge Familien konzipiert ist, ernsthaft, dass es dort zugeht wie in einem Kurpark?

Immer wieder muss ich es erleben dass wohlgemeinte Aktionen von Ortsbeiräten, irgendwo für Kinder einen Basketballkorb hinzustellen, schnell durch klagefreundliche Anwohner wieder zunichte gemacht werden. Kinderfreundlichkeit ließe sich so einfach verwirklichen, wenn man einfach etwas toleranter im Umgang mit denjenigen wären, die immer als unsere Zukunft bezeichnet werden!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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8 Antworten zu Kinderfreundlichkeit in Trier

  1. Als ich vor einigen Jahren an einer Schule als Sozialarbeiter und Psychologe gearbeitet hatte, bekam ich einen ähnlichen Vorfall mit. Auf dem Schulhof einer Vorstadt-Grundschule brachte jemand einen Basketball-Korb an, damit die Kinder und Jugendlichen des nur mit mangelhaften Spielmöglichkeiten ausgestatteten Stadtteils mittags eine Spielmöglichkeit haben. Der Schulleiter ließ den Korb entfernen und bestand zudem auf sein Hausrecht, welches das Betreten und Nutzen des Schulhofs außerhalb der Unterrichtszeit untersagte. Dies ist umso dramatischer und irrsinniger, als dass man von einem Menschen in solcher Position und mit solcher Ausbildung eigentlich selbstredend eine am „Wohl des Kindes“ orientierte Grundhaltung erwarten dürfte
  2. lavendel sagt:
    @ Roger Schug
    Was waren die Gründe für den Schulleiter? Du kennst sie sicher. Vielleicht hat er dabei auch an das Wohl seiner Grundschüler gedacht. Fand am Nachmittag dort keine Betreuung oder Unterricht statt?

  3. Roger Schug sagt:
    @lavendel: Über die Gründe wurde meines Wissens nichts genannt. Eine Betreuung gab es an dieser Schule damals nicht. Dieser Vorfall wurde damals an der Schule bekannt, an der ich gearbeitet hatte und hatte im gesamten Kollegium Entrüstung ausgelöst. Mir sind hier in Trier zudem auch Schulen bekannt, die die nachmittägliche Nutzung des Schulgeländes unabhängig von Betreuungsangeboten zumindest nicht verhindern.
  4. Lorelay sagt:
    Bei einem Spaziergang durch die Rotbachstraße in Heiligkreuz konnten wir ein Meisterstück der „Kinderfreundlichkeit“ entdecken.
    Dort hatte ein liebenswerter Mitmensch auf seine ca. 60cm hohe Hecke einen Stacheldraht drapiert, weil die Schukis sich scheinbar dort immer in die Hecken schubsen.
    Außerdem wurde nun nach 1 1/2 jährige Bauzeit endlich der Spielplatz an der Grundschule eingeweiht. Der sollte eigentlich zum Schulfest im Juni 2006 fertig sein. Aufgrund einiger Anwohnerbeschwerden verzögerte sich die Eröffnung bis Mai 2007.

  5. Thomas Albrecht sagt:
    @ Roger Schug und Lorelay<br />

    Das Problem mit den Schulhöfen ist allerdings ein Sonderfall. Hier auf Mariahof wurde auch der Schulhof zum Spielen geöffnet. Die Folge war allerdings, dass durch Vandalismus viel zerstört wurde. Daher war die Öffnung nicht mehr aufrecht zu erhalten. Jetzt ist er nur noch einmal pro Woche geöffnet, wenn Eltern zu dieser Zeit Aufsicht führen.
  6. Lorelay sagt:
    Vandalismus, gerade an langen Wochenenden und in den Ferien, ist auch hier immer wieder ein Problem. Es bleibt zu hoffen, dass der neugestaltete Spielplatz, der u.a. auch ein grünes Klassenzimmer hat, möglichst lange in seinem jetzigen Zustand bleiben wird.
  7. Ricarda sagt:

    Vielen Dank für diesen guten Beitrag! Sie sprechen da ein wichtiges Thema an! Diese Mißachtung gegenüber unseren Kindern treffen wir in Trier an vielen Stellen an!

  8. Spectator sagt:

    Bei allem Eifer für den Schutz der Kinder in der Dritten Welt, sollte man auch die Probleme in der eigenen Stadt nicht übersehen. Dazu ein Beispiel: An dem Eingang zum Kinderspielplatz an der Stresemannstraße in Trier halten sich oftmals Trinker (Frauen und Männer) auf, die den Platz auch aufsuchen, um in die dortigen Büsche zu urinieren. Hier sollte endlich Abhilfe erfolgen, denn der Platz ist nicht für alkoholkranke Erwachsene, sondern für Mütter mit ihren kleinen Kindern bestimmt. Erwachsene, die dort nichts zu suchen haben, sollten von diesem Platz fern gehalten werden. Es sind – notfalls – auch Platzverweise auszusprechen. Der Kinderspielplatz sollte nur von denen benutzt werden, für die er gesetzlich bestimmt ist: Kinder.

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