Kulinarisches Juwel im Hunsrück

Es sollte eine Geburtstagsüberraschung für meine liebe Ehefrau werden: Sie scheint gelungen zu sein.
Zuvor habe ich ihr nur verraten, dass wir eine Dorfgaststätte eines Ortes mit etwas über 700 Einwohner besuchen wollten. Auf der Fahrt ließ sie sich ihre heimliche Enttäuschung nicht anmerken: Hatte sie doch anlässlich ihres Ehrentages irgendetwas Besonderes erwartet und keine Dorf-Kneipe.
Um so erstaunter war sie, dass sie dann tatsächlich etwas ganz Außergewöhnliches erleben durfte: Eine Dorfgaststätte, in der Tat, aber eine solche, die seinesgleichen sucht: Ein Juwel in dem kleinen Flecken Neuhütten, nur 45 km von Trier entfernt, das sich von außen dem Ankömmling ganz unscheinbar in einem schlichten Grau präsentiert.

Schöne Überraschungen

Ich hatte das Arrangement 5-Gang Überraschungsmenü, Übernachtung und Frühstück gebucht. Dazu haben wir die Weinbegleitung bestellt, was unbedingt zu empfehlen ist. Es war genau die richtige Wahl. Wir konnten eine kurze, aber wundervolle Auszeit vom Alltag genießen. Und das zu einem absolut angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis. 340 Euro für 2 Personen im Juni 2020 (Inkl. Hausaperitif, Übernachtung und Frühstück zuzüglich 2 mal 60 Euro für die Weinbegleitung).

Der  Service war unaufgeregt, aber äußerst aufmerksam. Jeder unserer Wünsche wurde unverzüglich erfüllt. Einer der Kellner war – unverkennbar trotz Corona-Maske – Sohn des Hauses.
Da schönes Wetter war, wollten wir den Aperitif draußen einnehmen. Uns wurde sofort alles unverzüglich auf der Terrasse hergerichtet.

Ich verzichte darauf, die Einzelheiten des Menüs zu schildern, sondern fasse es mit einem Wort zusammen: Traumhaft! Den Michelin-Stern hat sich das kochende Ehepaar, das sich in der Küche des – unserer bescheidenen Meinung nach – besten deutschen Restaurants aller Zeiten, dem Waldhotel »Sonora« in Dreis, kennengelernt hatte, wahrlich verdient. Nicht ohne Grund hat das Restaurant eine bemerkenswerte Sammlung von höchsten Auszeichnungen der bedeutendsten Restaurant-Führer.
Vor dem eigentlichen Menü gab es gleich drei »Grüße aus der Küche«, einer besser als der andere. Zudem wurden wir mit einem zusätzlichen »Dessert vor dem Nachtisch« überrascht.

Gerichte als Gemälde

Gerichte wie Gemälde

Die einzelnen Gänge bestechen nicht nur durch den ausgewogenen Geschmack, sondern auch durch das Erscheinungsbild.
Wie Gemälde aus der Renaissance erfreuten die sorgsam zusammengestellten Arrangements das Auge des Betrachters.
Die einzelnen Kompositionen überraschten mit einer Komposition von bekannten, heimischen Genüssen und exotischen Geschmacksrichtungen, deren Herkunft und Bedeutung wir »googeln« mussten.

Doch eine Bemerkung zu einem Gang muss dann doch sein:
Entrée: »Gänseleber«, wobei auf der Speisekarte das hässliche Wort »Gänse-stopf-leber« vermieden wurde. Keine Frage, ein unvergessliches Geschmackserlebnis, dazu ein Riesling von den Trierern Bischöflichen Weingütern, der einer Beerenauslese nahekam. Doch nach unserer festen Überzeugung muss dieses Produkt, für das so viele Tiere unnötig leiden müssen, von allen Speisekarten dieser Welt verschwinden!
Wir haben schon unzählige Diskussionen mit verschiedenen Restaurant-Besitzern geführt: Es kommt immer das gleiche Argument: »Die Gäste verlangen danach!« Doch das darf keine Rechtfertigung sein. Wie die übrigen Gänge bewiesen haben: Gerade Spitzenköche können außergewöhnliche Geschmackserlebnisse auch nachhaltig erzeugen!

Noch ein Wort zum Hotelzimmer, in das wir uns nach dem 3 ½ Stunden dauernden Gourmet-Erlebnis zurückziehen konnten: Es war schlicht, aber zweckmäßig ausgestattet. Ein alter Röhrenfernseher an der wand mutete an wie ein altes Relikt aus vergangenen Jahren. Selten haben wir aber in einer solch‘ himmlischen Ruhe schlafen dürfen. Blick auf den Wald. Die einzigen Geräusche, die wahrzunehmen waren, war sanftes Vogelgezwitscher. Kein Wunder, dass wir am Morgen verschlafen haben.

Das Frühstück war einfach, enthielt aber alles, was das Herz begehrt. Mehr kann man nach einem Menü am Abend morgens auch nicht verzehren.

Dieses Goethe-Zitat ziert eine Rückwand im Restaurant. »Wie wahr«, können wir nach unserem Erlebnis in dem dörflichen »Gourmet-Tempel« bestätigen. Wir empfehlen den Gourmet-Tempel gerne weiter!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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