Mein Alltag in Afrika


Ein erneutes „Bonjour“ aus Benin! Lang ist’s her seit ich meinen letzten Bericht geschrieben habe und in der Zwischenzeit ist wieder viel passiert.
Bild1Ende September sind Pauline und ich auf unser Vorbereitungsseminar nach Natitingou gefahren. Dort wurde uns hauptsächlich von Missionaren, die schon einige Jahre in Benin leben, erzählt, worauf wir in Benin besonders achten sollen und wie die hiesige Kultur zu verstehen ist. Der Ort bei unserem Seminar war wirklich wunderschön.

Bild 2Er liegt mitten in den Bergen und bietet einen herrlichen Panoramablick. Ich war wirklich sehr traurig, als wir wieder zurück mussten.

 

Es wird wohnlicher

Vor allem gegen unsere Wohnung hatte ich in der Zwischenzeit eine richtige

Bild 3 Abneigung entwickelt. Während dem Seminar haben wir in kleinen gemütlichen Hütten gewohnt ohne Insekten und mit richtigen Betten! Wenigstens die wurden uns am Tag unserer Ankunft in Tanguiéta noch vorbeigebracht. Pauline und ich waren so froh nicht mehr auf dem Boden schlafen zu müssen, dass wir sie direkt aufgebaut haben. Endlich keine Kakerlaken mehr im Bett! Unsere Wohnung war zwar immer noch eine „dreckige Höhle“ (Zitat Andrea), aber das sollte zum Glück nicht mehr lange so sein…Bild 4

Eine Woche nach dem Seminar haben uns Anna und Andrea, die zwei Freiwilligen in
Natitingou besucht um den Tag der deutschen Einheit mit uns zu feiern und unsere Wohnung zu verschönern. Nach zwei Tagen harter Arbeit war sie nicht mehr wiederzuerkennen. Aber urteilt selbst. Ich denke die Bilder sprechen für sich.

Alltag in Tanguiéta

Der eigentliche Zweck dieses Berichtes soll aber nicht sein euch zu erzählen, was ich die letzte Zeit so getrieben habe. In dieser Mail möchte ich euch ein wenig beschreiben, wie ich hier so lebe, weil ich das bisher recht oft gefragt wurde.
Bild 5Also beginnen wir unseren Rundgang durch Tanguiéta am besten morgens früh in unserer Wohnung, die ihr ja bereits kennt.

Meistens stehe ich schon recht früh gegen 6 Uhr morgens auf. Zum einen, weil die Meisten hier um die Zeit aufstehen und zum anderen, weil ich die Sonnenstunden, die wir haben, so gut es geht ausnutzen möchte. Bei uns wird es das ganze Jahr über ungefähr um die gleiche Zeit dunkel und hell. Gegen 7 Uhr ist es hell und gegen 20 Uhr stockdunkel. Da bleiben also übers Jahr verteilt gar nicht so viele Sonnenstunden. Außerdem ist es tagsüber und abends so heiß, dass für Sport eigentlich nur der Morgen bleibt – die einzige Zeit, in der es angenehm kühl ist. Meistens erledigen wir morgens Dinge wie abspülen oder Frühstück holen. Zum Frühstück isst man hier meistens die Reste vom Vortag oder „Bui“ (Maisbrei) und „Gateaux“ – das sind runde frittierte Teigbällchen. Glücklicherweise gibt es bei uns eine Frau, die „Bui“ direkt um die Ecke verkauft. In unserem Hof wohnen vier Familien mit insgesamt 13 Kindern. Constant (größtes Kind mit der gelben Sachen) gebe ich Nachhilfe in Lesen und Schreiben, weil er mit acht Jahre immer noch nicht lesen und schreiben kann und Ono (Kind auf meinem Schoß) versuche ich gerade das Sprechen beizubringen, weil sie mit 3 ½ Jahren nur zwei Wörter sprechen kann. Inzwischen plappert sie oft einige Wörter und ich hoffe, dass sie nach dem Jahr richtig gut sprechen kann.

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Je nachdem ist unser Morgen frei oder wir gehen in die Schule, um Deutschunterricht am Collège oder Englischunterricht in der Grundschule zu geben. Die Schule und das Collège sind nur 5 Minuten Fußweg von unserem Haus entfernt, also bequem zu erreichen. Die Schule beginnt hier um 8 Uhr und endet um 12 Uhr für eine dreistündige Siesta. Die Siesta ist hier übrigens heilig und wird auch von den meisten Geschäften und vielen auf dem Markt eingehalten. Um 15 Uhr geht es weiter und um 17 Uhr ist Schulschluss. Außerdem geben wir zweimal die Woche einen Alphabetisierungskurs für acht Mädels (16 – 22 Jahre alt).

Kirche: Ein Ort der Begegnung

Bild 8Direkt neben der Schule ist die Kirche „Assemblée de Dieu“, wo ich jeden Sonntag
den Gottesdienst besuche. Der Gottesdienst dient nicht nur dem Beten, sondern ist auch ein Ort, an dem man regelmäßig Freunde und Bekannte wiedertreffen kann. Religion und das Alltagsleben der Menschen hier sind untrennbar miteinander verbunden.

Zweimal die Woche ist Chorprobe in der Kirche, wo auch wir anzutreffen sind. Direkt bei der Kirche wohnen der Pastor und seine Frau, unsere Gasteltern, bei denen wir fast jeden Tag zu Mittag essen.
Das Essen in Benin ist sehr vielseitig. Es wird viel Pate gegessen – Maismehl mit Wasser vermischt, das von der Konsistenz an unseren Wackelpudding erinnert. Meist gibt es dazu eine Soße aus Tomaten und Fisch – immer sehr scharf. Außerdem essen die Menschen hier viel Reis und Bohnen. Fleisch gibt es selten. Wenn es Fleisch gibt, muss eins von den Tieren der Familie geschlachtet werden und das ist aufwendig und teuer.

Jeden Tag zum Markt

Bild 9Nachmittags gehen wir fast jeden Tag auf den Markt bzw. fahren, weil wir seit ein paar Wochen Fahrräder haben. Das ist zwar nervig, aber unvermeidlich, weil wir keinen Kühlschrank oder irgendetwas zum Kühlen haben und die Lebensmittel unter den Bedingungen fast alle nur einen Tag halten. Kochen müssen wir jeden Abend – das nimmt natürlich eine Menge Zeit in Anspruch.
Die zeitraubendste Tätigkeit ist jedoch eindeutig das
Wäsche waschen. Seit ich hier bin, lerne ich unsere Waschmaschinen erst richtig zu schätzen. Handwäsche dauert ewig und die Flecken nur mit Seife und kaltem Wasser aus der Kleidung zu bekommen, ist eine Kunst für sich.

Tanguiéta: Stadt und Dorf zugleich

Bild 10Unsere Stadt Tanguiéta hat 20.000 Einwohner, erinnert aber vielmehr an ein Dorf als an eine Stadt. Es gibt zwei Krankenhäuser, mindestens sieben Schulen, von denen ich weiß und viele, viele Moscheen und Kirchen. Außerdem natürlich unseren Markt. Ab und zu trifft man Touristen, weil sich in Tanguiéta der größte Nationalpark des Landes befindet.
Besonders hervorzuheben ist die wunderschöne Landschaft. Tanguiéta ist von Bergen umgeben und auf der Fahrt von Natitingou nach Tanguiéta gibt es mehrere Stellen, wo man einen herrlichen Panoramablick genießen kann. Außerdem gibt es ganz in der Nähe einen Wasserfall, den wir vor kurzem besucht haben und sicher noch öfter besuchen werden (Fotos siehe unten). Ich bin wirklich froh und stolz darauf, was wir inzwischen alles bei uns verändert haben. Anfangs hatten wir kein Gas, keine Fliegengitter, keine Betten und wussten überhaupt nicht, an wen wir uns mit welchen Problemen wenden müssen geschweige denn, wann wir mit der Arbeit anfangen. Inzwischen haben wir uns eineBild 11 gemütliche Bleibe geschaffen, arbeiten an der Grundschule und am College und haben einen Alphabetisierungskurs ins Leben gerufen.

 

 

 

Bitte um Unterstützung

Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch vieles verändern kann und wir viele neue Projekte ins Leben rufen können.
Um dies zu ermöglichen benötigen ich und besonders meine Organisation allerdings weiterhin Unterstützung. Deswegen möchte ich Euch an dieser Stelle um Eure Hilfe in Form von Spenden bitten. Einzelspenden genau wie Daueraufträge sind hierbei gleichermaßen erwünscht, weil mein Aufenthalt bis August 2016 finanziert werden muss. Die Spendenadresse findet Ihr am Ende dieses Berichtes.

Ansonsten wünsche ich Euch alles Gute und Ihr hört wieder nächsten Monat von mir in einer neuen Rundmail!

Eure Sarah

Kinderhilfe Westafrika e.V.
IBAN: DE03830500000000652164
BIC: HELADEF1GER
Bank: Sparkasse Gera-Greiz
Verwendungszweck: Sarah Albrecht, Tanguiéta, Name Spender + Adresse

Über Sarah Albrecht

Die Tochter der Familie Albrecht. Psychologin.
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