Moselaufstieg West – heute im Rat

Da soll doch noch einer behaupten, bloggen würde nichts bewegen. Hans-Peter Linz hatte angeregt, die Diskussion über den Moselaufstieg West noch einmal zu beleben und über einen Moselaufstieg zwischen Euren und Trier-West nachzudenken. (siehe zuletzt auch hier) [Augur hat sich indes hier gegen solche Überlegungen gewandt.]

Ein entsprechender Antrag ist jedenfalls mittlerweile gestellt worden. Er wird von mir heute Abend im Stadtrat begründet werden.

Mit diesem Antrag soll ein Anstoß gegeben werden, neu über das Thema nachzudenken, nicht mehr und nicht weniger.

Meines Erachtens ist das Thema wichtig für Trier. Denn allein schon aus umweltpolitischen Gesichtspunkten (Stichwort: Feinstaub) müssen wir eigentlich alle daran interessiert sein und deshalb alles daran setzen, unsere Stadt so weit es eben geht vom Schwerlastverkehr zu befreien.

Keine Frage: Nachdem das Oberverwaltungsgericht Koblenz im Mai 2005 den Planfeststellungsbeschluss „Moselaufstieg“ aufgehoben hat, hat das Vorhaben einen herben Rückschlag erlitten. Die Aufhebung erfolgte nicht etwa, weil das OVG diesen Bebauungsplan als rechtswidrig ansah, sie erfolgte, weil es meinte, dass eine Umsetzung des beschlossenen Bebauungsplans in absehbarer Zeit unrealistisch ist.

Man kann das Urteil nun beklagen oder nicht. Das wird nicht weiterhelfen. Ich meine, wir es zum Anlass nehmen, zu prüfen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, das Ziel zu erreichen.

Dazu bestehen umso mehr Gründe, weil es inzwischen neue Signale aus Berlin gibt, die hoffen lassen, dass die Priorität dieses Projekts im Bundesverkehrswegeplan doch noch als höchste eingeordnet wird.

Der rheinland-pfälzischer Verkehrsminister Hendrik Hering gibt sich zwar noch etwas bedeckt und meinte in einem Interview des TV, dass die Westumgehung erst dann angegangen werden sollte, wenn Nordtangente gebaut ist. Er hat aber gleichfalls in diesem Interview (TV vom 23.8.2006) betont, dass ein Gesamtkonzept entworfen werden muss und man dabei auch über Alternativen nachdenken muss. Das werte ich als positives Signal, das Hoffnung macht, auch auf die Unterstützung der Landesregierung setzen zu können.

Mir geht es dabei darum zu prüfen, ob nicht eine Autobahnanbindung in Trier selbst, also zwischen Euren und Trier-West eine Alternative wäre.

Ich gebe zu, die Idee ist nicht ganz neu. Schon vor vielen Jahren war sie in der Diskussion. Es war dabei angedacht, einen Tunnel beim Sportplatz zwischen Euren und Trier-West zu bauen und dann am Löberg vorbei auf die Autobahn zu kommen.

Ob dies möglich ist, ob das zu finanzieren ist, weiß ich nicht. Es geht mir darum, den Grundgedanken in der heutigen Situation noch einmal aufzugreifen.

Denn eine solche Lösung hätte zahlreiche Vorteile:

Das Industriegebiet Euren wäre besser angeschlossen.

Das Problem Zewen wäre gelöst, die Anwohner des Stadtteils müssten nicht das erhöhte Verkehrsaufkommen fürchten. Eine Anbindung nach Konz über eine Umgehung Zewen sollte dabei jedoch in der Diskussion bleiben.

Die Bitburger Straße wäre wesentlich entlastet.

Eine unmittelbare Anbindung an die Konrad-Adenauer-Brücke könnte auch zu einer Neubelebung des etwas verwaisten dortigen Park and Ride-Platzes und damit auch zur Entlastung der Trierer Innenstadt in Zeiten besonderen Verkehrsaufkommens (Adventssamstage) beitragen.

Ich will jedoch nicht verschwiegen, dass eine solche Lösung auch Nachteile mit sich bringen kann. Die ökologischen Risiken sind mir nicht bekannt, das wäre im Einzelnen zu untersuchen. Es gäbe sicher auch erhebliche Probleme, die vom Umland gewünschte Anbindung über Konz nach Saarburg zu erreichen. Das war ja der Hauptgrund dafür, dass diese Alternative später nicht mehr weiterverfolgt wurde.

Gleichwohl gilt es meines Erachtens Vor – und Nachteile sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Hierfür wollen wir eine Diskussionsgrundlage erhalten.

Mit dem Antrag soll also

  1. noch einmal bekräftigen werden, dass der Aufstieg für den Rat der Stadt Trier eine wichtige Angelegenheit ist und
  2. die Verwaltung aufgefordert werden, Informationen zu beschaffen, die es ermöglichen über neue Wege der Realisierung nachzudenken, die dann zu dem – von Verkehrsminister Hering völlig zu recht gefordertem Gesamtkonzept – führen können. Denn eines ist klar, ohne eine Nordumgehung wird eine vernünftige Verkehrsentlastung von Trier nicht zu erreichen sein, die im Interesse von uns Allen unerlässlich ist.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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3 Antworten zu Moselaufstieg West – heute im Rat

  1. Hallo Herr Albrecht – ich bin positiv überrascht, dass unsere bloggossphäre von Ihnen so ernst genommen wird, dass aus ihr sogar ein Antrag für den Stadtrat wachsen kann. Das zeigt doch, dass hier wirklich ein politischer Diskurs stattfindet.
    schöne Grüße

  2. realist sagt:

    Hallo Herr Albrecht,

    das mit der direkten Anbidung von der Konrad Adenauer Brücke mit einer Tunnellösung ist Umweltmäßig gesehen der wohl bessere Weg als eine riesen Anbindung zwischen Zewen und Igel die Abgasse auf die Bewohner der Stadtteile rieseln läßt.
    Das die Zewener und Igeler hierdurch weniger Verkehrsaufkommen hätten bezweifele ich, alleine schon wegen dem Tanktourismus, hier kann für Zewen letztendlich nur eine Ortsumgehung eine Lösung bringen. wobei hier man auch für Igel eine Lösung finden müsste. Eine andere Alternative zur Anbindung die auch schoneinmal genannt wurde wäre eine Länderübergreifendes Projekt mit Luxembourg, eine Anbindung von der deutschen Seite über eine Brücke zur Autobahnauffahrt Mertert, hierbei wäre so zumindest dem Konz-Saarburger Raum geholfen.
    (EU Gelder möglich ?).
    Was den betroffenen Ortschaften auch schon helfen würde, wäre wenn endlich die Mautgebühr für LKW’s auch für alle Straßen in Deutschland gelten würden, dh. einschl. Landstraßen.

  3. universalgenie sagt:

    Hm, ich hab mir die geografische Situation mal bei Google Earth angesehen. Es sieht einfach nicht gut aus, der Hang ist einfach zu steil. Ein geradliniger Tunnel kann nirgendwo mit vernünftiger Steigung gebaut werden und selbst dann wäre er noch mindestens einen halben Kilometer lang. Eine Kehrtunnelvariante scheidet aufgrund der immensen Kosten für mehrere Kilometer Tunnel wohl auch aus. Die einzige – geografische – Möglichkeit ist durch das Tal Eligiusstraße – Herrmannstraße, aber da dürften die Anwohner etwas dagegen haben. Von der Geografie ist die Variante bei Igel deutlich einfacher und günstiger zu realisieren, selbst mit der Brücke.

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