Weihnachten in der Trierer Ostallee

Heiligabend 17.00 Uhr. Gerade habe ich meine Frau zur Konstantin-Basilika gefahren, die etwas früher dorthin musste, um sich mit dem Chor einzusingen.

Ich habe noch etwas Zeit, bis der Heiligabend-Gottesdienst beginnt und nutze die Gelegenheit, um zu tanken. Es herrscht sehr viel Betrieb an der Tankstelle, ist sie doch die einzige, die zu der Zeit geöffnet hat. Nur noch eine Zapfsäule ist frei. Ein Fahrer hat sein Auto ziemlich in der Mitte geparkt, sodass ich kaum zur Tanksäule fahren kann.

„Der hätte sein Auto ja auch ein wenig weiter rechts hinstellen können!“, schimpfe ich still vor mich hin. „Rücksichtsloser Mensch!“

Vor der Eingangstüre zum Kassenraum hat sich ein Obdachloser niedergelassen, um Schutz vor dem heftigen Schneetreiben zu suchen und die Gelegenheit zu nutzen, etwas Geld bei den Leuten zu erbetteln. Er ist noch ziemlich jung.

Erbarmungswürdig sieht er aus, wie er so in der Kälte auf dem Boden sitzt. Ich nehme an, dass er es nur diesem besonderen Tag zu verdanken hat, nicht von dem Pächter verjagt zu werden.

Ich will zum Verkaufsraum gehen, um die Tankrechnung zu bezahlen und sehe, wie ein Mann diesen vollbepackt mit diversen Lebensmitteln verlässt.

Eines nach dem anderen reicht er jetzt dem sichtlich verdutzten Obdachlosen herunter. „Das ist die Vorspeise, das Hauptgericht und hier der Nachtisch“, meint er. Und dann gibt es noch eine Flasche Rotwein. „Lass es Dir schmecken!“, wünscht er abschließend und geht zu seinem Auto zurück. Der Spender war derjenige, der sein Auto neben meinem geparkt hatte.

Ich höre später in der Weihnachtspredigt von Pfarrer Winter ein brasilianisches Weihnachtsgedicht:

Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn er Verständnis zeigt für eure Kinder, eure Eltern oder Freunde, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr einem Menschen helft, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.

Jedes Mal wenn ihr einander ansieht und mit den Augen des Herzens mit einem Lächeln auf den Lippen,

ist Weihnachten, denn

… es ist geboren die Liebe,

…. es ist geboren der Friede,

…. es ist geboren die Gerechtigkeit,

… es ist geboren die Hoffnung,

…. es ist geboren die Freude,

…. es ist geboren Christus, der Sohn Gottes und Bruder der Menschheit.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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