„Brücken zum Fluss“ als Brücke zum Trierer Theater

Kitschig oder tränenrührend? Oberflächlich oder tiefgründig? Langweilig oder mitreißend?

Die beiden Hauptdarsteller vor der Brücke Foto: Oliver Look mit freundlicher Genehmigung Stadtheater Trier

Schon 1992, als der vor wenigen Tagen, am 10.3.2017, im Alter von 77 Jahren, verstorbene amerikanische Autor Robert James Waller seinen ersten Roman „The Bridges of Madison Country“ (Auf Deutsch: „Die Brücken am Fluss“) veröffentlichte, gab es sehr zwiespältige Meinungen über das Werk. Dessen Handlung ist schnell erzählt:

Wir schreiben das Jahr 1965. Zur Einordnung: Es war das Jahr, in dem die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen mit Israel aufnahm, in dem Ludwig Erhard zum Bundeskanzler wiedergewählt wurde, der Auschwitzprozess in Frankfurt endete, Fidel Castro in Kuba ernst mit dem Sozialismus machte, und sich die USA mit Beginn der Bombardierungen tief in den Vietnam-Krieg verstrickten.

In der amerikanischen Provinz

Der Ort: Winterset, ein 5000 Einwohner-Örtchen, im amerikanischen Bundesstaat Iowa, in dem man von dem ganzen weltpolitischen Geschehen nicht viel mitbekam. Um unsere Fantasie nicht allzu sehr anstrengen zu müssen, stellen wir uns doch einfach Prüm in der Eifel in jenem Jahr vor.

Die Handlung: In diese Kleinstadt ist die aus Neapel stammende Francesca Johnson geraten. Sie hat nach dem Krieg in Italien den Farmer Richard “Bud” Johnson kennenglernt, geheiratet und ist mit ihm dort hingezogen. Dort führen sie nun ein ebenso biederes und solides, wie langweiliges Leben auf ihrer Farm. Sie haben zwei heranwachsende Kinder. Francesca ist rührende Mutter- und Hausfrau, so wie es seinerzeit beispielsweise meine liebe Mutter war, die fleißig ihrer Hausarbeit nachkommt. Ein Familienmodell, das in heutiger Zeit selten geworden ist.

In diese Idylle oder Einöde – je nach Sichtweise – bricht plötzlich ein völlig unkonventioneller Typ ein, der geschiedene Fotograf und Weltenbummler Robert Kincaid. Er will für das Magazin „National Geographic“ Fotos von der überdachten Roseman-Bridge anfertigen, ein damals wohl irgendwie bemerkenswertes Bauwerk. Und das just zu einem Zeitpunkt, als die gesamte Rest-Familie für 4 Tage zu einem landwirtschaftlichen Wettbewerb in eine Nachbarsstadt verreist.

Kein Wunder, dass sich die Nur-Hausfrau total in den 52jährigen Abenteuer-Typen verliebt, als er zufällig, um nach dem Weg zu fragen, zur Farm kommt. Weniger nachvollziehbar ist es, aber eben Grundlage des Romans, dass dieser die innigliche Zuneigung erwidert. Ja, es entwickelt sich sogar in kurzer Zeit eine intensive Liebe zwischen Beiden, die indes nur die zwei Tage andauern kann, da die Familie ja zurückkehrt. Francesca muss sich zwischen der großen Liebe, verbunden mit einem neuen Leben und ihrer Familie entscheidet. Sie wählt das Letztere, lässt Robert ziehen und nimmt keinen Kontakt mehr zu ihm auf, worauf dieser jedoch sehnsüchtig wartet. Die während des Stückes noch spätpubertierenden Kinder werden im Laufe der weiteren Zeit zu strebsamen Leuten, der Sohn gar Doktor der Medizin. Ehemann Bud stirbt. Und erst, als auch Robert verstorben ist, erfährt Francesa durch ein Paket, das sie vom Anwalt aus Roberts Nachlass erhalten hat, dass dieser sie bis zu seinem Lebensende innig geliebt hat.

Vom Buch über den Film zum Musical

Diese herzzerreißende Love-Story, die man eigentlich nur dann nachvollziehen kann, wenn man sich in die Gedankenwelt der sechziger Jahre herein versetzt, wurde 1995 mit Clint Eastwood verfilmt. (Ich empfehle übrigens allen, die sich das Musical ansehen wollen, für ca. 5 Euro die DVD zu erwerben und sich den Film zuvor einmal anzusehen, um einen Vergleich zu haben).

Daraus haben Marsha Norman (Buch) und Jason Robert Brown ein Musical kreiert, das von Wolfgang Adenberg ins Deutsche übertragen wurde und nunmehr erstmal in Deutschland aufgeführt wurde. Damit kam Trier der Stadt Chemnitz zuvor, in deren Stadthalle das Musical am 28.April 2017 erstmals aufgeführt wird. (Man sehe sich einmal die dortigen Eintrittspreise an [39 € – 56 €] und vergleiche sie mit denen in Trier [20 € bis 42 € in der Loge]! Hier bekommt man einmaligen professionelen Kunstgenuss zum Schnäppchenpreis!).

Ich hatte das Vergnügen, mit meiner Ehefrau Jutta die Premiere am 18.3.2017 besuchen zu dürfen.

Gemischte Gefühle

Auch bei uns fiel die emotionale Reaktion auf die Geschichte – wie bei den Lesern des Buches – äußerst unterschiedlich aus: Jutta war zu Tränen gerührt und musste am Ende sogar – ich flunkere nicht – die Taschentücher auspacken! Ich selbst hingegen fand die Geschichte eher flach und war nur wenig beeindruckt. Musste ich doch immer wieder daran denken, dass die ganzen Irrungen und Wirrungen, die letztlich darauf beruhten, dass die Beteiligten damals nur mir schnurgebundenen Telefonen kommunizierten oder kommunizieren konnten, in unserer heutigen Smartphone-Zeit völlig undenkbar wären. Und überhaupt: Solllte ich Mitgefühl für jemanden empfinden, der die Abwesenheit des Ehegatten so schamlos ausnutzt, um ihn mit einem dahergelaufenen Vagabunden zu betrügen? Wo kämen wir denn da hin!

Aber lassen wir das!  Bekanntlich kommt es ja bei einem Musical auf die dahinterstehende Story überhaupt nicht an: Musik, Gesang, Schauspiel, (tänzerische Einlagen waren eher selten) all das war meiner Einschätzung nach wirklich außerordentlich ansprechend und gut.

Gelungene Inszenierung

Es war eine rundum gelungene Inszenierung von Ulrich Wiggers (Assistenz: Thomas Heep), die das amerikanische Musical sozusagen 1:1 ins Deutsche überträgt. Das ging bis in die Details wie beispielsweise die überdachte Brücke, die fast originalgetreu dargestellt war. (Nicht ganz ernst gemeinte Zwischenbemerkung: Wie oben angedeutet, hätte man die Geschichte ja auch in der Städtchen Prüm in den 60er Jahre verlagern können oder man hätte aus der Liebesbeziehung eine mit homophilen Einschlägen provozierende Szene machen können. Soll es ja alles schon gegeben haben.).

Die Bühnentechniker (Leitung: Matthias Winkler) zeigten ihre gesamten Fertigkeiten und holten alles heraus, was mit den knappen finanziellen Mitteln möglich war. Der Zuschauer fühlte sich sozusagen mitten in

Foto: Oliver Look mit freundlicher Genehmigung Stadtheater Trier

das amerikanische Städtchen in den sechziger Jahren hineinversetzt. Einfach toll, wie mit der Hebebühnentechnik das Problem gelöst wurde, dass viele Szenen gleichzeitig an völlig verschiedenen Orten spielten.

Carin Filipčić spielte überzeugend die Francesca, Hans Neblung verkörperte Robert Kincaid so authentisch, dass man fast meinen konntee, Clint Eastwood sei persönlich auf der Bühne. Norman Stehr mimte den etwas einfältigen, aber treuen und biederen Ehemann Richard “Bud” Johnson mit großer Darstellerkunst. Alle übrigens bundesweit bekannte Musical-Darsteller.

Die packende, nuancenreiche Komposition von Jason Robert Brown wurde vom Orchester und den Darstellern hervorragend dargebracht. Alle verfügten über sehr gutes stimmliches Potenzial, wie mir auch anwesende Musiker in der Pause bestätigten. Mehrfach gab es in der Vorstellung spontanen Beifall für die Gesangseinlagen. Dank an Dean Wilington.

Was tut sich da in der Nachbarschaft? Foto: Oliver Look mit freundlicher Genehmigung Stadtheater Trier

Für mich ein besonderes Highlight am Rande: Conny Hain und Christopher Rain, die das Nachbar-Ehepaar Charlie und Marge spielten, das das ganze Geschehen mit großem Interesse verfolgte: Charlie, der sich so sehr mit dem langweiligen Ehealltag abgefunden hatte, dass ihm alles gleichgültig war, Marge, die voller Neid darauf blickte, wie ihre Nachbarin den Ehemann betrog, wünschte sie sich doch im Inneren so sehr, dass ihr gleiches widerfahren würde. Vor allem Conny Hain gelang es immer wieder,mit ihren Einlagen beim Publikum Lacher zu erzeugen.

Kein Wunder also, dass sich das Publikum vollauf begeistert zeigte und sofort nach Ende der Aufführung spontan aufstand und langanhaltenden Beifall spendete. Fast alle, mit denen ich im Anschluss sprach, waren von dem Stück äußerst angetan, ich hörte nur ganz wenige kritische Stimmen. Es ist halt nicht jeder ein Musical-Fan.

Ein kulturelles Highlight!

Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, sich diese bundesdeutsche Uraufführung einmal anzusehen und einen entspannten Abend im Theater zu verbringen. Gehen Sie über die Brücke, die Ihnen unser Theater gebaut hat, um Sie als Besucher zu gewinnen!

Das Stück läuft noch bis zum 3. Mai 2017. Schade nur, dass die nächste Vorstellung schon gleich einen Tag nach der Premiere am Sonntag, 19.3.2017 stattfinden wird. «Wer hat sich so etwas nur einfallen lassen?», habe ich mich gefragt und erfahren, dass es eine Idee des ehemaligen Intendanten gewesen sein soll. Vergessen wir es also, wir wollen ja nicht nachtreten und wir sollten nicht unbeachtet lassen, dass er es war, der das Stück auf den Spielplan gesetzt hat.

Wollen wir also hoffen, dass die bekannte Trierer Mund-zu-Mund Propaganda wenigstens dann für die kommenden Vorstellungen ab 21.3.2017 wirken kann.

Wer sich einmal übrigens einen ersten optischen Eindruck verschaffen will, kann das hier tun: https://www.youtube.com/watch?v=jAqyy-OJrec

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das ungeliebte Geschenk

Am 1.3.17 wurde auf dem geplanten Standort der Marx-Statue ein Dummy erreichtet.

Wer kennt sie nicht, diese oder ähnliche Situationen:

Die reiche Erbtante ist zu Besuch und verkündet stolz, sie wolle der Familie ein schönes Geschenk machen, ein wundervolles Bild vom röhrenden Hirschwald, erwartet aber dass dieses Kunstwerk entsprechend seiner Bedeutung einen gut sichtbaren Platz im Wohnzimmer erhalte.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat ein ähnliches Gesicht gemacht wie die Verwandten unserer gedachten Situation, als der chinesische Botschafter Shi Mingde vor eineinhalb Jahren anlässlich seines Besuches in Trier ankündigte, er wolle anlässlich des Karl-Marx-Jubiläums der Partnerstadt eine große Statue schenken. Er ahnte wohl damals schon, welche Kontroverse in Trier dadurch ausgelöst werden sollte. 

 

Der – sehr gut gemeinte – Versuch, die Statue auf einem kleinen Platz in der Brückenstraße zu „verstecken“, scheiterte am Widerstand des weltweit bekannten Künstlers Wu Weishan, der das Kunstwerk gestalten sollte. Baudezernent Andreas Ludwig suchte also mit ihm in der Stadt nach einem geeigneten neuen Standort, der dann auf dem Simeonstiftplatz auch schnell gefunden wurde.

 

Der Proteststurm, der sich nun – sogar bundesweit – entfachte, war ebenso vorhersehbar wie verständlich, zumal die Statue ganze 6,30 Meter in die Luft ragen sollte. Ist uns Deutschen der Nachkriegszeit doch zum Glück – anders als der Chinesen – jede Form von Kult um eine Person völlig fremd, aber noch schlimmer: Der Name unseres berühmten Stadt-Kindes steht auch mit Terror, Unterdrückung, Diktatur in Verbindung. In seinem Namen wurde millionenfaches Unrecht verübt, gefoltert und gemordet.

Doch bei allem Verständnis für diese berechtigte Kritik: Kann man dieses Geschenk tatsächlich ausschlagen? Wir wissen inzwischen, es wird kein sozialistisch-stalinistisches Denkmal, sondern eine von einem weltweit renommierten  Künstler gestaltete Skulptur sein. Natürlich über Geschmack lässt sich streiten. Auch meinem Geschmack hätte alles ein wenig kleiner und dezenter ausfallen können.

Ich meine, wir sollten, bei allem Verständnis für die berechtigten Einwände, Gelassenheit zeigen. Die Freundschaft zu unseren chinesischen Partnern ist eine wichtige Errungenschaft, die nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte.

Trier ist bei chinesischen Touristen äußert beliebt.

Dabei geht es nicht nur die Tourismus, die wirtschaftlichen Vorteile, die Trier zweifelsohne aus seinen chinesischen Gästen zieht.

Es geht vor allem um den Austausch der verschiedenen Kulturen. Wir können unsere chinesischen Freunde, die dieses Geschenk mit Sicherheit nicht böse gemeint habe, da sie nicht in unseren Kategorien denken, nicht vor den Kopf stoßen. Wie sagte doch der chinesische Generalkonsul Wang bei seinem Trier-Besuch: „Wir möchten mit dieser Statue die Freundschaft zu Trier zeigen“. Gerade in heutiger Zeit ist jedenfalls für mich die Freundschaft zu anderen Völkern ein besonders hoch zu bewertendes Gut.  

Nehmen wir es also mit Gelassenheit, wir werden uns an den Anblick gewöhnen.  Und wenn die Skulptur Anlass zur Diskussion gibt, umso besser! Natürlich brauchen wir auch die kritische Auseinandersetzung mit Karl-Marx und dem, was aus seinen Theorien geworden ist, keine Frage!

Wie hatte ich es doch seinerzeit im Stadtrat formuliert: Wir gehen mit dem Thema „total locker“ um (bei 19:18 im Trier-Reporter Live-Ticker), was nicht „unkritisch“ bedeuten soll.

 

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Schluss mit dem Theater!

Beinahe könnte man den (falschen) Eindruck gewinnen, es gäbe derzeit keine anderen Probleme in Trier: Immer wieder gerät das städtische Theater in die Schlagzeilen der örtlichen Medien, immer wieder ist es mittelbar oder unmittelbar Gegenstand der Beratungen im Stadtrat.

Das Theater ist uns Allen, die in der Trierer Kommunalpolitik aktiv sind, nicht zuletzt auch mir selbst, sehr wichtig, keine Frage. Andernfalls hätte sich der Stadtrat nicht mehrfach mit überwältigender Mehrheit für den Erhalt des 3-Sparten-Hauses ausgesprochen. Andererseits sollte man niemals vergessen: Unsere Stadt hat eine Vielzahl von Problemen und Aufgaben zu bewältigen, die in ihrer Bedeutung mindestens gleichrangig, wenn nicht gar existentieller sind (Beispiel: Neubau einer Feuerwehrwache, Schulen, Sporthallen) und deshalb nicht aus dem Auge verloren werden dürfen.

Städtische Kulturförderung beschränkt sich zudem keinesfalls allein auf die Institution «Theater», sondern ist ein sehr weites Feld mit vielfältigen Erscheinungsformen, die alle gleichermaßen Beachtung finden müssen.

Gleichwohl muss diese „Dauer-Baustelle“ jetzt schnellstmöglich beseitigt werden.

Machen wir uns nichts vor: Gelingt dies nicht bald, ist der Fortbestand des seit über 200 Jahre bestehenden städtischen Theaters akut gefährdet. Würde sich das Geschehene wiederholen, würde es unweigerlich das bittere „Aus“ für das Theater bedeuten.Fast hat man den Eindruck, dass viele Akteure im und um das Theater den Kopf in den Sand stecken und diese Bedrohung schlichtweg ignorieren.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Zunächst einmal eine Feststellung, die beruhigen mag, oder eben gerade nicht, je nach Sichtweise: Wir leben hier nicht auf einer Insel der «Unglückseligen», das Thema «kommunale Theater» brennt bundesweit Verantwortlichen in den Kommunen auf den Nägeln. Überall die gleichen Probleme: Knappe kommunale Finanzen, ein neues Kultur-Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger, eine explodierende Konkurrenz anderer Medien, die Kultur anbieten. Allerdings muss man auch sehen, dass es nicht viele Städte gibt, in denen sie so drängend sind wie bei uns, wo der Zuschussbedarf so groß ist.

Bundesweit gleiche Probleme und gleiche Lösungsansätze

Wenn man sich bundesweit nach Lösungsansätzen umsieht, die empfohlen werden, so stellt man fest, dass es eine ganz überwältigende, vorherrschende Meinung gibt: Unbedingt die Struktur des Theaters ändern!  Um Kosten zu sparen, so die Experten, muss es aus dem Korsett des städtischen Eigenbetriebs herausgenommen und entweder in eine GmbH oder Anstalt des öffentlichen Rechts (AÖR) umgewandelt werden.

Auch in Trier ist ein renommiertes Institut, die ICG (Integrated Consulting Group) Unternehmensberatung, bereits im Jahre 2013 zu diesem Ergebnis gekommen.

Errichtung einer GmbH oder AÖR wurde damals empfohlen. Die städtischen Gremien haben sich aus verschiedenen Gründen, die hier nicht weiter beleuchtet werden müssen, entschlossen, das Modell einer AÖR (Anstalt des Öffentlichen Rechts) weiterzuverfolgen. Am 10.2.2015, hat der Stadtrat in Trier deshalb beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, alle notwendigen Maßnahmen zur Überführung des Theater Trier in eine Anstalt des öffentlichen Rechts vorzubereiten (hier der Protokollauszug). Die Gründe erschließen sich auch dem Laien schnell: Der städtische Verwaltungsapparat ist einfach zu schwerfällig, um einen Betrieb kostengünstig und effektiv führen zu können.

Es gibt Probleme beim Controlling (Ich selbst habe schon frühzeitig darauf hingewiesen, dass das Controlling besser funktionieren muss). Schon vor vielen Jahren haben wir aus genau diesem Grund – wie viele andere Kommunen auch – die Stadtwerke Trier von einem kommunalen Eigenbetrieb in eine eigenständige städtische GmbH umgewandelt, die jetzt mit großem Erfolg arbeitet.

Stadtratsbeschluss wird nicht umgesetzt!

 Der gefasste Beschluss gilt nach wie vor. Doch warum wurde diese Erkenntnis, die von fast allen Fachleuten geteilt wird, beim Theater bis heute nicht umgesetzt? Warum wurde viel Geld für ein Gutachten ausgegeben, dessen Ergebnis indes missachtet?

Hierfür gibt es eine Vielzahl von Ursachen, von denen nur einige beispielhaft aufgezählt werden können:

Die Übertragung von Grundstücken mit Gebäuden auf eine andere, selbstständige Organisation ist juristisch nicht ohne Probleme. Beispielsweise muss sie so gestaltet werden, dass keine Grunderwerbsteuern anfallen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden (aus ihrer Sicht völlig verständlich) dafür Sorge tragen, dass ihre Konditionen, unter denen sie arbeiten, bei Änderung der Rechtsform des Theaters nicht verschlechtert werden. Bislang eines der ungelösten Hauptprobleme. Als muss bei einer Umwandlung gewährleistet sein, dass ihre Besitzstände gewahrt bleiben.

Bisher wurde immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragen, wie schwierig dieser Prozess sei. Doch bitteschön! Anderswo hat es doch auch funktioniert! Die Stadt betritt hier kein Neuland. Und auch in Trier haben wir schon solche Umwandlung durchgeführt, bei den Stadtwerken. (Übrigens ein Grund, weshalb es auch bei den Stadtwerken Trier heute noch zwei «Klassen» von Busfahrern gibt: Diejenigen, die zu Zeiten, als die Stadtwerke noch ein eigener Betrieb waren, eingestellt wurden, und solche, die neu eingestellt wurden).

In letzter Zeit höre ich immer wieder das Argument: «Was für ein Glück, dass wir die AÖR noch nicht gegründet haben, was wäre nur geschehen, wenn ein Sibelius völlig selbstständig in einer AÖR geherrscht hätte! Wäre dann das finanzielle Chaos nicht viel größer geworden?»

So tragisch die Geschichte des letzten Intendanten auch war: Nein, das wäre es nicht! In einer AÖR hätte er nicht unkontrolliert schalten und walten können!

Vorhandene Strukturen nutzen

Der Fehler, der meines Erachtens bisher gemacht wurde, ist der, dass allein erwogen wurde, eine eigenständige neue AÖR zu gründen. Das würde voraussetzen, völlig neue Strukturen zu schaffen, ein selbstständiger, neuer Verwaltungsapparat, möglicherweise neues Personal usw.

Dabei verfügen wir als Stadt Trier bereits über eine äußerst effektiv und hervorragend arbeitende AÖR, nämlich die Stadtwerke. Neben den ursprünglichen Aufgabenbereichen „Strom- Wärme, Gas- Wasserversorgung, Energieerzeugung, öffentlicher Personennahverkehr, Stadtbad, Parkhäuser [durchgeführt von einer GmbH in der AÖR], kümmern sich die Stadtwerke jetzt erfolgreich auch um die Abwasserbeseitigung und die Straßenbeleuchtung. Die Eingliederung dieser Bereiche erfolgte übrigens völlig reibungslos. Ich selbst sitze seit Anbeginn im Aufsichtsrat und konnte dies mitverfolgen.

Daher stellt sich die Frage: Weshalb nutzen wir nicht diese bereits existierenden Strukturen?

Vision: «Stadtbetriebe Trier AÖR»

 Meine Auffassung ist es, ernsthaft und intensiv zu prüfen, ob nicht auch das Stadttheater Trier in diese Struktur eingebunden werden kann. Dies könnte so aussehen, dass die Stadtwerke AÖR in eine «Stadtbetriebe Trier AÖR» umgewandelt werden und darin ein Fachbereich «Theater» eingegliedert werden würde. Später könnten dann auch andere Bereiche wie das Städtische Museum Simeonstift, die Stadtbibliothek usw. eingebunden werden. (Derzeit kein «Muss», da diese Sparten hervorragend funktionieren.)

Der Vorteil wäre, dass umständliche Verwaltungsstrukturen vermiedenn und wirtschaftliches Denken stärker in den Vordergrund rücken würde. Wie bisher trüge natürlich – der noch zu wählende – Intendant die Gesamtverantwortung für das Theater, wäre dessen Repräsentant nach außen, wäre für die Spielpläne und die Schauspieler verantwortlich. Allerdings wäre er streng an den finanziellen Rahmen gebunden, dem ihm die AÖR vorgibt. Budgetüberschreitungen aus eigenem Gutdünken wären undenkbar.

Natürlich wird es niemals gelingen, ein kommunales Theater kostendeckend zu betreiben, aber man sollte wenigstens versuchen, den Bedarf an öffentlichen Zuschüssen, so gut es eben geht, zu verringern.

Sicher: Künstler benötigen den Freiraum, den sie völlig zu Recht einfordern, um ihre Kreativität umsetzen zu können. In Anbetracht der knappen finanziellen Ressourcen, über die wir nur noch verfügen, kann dieser Freiraum aber nicht mehr so uneingeschränkt gewährt werden, wie bisher. Künstler brauchen festgefügte Strukturen, die – anders als bislang – eine wirksame Kosten-Kontrolle ermöglichen.

Den Rahmen, den Oberbürgermeister Wolfram Leibe völlig zu Recht einfordert („Kunst, Kultur, Kreativität braucht einen Rahmen … so der OB gegenüber dem SWR), könnten die Stadtbetriebe bilden.

Auch die Begleitung durch den Stadtrat würde sich grundlegend ändern: Die wirtschaftlichen Fragen würden im Aufsichtsrat der AÖR beraten werden, zur Beratung in künstlerischen Fragen, Spielplangestaltung pp. könnte ein gesonderter Beirat geschaffen werden, in dem die Fraktionen repräsentativ vertreten sind. Mit dieser Aufgabe sollte sich der Aufsichtsrat nicht zu belasten.

Selbstredend mache ich mir gar nichts vor: Es gäbe es noch sehr viele Fragen zu klären. Auch bin ich mir bewusst, dass eine solche Eingliederung des städtischen Theaters keinesfalls so reibungslos funktionieren würde wie es bei den Bereichen «Abwasser» und «Beleuchtung» geklappt hat

Beispielsweise wäre es unmöglich, den beiden jetzigen Geschäftsführern auch noch diese zusätzliche Aufgabe aufzubürden.

Auch wäre zu klären, ob es weiterhin sinnvoll ist, einen gemeinsamen Aufsichtsrat zu bilden oder für den Bereich Theater einen eigenen.

Aber das sind alles Fragen, die meiner Auffassung nach wenigstens einmal einer genauen Prüfung unterzogen werden müssten

Siegburg macht es uns vor

Nun muss der „Stein des Weisen“ nicht erst erfunden werden: Die Stadt Siegburg hat diese Idee bereits verwirklicht, dort gibt es solche Stadtbetriebe:

 http://www.stadtbetriebe-siegburg.de/web/stadtbetriebe/01438/index.html.

Keine Frage, in einem viel kleineren Rahmen als bei uns (dort gibt es nur eine Studiobühne) und deshalb nur bedingt vergleichbar. Wir sollten gleichwohl möglichst zeitnah einmal Vertreter der Siegburger Institutionen einladen, um mit ihnen über ihren Erfahrungen zu diskutieren.

Mehr Kooperationen eingehen

Der neue Rahmen würde meiner festen Auffassung nach auch eine gute Grundlage dafür bilden, eine weitere Möglichkeit der Kosteneinsparung viel stärker einzusetzen als bisher: Das Eingehen von Kooperationen mit anderen Theatern.

Auch hier plädieren bundesweit alle Experten dafür, diese Möglichkeiten stärker zu nutzen. Auch hier zeigt ein Blick auf die Theaterlandschaft in Deutschland, dass alle Fachleute bessere Zusammenarbeit als einzige Möglichkeit ansehen, wenigstens eine gewisse Kostendämpfung dadurch zu erreichen, dass Synergien genutzt werden.

Ich bin mir bewusst, dass auch dies ein sehr schwieriges Thema ist. Setzen doch Kooperationen unbedingt voraus, dass in etwa gleichartige Rahmenbedingungen (Bühnengröße pp) existieren. Aber ich denke, wir müssen uns dieses Themas auf jeden Fall verstärkt widmen und Erfahrungen auswerten, die Andere auf diesem Gebiet gesammelt haben. Ich finde, es spricht einiges dafür, dass sich solches am Besten im Rahmen einer «Stadtbetrieb GmbH» durchführen ließe.

Abschließend: Ja, ich habe sie schon vor meinem geistigen Auge, die zahlreichen Bedenken und Einwände, die gegen solche Vorstellungen erhoben werden.

Deshalb: Ich habe nicht behauptet, dass meine These nicht genau überprüft werden müsste. Aber: Denkverbote darf es meines Erachtens in dieser äußerst wichtigen, ja, für das Theater Trier existentielle Frage, nicht geben!

Wenn wir es ernst mit der Forderung nehmen, die von fast allen Fraktionen erhoben wird, dass uns der Erhalt des städtischen Theaters von allergrößter Bedeutung ist, dann müssen wir auch bereit sein, völlig neue Wege zu beschreiten und die alten Pfade zu verlassen.

Denn, wie meinte schon der französische Schriftsteller André Gide: „Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.“

Steht dem städtischen Theater eine düstere Zukunft bevor?

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Theater – hautnah

Wir, meine Frau und ich, sind persönlich zu dem Theaterstück eingeladen worden und haben natürlich gerne zugesagt.

„Róza und Leon – Drei Tode und ein Leben“,

Willkommen „zu Hause“ – im Theater

sollte gespielt werden. Zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts“ zeigte die bekannte Trierer Schauspielerin Nadia Migdal ihr Porträt, das sich mit der Geschichte ihrer jüdischen Großeltern auseinandersetzte.
Neugierig mussten wir vor dem Eingang des Kleinen Hauses warten, bis sich endlich die Türe öffnete.
Wir traten in den Studiosaal sein und waren erst einmal verblüfft: Statt der üblichen Bühne erwartete uns ein großer langer Tisch, der schon gedeckt war, als seien wir zum großen Festessen eingeladen. Wir nahmen erwartungsfroh Platz, die Schauspielerin erschien und .. lud uns erst wirklich einmal zum Essen ein. Sie hatte einen Eintopf selbst gekocht , ein Rezept ihrer jüdischen Großmutter, und wir durften uns erst einmal alle bedienen.

Und so wurden wir nicht Zuschauer eines Schauspiels, sondern waren Teil des Schauspiels selbst. Nicht nur zum Essen waren wir eingeladen, sondern auch dazu, uns an die jüdischen Großeltern von Nadja Migdal „anzunähern“.
Unterbrochen von Einspielungen des Originaltons erzählte uns die Ausnahme-Schauspielerin in beeindruckender und eindringlicher Art und Weise, wie ihre Großeltern, frisch getraut, in Stalins kommunistisches Sowjetreich fliehen mussten. Es war eine Flucht vor den Mordkommandos Hitlers, es war eine ständige Begegnung mit dem Tod, die schließlich gut endete. Wir nahmen teil an dem Schicksal, als seien wir selbst dabei gewesen.
Selten habe ich in meinem Leben ein so beeindruckendes Theaterstück gesehen, das im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut ging“. Beim süßen Nachtisch gab es viel Nachzudenken über die grausame, damalige Zeit und auch Gelegenheit, mit der Schauspielerin persönlich zu sprechen.

Muss gutes Theater viel Geld kosten? Nein, das war der eindeutige Beweis, dass abwechslungsreiche, phantasievolle hochkarätige Kunst auch mit geringem Budget zu verwirklichen ist.

Und diesen Abend werden wir so schnell nicht vergessen.

Nadja Migdal zeigt dem Publikum ein Bild ihrer Großeltern in jungen Jahren.

 

 

 

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Vor 26 Jahren an diesem Ort..

Auf den Tag 26 Jahre ist es her, als ich zusammen mit Jutta auf derselben Bühne zum gleichen Anlass stand. Wir hatten uns damals einen speziellen Prinzensong einfallen lassen, dessen Titel „Down by the Riverside“ auf unseren damaligen Hauptsponsor, die Diskothek Riverside des leider allzu früh verstorbenen Bernd Gritzmacher anspielte. Da freute es uns natürlich sehr, dass die diesjährige Prinzessin Tanja Wilke-Oberbillig das Publikum auch mit einem eigenen Sponsor-Lied begeisterte. Neben den beiden Höhepunkten, Inthronisation der Prinzessin, Verleihung des Kaiser-Augutstus-Orden an den Sportmoderator Florian König, hatte die ATK ein buntes Programm aufgestellt, das keine Langeweile aufkommen lies. Hier ein paar fotografische Eindrücke des Abends von mir.

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Alles wurde anders – Eine Tragödie in 3 Akten

PROLOG

Alles wurde anders, als alle sich das gedacht hatten. Eine Tragödie in mehreren Akten. Ort des Geschehens: Trier.

Wikipedia:
Kennzeichnend für die griechische Tragödie ist der schicksalhafte Konflikt der Hauptfigur. Ihre Situation verschlechtert sich ab dem Punkt, an dem die Katastrophe eintritt..

Jede Katastrophe hat ihre Ursachen. Meistens – so lehrt die Erfahrung – sind es mehrere. Um das, was geschehen wird, richtig zu verstehen, muss man etwas zurückblicken, genauer gesagt in das Jahr 2011.

Die Situation damals: Die Stadt Trier unter Führung des damaligen Oberbürgermeisters Klaus Jensen wollte heraus aus der Schuldenfalle. Deshalb trat die Stadt dem sogenannten Entschuldungsfond bei.

Das ist so eine Art „Deal“ zwischen Land und den Kommunen, der den verschuldeten Kommunen helfen soll, ihre Liquiditätskredite abzubauen. Ein Drittel des benötigten Geldes wird aus dem kommunalen Finanzausgleich – der Solidargemeinschaft der Kommunen – aufgebracht. Ein Drittel wird aus dem Landeshaushalt finanziert und – jetzt kommt der große Haken – ein Drittel muss durch Einsparungen oder Einnahmeerhöhungen aus dem städtischen Haushalt aufgebracht werden! Das bedeutete für das Jahr 2012 ganze 5 Millionen Euro.

Dazu sollten alle Bereiche in der Verwaltung beitragen, aber immerhin 1/5 davon sollte aus dem ohnehin schon viel zu knappen Theaterbudget finanziert werden.
Der damalige Intendant Gerhard Weber fürchtete schon den „radikalen Kulturabbau“

Doch die Existenz des 3-Sparten-Hauses, so der Kulturdezernent Thomas Egger (damals noch FDP), sollte in Gefahr geraten.

Wie sollte das nur gehen? „Ratlosigkeit bei den Betroffenen“, titelte damals der Trierische Volksfreund. Just zu jener Zeit kristallisierte sich nämlich auch heraus, dass das Theatergebäude so marode war, dass es dringend entweder einer Totalsanierung oder gar eines Neubaus bedurfte. Das verschärfte die Situation noch einmal dramatisch.

Wenn man ratlos ist, befragt man am besten Fachleute, dachten damals die Verantwortlichen und taten genau dieses.

Eine renommierte Wirtschaftsberatungsgesellschaft, die Firma ICG (Integrated Consulting Group), wurde mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Sie sollten aufzeigen, wie das Unmögliche möglich zu machen wäre. Es dauerte bis zum November 2013, bis das Gutachten auf dem Tisch lag.

Es wurden viele Vorschläge gemacht. Auf zwei wollen wir den Focus legen.

Zum einen wurde gefordert, die Struktur des Theaters grundlegend zu ändern, sie nicht als Eigenbetrieb der Stadt weiterzuführen, sondern sie beispielsweise in eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AÖR) umzuwandeln.

Außerdem gab es die Idee, die Führungsstruktur im Theater grundsätzlich zu ändern. Wörtlich hieß es:

Da sich in der Debatte um die Zukunft des Theaters offenbar ein Grundkonsens dahin gebildet hat, dass die Leitung des Hauses durch eine Doppelspitze mit künstlerisch ausgerichtetem Intendanten und wirtschaftlich verantwortlicher Verwaltungsleitung den Anforderungen nicht mehr gerecht wird, soll eine wirtschaftlich und künstlerisch gesamtverantwortliche Intendanz mit Managementschwerpunkt  als alleinige Leitung des Theaterbetriebs eingesetzt werden. Die Bezeichnung „Intendanz“ wird bewusst aufrechterhalten, um die Bedeutung der künstlerischen Bezüge in der Ausrichtung der Stelle zu verdeutlichen, darüber hinaus wird mit dieser Bezeichnung auch die Repräsentanz des Hauses nach außen impliziert.“

Mit anderen Worten: Es sollte künftig ein kompetenter Kulturmanager mit allumfassender Vollmacht das Theater in eine sichere Zukunft führen.

Da die Amtszeit des amtierenden Intendanten Weber ablief, war es naheliegend, dass man mit der Ausschreibung eine Person suchte, die den oben dargestellten Anforderungen möglichst exakt entsprach.

Es lohnt sich, den Ausschreibungstext noch einmal ganz genau durchzulesen:
Ausschreibung Intendanz

Wem das zu mühselig ist, hier noch einmal die wesentlichen Passagen. Die Anforderung lautete, die „wirtschaftliche, organisatorische und künstlerische Gesamtverantwortung für das Haus zu tragen und dieses zu repräsentieren. Außerdem sollte die umfangreiche bauliche Sanierung des Haus begleitet werden. Gesucht wurde demzufolge eine Persönlichkeit mit entsprechender Eignung, idealerweise mit einschlägigem Hochschulstudium oder einer vergleichbaren Qualifikation, mit Erfahrung in Leitungspositionen und profunden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, die sich in hohem Maße mit Kultur und Theater identifiziert. Führungserfahrung im Management von Kultureinrichtungen oder –projekten wurde vorausgesetzt. Man erwartete eine dynamische, kreative und durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit hoher Führungs- und Sozialkompetenz, Teamfähigkeit und der Fähigkeit unternehmerisch zu denken„.

        1. Akt – Der Hoffnungsträger tritt auf

72 Personen fühlten sich diesem Anforderungsprofil gewachsen und bewarben sich auf die Stelle.

Eine Findungskommission, bei der auch hoch kompetente Fachleute mitwirkten – neben dem Kulturdezernenten und den Vertretern der Fraktionen sowie einem Repräsentanten des Personalrats auch  die Intendantin des Stadttheaters Gießen, der Intendant des Grand théâtre de la ville de Luxembourg – hatte bald die ideale Person gefunden, genauer gesagt, von der sie überzeugt war, die ideale Person zu sein.

Vorhang auf:
Da steht er, der Held der Tragödie, in strahlendem Licht, der Hoffnungsträger, der alle hellauf begeistert, ja alle, mich auch, der Retter des vom Untergang bedrohten Trierer Theaters.

Dr. Karl M. Sibelius „Alles bleibt anders“ – verspricht er.

Um die damals herrschende allgemeine Euphorie darzustellen, zitiere ich nur einmal DEN damals führenden Kulturredakteur in Trier, Dieter Lintz:

Er schreibt im Trierischen Volksfreund vom 10.3.2014.

„Die Findungskommission hat sich für den Paradiesvogel entschieden, nicht für die Verwalter des Bestehenden. Es hätte auch andere gute Kandidaten gegeben, aber keinen, der in vergleichbarem Maße verspricht, neue Wege zu suchen. Karl Sibelius hat das Handwerk Kultur von zwei Seiten aus gelernt: von der des Künstlers, aber auch von der des Kunstmanagers. Ein Intendant braucht heute einen Schuss Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Mal schräger Vogel, mal kühler Rechner. Sibelius ist ein Querdenker, ein Neu-Erfinder, ein Polarisierer. …..“ So etwas kann schiefgehen, aber es kann auch neue Perspektiven eröffnen. Und die braucht das Haus angesichts des notwendigen Publikums-Umbruchs, der anstehenden Baumaßnahmen und des anhaltenden Ungleichgewichts von Finanzbedarf und städtischer Realität. Es ist ein Himmelfahrtskommando, das Karl Sibelius da antritt. Die städtischen Kulturpolitiker gehen das Risiko mit. Das ist gut so. Im Sinne des klugen Barockdichters Friedrich von Logau: ‚In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod.‘ „

 Hat da jemand etwas geahnt, fragt man sich, wenn man diese Zeilen heute liest?

Sibelius stellte sich bei den Fraktionen vor, auch bei uns, und er sprühte voller Einfälle, guter Ideen, wie er das Theater nach vorn bringen wollte und begeisterte mit seinem österreichischen Charme.

Auch die übrigen Medien waren voll des Lobes. „Mit Künstlern vom Schlage eines Sibelius könnte es tatsächlich passieren, dass etwas Neues, Wagemutiges, ‚Revolutionäres‘ in der sogenannten Provinz zu rocken beginnt.“, urteilte beispielsweise Rainer Nolden.

Niemand hatte seinerzeit recherchiert, was der neue Hoffnungsträger denn in seiner alten Wirkungsstätte, Eggenfelden, bewirkt hatte. Ein „wirtschaftliches Vorzeigemodell“ wollte Karl M. Sibelius aus dem Theater an der Rott machen, einen Schuldenberg hatte er hinterlassen. Kreisrat Thomas Pröckl (CSU) kommentierte das Ergebnis: “Entscheidend ist: die Zuschauer sind uns davongelaufen. Das hänge auch“, so Pröckl, an Karl M. Sibelius.

Wie erklärt sich also diese Begeisterung für diesen Mann, von der sich der Kulturschuss parteiübergreifend anstecken ließ und den Kopf ganz tief in den Sand steckte?

Wer das verstehen will, muss sich ein wenig mit Psychologie beschäftigen, genauer gesagt mit dem Phänomen des Narzissmus.

Die Narzissmus-Falle schnappt zu

Eine Eigenschaft eines typischen Narzissten ist die, dass er versteht, sich blendend darzustellen und damit in der Lage ist, andere zu blenden. Seine Persönlichkeit sprüht geradezu von ansteckendem Selbstbewusstsein.

Es gibt viele Beispiele in der Geschichte, die dies verdeutlichen.

Wer es nicht glaubt, der lese einmal den Beitrag, „6 Gründe, warum Du auf einen Narzisten reinfällst. Dieser bezieht sich zwar auf partnerschaftliche Beziehungen, die ersten drei Punkte lassen sich jedoch prinzipiell auf unsere Situation übertragen und erahnen, weshalb narzisstisch veranlagte Persönlichkeiten so überzeugend auf uns wirken. Oder denken wir an narzisstische Politiker wie Donald Trump, die auf viele diese unerklärliche Anziehungskraft ausüben.

Hatte Sibelius eine narzisstische Persönlichkeit? Ich bin kein Psychologe, habe keine wissenschaftliche Erkenntnisse darüber,  aber sehr vieles deutet darauf hin. Deshalb denke ich, dass wir alle in eine psychologische Falle hineingetappt sind, sozusagen zwangsläufig!

Narzissmus wird von Fachleuten oft als eine Art Selbstschutz für ein im Grunde zerbrechliches Inneres beschrieben. Und dass wir es bei Karl Sibelius mit einem äußerst sensiblen Künstler zu tun hatten, daran können keine Zweifel bestehen. Eine gängige Theorie in der Psychologie, warum jemand narzisstische Eigenschaften entwickelt, besagt, dass solche Menschen sehr oft Probleme in ihrer Kindheit gehabt hätten, ihre Persönlichkeit beschädigt oder unterdrückt worden sei. Zum Schutz gegen solche Angriffe entwickele sich eine Persönlichkeit, die sehr auf sich selbst fixiert sei, sie baue gleichsam einen Schutzwall um sich herum auf. Wie er selbst geschildert hat, hat Dr. Karl M. Sibelius hat eine von Krankheit und Alkohol geprägte Kindheit durchlitten.

Doch lassen wir die Psychologie und kehren zum jetzt noch strahlenden Helden zurück:

Sein überzeugendes Auftreten bewirkte, dass der Stadtrat am 3.4.2014 einstimmig beschloss, die Stelle des Intendanten mit Wirkung vom 1.8.2015 Herrn Sibelius zu übertragen. Außerdem wurde beschlossen, dass er einen Fünf-Jahres-Vertrag (vom 01.08.2015 bis 31.07.2020) erhalten solle, wobei bis zum 31.07.2018 Einigung darüber zu erzielen sei, ob der Vertrag verlängert werden solle.

Ein folgenreicher Beschluss, dessen Bedeutung und rechtliche Konsequenzen man nicht aus dem Blick verlieren sollte. Denn damit war ein Vertrag zwischen Intendant und Stadt Trier geschlossen. Es lag nur noch kein schriftlich ausformulierter Vertrag vor, aber es war ein juristisch gültiger Vertrag, auf den er sich berufen konnte.

Der Beschluss war völlig in Ordnung und durchaus üblich. Ein Intendant, so habe ich es mir sagen lassen, erhält keine Probezeit. Auch die Laufzeit des Beschlusses ist im Bereich des Üblichen, ebenso wie das Gehalt von über 100.000 Euro im Jahr, das später veröffentlicht wurde.

Unüblich war indes, dass diesem Beschluss nicht zeitnah ein detaillierter  schriftlicher Vertrag folgte. Doch das hatte seine Gründe. Wollte man doch die Organisationsstruktur des Theaters grundlegend ändern und eine AÖR gründen. Der damals zuständige Dezernent Egger plante daher, mit dem eigentlichen Vertrag noch zu warten, bis die AÖR gegründet war, was er indes den Fraktionen verschwieg. Doch darauf müssen wir später noch einmal zurückkommen.

Zunächst einmal beobachten wir den neuen Intendanten bei seinem Debut in Trier. Er erhielt die Gelegenheit, schon vor seiner eigentlichen Arbeitsaufnahme das Theater kennen zu lernen und dort schon gestalterisch zu wirken.

Und dann legte er los. Und wie er loslegt!e

Er kündigte sämtliche Verträge, soweit dies rechtlich möglich war, mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist durchaus üblich, dass neue Intendanten das von Ihnen zu leitende Haus auch personell umgestalten, aber so radikal wie er hatte es noch niemand bisher gemacht.

Noch einmal Dieter Lintz im Trierischen Volksfreund von 26.6.2014:

„Wer aus dem verbindlichen Stil und der offenen Art von Karl Sibelius geschlossen hat, der neue Intendant könne keine Härte zeigen, hat sich geirrt. Sibelius geht das an, wofür die Politik zu zaudernd war: Das Trierer Theater durch Strukturveränderungen zukunftsfest zu machen. Dafür hat er im ersten Schritt alles eingerissen, was er einreißen konnte. Dass das aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen vorrangig die Künstler trifft, ist ungerecht und in etlichen Fällen schlicht schade.“

Dieter Lintz sollte nicht mehr miterleben dürfen, was aus dem neuen Stil geworden ist, er verstarb am 9.8.2015 plötzlich und unerwartet.

Erste Schatten verdunkelten die strahlende Erscheinung des neuen Intendanten. Nicht alle empfanden „die neue Härte“ als gut. Ich führte später Gespräche mit Schauspielern und erfuhr, wie belastend die Kündigungswelle damals für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war.

Ein erster Konflikt deutete sich an. Sibelius wollte auch die Alleinherrschaft über den Orchesterbetrieb und den in Trier hoch geschätzten und sich vom beliebten und geschätzten Generaldirektor Victor Pühl trennen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie Dr. Karl Sibelius uns in der Fraktion berede dargelegte, dass er nur künstlerisch gestalten könne, wenn er die Verantwortung für alle künstlerischen Bereiche trüge.

Ein Narzisst duldet keine fremden Götter neben sich!

Diesmal erkannte er noch rechtzeitig die bedrohliche Lage, zog die Reißleine und schlug schließlich selbst die Vertragsverlängerung für Puhl vor.

Am 1.8.2015 trat Sibelius sein Amt offiziell an. Jetzt konnte das Spiel richtig beginnen. Bunt, schrill, furios, schräg, spektakulär, unkonventionell.

„Alles bleibt anders“ hieß sein Leitmotiv, unter dem er voller Optimismus seinen neuen Spielplan vorstellte.

Das neue Programm im neuen Look

Eine der Industriehallen im Walzwerk wurde als Nebenspielstätte des Theaters ausgebaut. Neben dem „Zauberberg“ (Premiere: 18. 09.2015) wurde dort auch das Musical „Sweeney Todd“ (Premiere: 27.09.2015,) oder später das Musical Jesus Christ Superstar (Premiere 2.7.2016) aufgeführt.

Ein Blick auf andere Stücke: „Moliere“ wurde inszeniert, von der Presse als „starkes Stück eines starken Schauspielensembles“, das allerdings vielen Zuschauern „offenbar zu laut, zu nackt, zu schmierig“ gewesen sei. So Stefanie Braun vom Trierischen Volksfreund (14.9.2015) in ihrer Kritik.

Ein zweites Beispiel: Dass seine schräge Inszenierung der „Großherzogin von Gerolstein“ – Hauptfigur in der gleichnamigen Operette von Jacques Offenbach – im konservativ-katholischen Trier nicht jedem gefällt, nimmt er in Kauf. In der Aufführung hat er Sex mit einem General, reitet anzüglich auf einem Kanonenrohr. Er will „ein Stachel sein im Fleisch der Gemütlichkeit“.

Ich habe meinen Eindruck auf satirische Art und Weise hier beschrieben .

Frank Jöricke fasst seinen Eindruck über den neuen Intendanten im Trierischen Volksfreund vom 15.10.2015 wie folgt zusammen: „So hat das Theater Trier noch nie polarisiert. Mit Intendant Karl M. Sibelius ist ein neuer ungewöhnlicher Stil am Augustinerhof eingezogen.“ Er zog einen Vergleich zu Theater-Provokation, wie es sie in den sechziger Jahren gab, beispielsweise von dem großen Peter Zadeck. Die Idee damals: man provoziert das Babel Bildungsbürgertum, das verstört dem Theater fernbleibt, und eröffnet es ganz neuen Zuschauer-Kreisen.“ Jöricke weiter: „Karl M. Sibelius scheint diesen Ansatz zu verfolgen. Er konfrontiert die Zuschauer mit Farbbeuteln und falschen Penissen.“

Im „Deutschlandradio Kultur“ wurde er schon als „Retter“ des Theaters Trier gefeiert, dem der Untergang drohte.

Doch stimmte die Sichtweise fast aller renommierten Theaterkritiker wirklich? Waren das die richtigen Mittel, das Trierer Theater aus der Krise zu führen? Ein Effekt war schon recht schnell eingetreten, das etablierte Theater Publikum kündigte reihenweise die Abonnements. Doch die Neuen, die statt dessen kommen sollten, blieben rar.

2. Akt – Das Erwachen

Ich kann und will nicht beurteilen, ob die These „Provokation sei der Schlüssel des Erfolgs“ richtig war, ob es tatsächlich gelungen wäre, das Trierer Theater zu völlig neuem Ansehen und Erfolg zu führen, wenn man dem neuen Intendanten nur genügend Zeit gegeben hätte, so wie er damals wie heute immer wieder betont. Drei Jahre wollte er haben.

Jedenfalls glaubte Sibelius wohl selbst nicht so richtig an diese These. Er veränderte den Spielplan, machte ihn wieder gefälliger, für das Publikum zugänglicher.

Wir können diese Frage, über die sich Theaterfachleute trefflich streiten können, offenlassen. Das Problem, so stellte sich allmählich heraus, war die besondere Persönlichkeitsstruktur des Intendanten. Sibelius war angetreten, das angeschlagene Trierer Theater retten. In Wirklichkeit ging es ihm – jedenfalls in erster Linie-  darum, sich selbst „zu retten“, sich selbst darzustellen. Nur so erklärt sich beispielsweise, warum er immer das dringende Bedürfnis verspürte, oft selbst in einem Stück mitzuspielen.

Es stellte sich heraus, dass der mit so viel Vorschusslorbeeren bedachte Intendant ganz offensichtlich mit seiner Aufgabe völlig überfordert war. Erinnern wir uns: Eingestellt war eine Art Theater-Manager, der wirtschaftlich denken und ein Theater führen konnte. Jetzt agierte jemand, für den Geld zweitrangig war, es ging ihm prioritär darum, eine erstklassige Inszenierung zu kreieren, die – wie auch immer – Aufsehen erregte. Geld spielte da gerade keine Rolle. Und ausgerechnet ihm hatte man jetzt die alleinige Verantwortung für das Theaterbudget übertragen.

Nur EIN Beispiel von vielen. Es war eine fulminante Inszenierung und eine Wahnsinns-Idee, die so genannte Janus-Bühne, die Sarah-Katharina Karl, Architektin und Bühnenbildnerin geschaffen hatte, und auf der das Musical „Jesus Christ Superstar“ aufgeführt wurde. Ja, „Ruhm hat seinen Preis“ hieße es treffend in dem Artikel des Trierischen Volksfreundes vom 3.7.2016 von Mechtild Schneiders, in dem das Stück gefeiert wurde. Doch dem Theater fehlte schlichtweg das Geld, diesen Preis zu bezahlen. Ein Theaterkenner und Fachmann sagte mir schon frühzeitig in einem vertraulichen Gespräch, das ich mit ihm führte, dass das so doch nicht weitergehen dürfe.

Ein zweites Problem wurde gegenwärtig: Ein Narzisst verlangt unbedingte Anerkennung seiner Mitarbeiter, wer diese verweigert, wird bestraft. Und so war es unvermeidbar, dass sehr schnell zwei Lager beim Trierer Theater entstanden, die einen, die für ihn waren, die andern gegen ihn und ihn mit Skepsis betrachteten. Sibelius hat es in einem persönlichen Gespräch mit mir vehement bestritten, aber von mehreren Seiten wurde mir bestätigt, dass Mitarbeiter per Mail und SMS unter Druck gesetzt wurden. Öffentlich bekannt wurde sein Zwist mit seinem Schauspieldirektor Frötschner, auch eine starke Persönlichkeit, mit der er sich – wie eigentlich zu erwarten war – hoffnungslos zerstritt, sodass er ihm schließlich kündigte. Rechtswidrig, wie sich später herausstellte. Auch sonst hagelte es Abmahnungen und Kündigungen. Das viele Geld, das dies alles kostete, spielte auch hier keine Rolle. Eine von Misstrauen gekennzeichnete Personalsituation entstand, die sich leider bis heute nicht aufgelöst hat.

3. Akt – Die Katastrophe 

Am 19.5.2016 erschien im Nachrichten Portal „Trier-Reporter“ unter der Überschrift „Das Minus-Haus ein erster Artikel über die finanziellen Probleme. Viele Medienberichhte folgten.

Eine Unbekannter kommentierte damals den Artikel unter dem Pseudonym „Eggenfelder“: „Hr. Sibelius war schon in Eggenfelden ein Narzisst und er ist immer noch ein Narzisst. In Trier hätte man nur mal aufmerksam die Zeitungen aus Bayern lesen müssen.

Es wurden im Bereich des Theaters Haushaltsdefizite in Höhe von circa 1,3 Millionen Euro für das Jahr 2015 bekannt und für das Jahr 2016 war mit einer Überschreitung des Budgets in gleicher Höhe bis Ende des Jahres zu rechnen. Oberbürgermeister Leibe (SPD) beauftrage daraufhin das Rechnungsprüfungsamt, die Angelegenheit zu untersuchen.

Der Autor Eric Thielen schrieb im oben angeführten Artikel u.a. in weiser Voraussicht, was da kommen würde:

Folglich kann der Österreicher fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und nach Abschaffung des Verwaltungsdirektors kaum kontrolliert vom Rathaus praktisch nach Belieben schalten und walten. Er kann Einnahmen, die üblicherweise in die Kasse der Stadt gehören, nach eigenem Gutdünken …… Er kann Verträge mit Regisseuren aushandeln, die dann später wieder gekündigt werden und für die das Rathaus Abfindungen bezahlen muss. Und er kann eine Spartenleiterin engagieren, die dann kurz vor Arbeitsbeginn wieder in die Wüste geschickt wird. So schafft sich Sibelius nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im Haus selbst immer mehr Feinde. Mitglieder des Schauspielensembles, das im Gegensatz zu dem vom Österreicher hofierten Musical-Ensemble stets zurückstecken muss, sagen gegenüber dem reporter unumwunden: “Darf er so weitermachen, fährt das Theater Trier komplett gegen die Wand!”

Sibelius wehrte sich stets gegen diese Kritik, verwies darauf, dass auch schon durch seinen Vorgänger Defizite entstanden waren (was durchaus richtig war) und dass er einfach mehr Zeit benötige.

Doch es führte kein Weg daran vorbei: Konsequenzen mussten gezogen werden und dem Intendanten sollte die kaufmännische Leitung des Theaters wieder entzogen. Ein Verwaltungsdirektor, der die Finanzen kontrollieren sollte, sollte ihm als Aufpasser zur Seite gestellt werden.

Anfang Juli wurde dies im Steuerungsausschuss vorbesprochen: Ja, wir müssen Sibelius „auf die Finger klopfen“ forderte u.a. ich in der Steuerungsausschusssitzung vom 7.7.2016, nachdem die finanziellen Probleme so offensichtlich wurden. Auch andere Ratsmitglieder kritisierten ihn, andere nahmen ihn hingegen in Schutz. Am 14.7.fasste jedenfalls der Stadtrat den entsprechenden Beschluss.

Man muss sich das einmal vor Augen führen: Genau ein Jahr, nachdem aufgrund des Ergebnisses eines renommierten Gutachters ein Generalintendant eingestellt wurde, der das Theater in alleiniger wirtschaftlicher und künstlerischer Verantwortung führen sollte, musste ihm genau dieser Bereich wieder entzogen werden.

Auch der Trierische Volksfreund ließ jetzt seine Unterstützung für den Intendanten fallen:

Jörg Pistorius kommentierte am 14.7.2016 „Karl Sibelius war bisher zu keinem Zeitpunkt der richtige Intendant für Trier. Seine Bilanz ist verheerend: 20 Prozent weniger Zuschauer, ein Chaos in der Budgetplanung, Zerwürfnisse mit vielen Leistungsträgern des Theaters. Der Plan, Sibelius als Generalintendanten einzusetzen, ist gescheitert…“

Doch damit nicht genug: Erinnern wir uns, was ich oben erwähnte: Ein schriftlicher Vertrag war mit dem Intendanten immer noch nicht geschlossen worden, was übrigens mein Ratskollege Jürgen Backes aufdeckte, und dieses Problem musste endlich gelöst werden.

Nichtjuristen interpretieren das Fehlen einer schriftlichen Vereinbarung gerne dahingehend, dass Sibelius gar keinen Vertrag hatte. Juristen wissen, dass das nicht richtig ist, Vertrag ist Vertrag, er kann auch mündlich abgeschlossen werden. Die mündliche Abrede bedeutete gleichzeitig, dass die genaue Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses, die Details sozusagen, noch gar nicht geregelt waren. Ein Unding! Das musste jetzt endlich einmal nachgeholt werden und dies sollte ausgerechnet mitten in der Sommerpause geschehen, just zu einem Zeitpunkt als Sibelius so richtig in die Kritik geriet. (Es ging somit nicht, wie in  den Medien immer wieder falsch dargestellt wurde, um eine Vertragsverlängerung. Dieser WAR bis 2020 geschlossen! Es ging um eine schriftliche Präzisierung des Vertrages.)

Natürlich hätte man die Gelegenheit nutzen und keinen schriftlichen Vertrag fixieren und den mündlichen kündigen können. Wer dies forderte, wie in der Öffentlichkeit teilweise geschehen, missachtete jedoch zwei ganz wesentliche Umstände:

  1. Durch die Zusage des Rates, dem Intendanten bis zum Jahre 2020 zu beschäftigen, hatte er schon einen juristischen Anspruch auf eine Abfindung. Da zu diesem Zeitpunkt der Bericht des Rechnungsprüfungsamtes noch nicht vorlag, wäre diese mit Sicherheit höher ausgefallen, als es dann später geschah.

  2. Zu diesem Zeitpunkt waren keineswegs alle davon überzeugt, dass man sich von dem Intendanten trennen müsse. Ganz im Gegenteil, teilweise quer durch die Fraktionen wurde ganz vehement beklagt, die Vorwürfe gegen ihn seien unberechtigt, dem Mann geschehe Unrecht. Man habe ihm einfach nicht die Zeit gewährt, die er immer wieder eingefordert habe.

Da unser Fraktionsvorsitzender zu diesem Zeitpunkt in Urlaub weilte, war ich wesentlich an den ganzen Verhandlungen und schließlich der Entscheidung beteiligt und eingebunden. Details darf ich nicht veröffentlichen. Nur soviel: Es war sehr schwere Verhandlungen! Auch in meiner eigenen Fraktion – soviel darf ich sagen – herrschte damals keine einheitliche Meinung.

Ich habe dann kurz danach ein persönliches Gespräch mit Dr. Karl M. Sibelius in dessen Dienstzimmer geführt. Er legte Wert darauf, nachdem er von meiner Kritik, die ich ja teilweise auch öffentlich gemacht hatte, erfahren hatte. Warum sollte ich mich dem auch nicht stellen? Das Gespräch war interessant aber wenig ergiebig, denn ich merkte sehr schnell, dass ein echter Meinungsaustausch nicht möglich war, er konstruktive Kritik nicht annahm oder annehmen wollte.

Im Steuerungsausschuss vom 22.9.2016 wurde dem Abschluss eines Vergleichs zugestimmt, der beinhaltete, dass Ulf Frötschner gegen Zahlung einer Abfindung noch bis Juli 2017 als Schauspieldirektor beim Theater Trier verbleibt. Denn wie nicht anders zu erwarten, hatte die fristlose Kündigung vor einem Gericht keinen Bestand gehabt. So musste der vom Gericht vorgeschlagene Vergleich eingegangen werden. Ich habe es einmal versucht und an das Gute appelliert, Sibelius einen Brief geschrieben, er möge doch versuchen irgendwie mit Frötschner hinzukommen, das sei doch im Interesse des ganzen Theaters. Er antwortete mir nur, das ginge unter keinen Umständen, klar, ich vergaß die Persönlichkeitsstruktur unseres Intendanten.

Am 15.11. tagte der Rechnungsprüfungsausschuss, dessen Bericht verheerend ausfiel. Das finanzielle Desaster, das angerichtet worden war, war noch viel größer als erwartet. Und es beruhte auf einer Vielzahl von Versäumnissen, die allerdings nicht alle im Verantwortungsbereich des Intendanten lagen. Insbesondere gravierende Kontrollmängel wurden aufgedeckt. Jedenfalls mussten Konsequenzen gezogen werden. Der Druck der Öffentlichkeit wurde stärker und stärker. Auch die Unterstützung derjenigen Ratskolleginnen und Ratskollegen, deren  sich der Intendant bis dato immer gewiss sein konnte, hatte er mittlerweile verloren.

Freitag, 17.11.2016 Ein düsterer Novemberabend. Der Stadtrat beschließt in nichtöffentlicher Sitzung die Auflösung des Vertrages mit Karl M. Sibelius. Am gleichen Abend wurde der Abwahlantrag für den Kulturdezernenten Egger gestellt.

Dr. Karl M. Sibelius beendet im Anschluss daran seine Freundschaft mit mir auf Facebook.

Epilog

Nun werden viele sicher meinen, Sibelius ist als sehr tragischer Held von der Trierer Bühne gejagt worden. Andere werden denken, dass Tragik für jemanden, der 300.000 Euro Abfindung erhält, anders aussieht. Ich fürchte, der Betroffene selbst sieht diesen Punkt ganz anders.

Der zuständige Dezernent, Thomas Egger, musste gehen, ein weiteres Opfer. Dabei darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass die Geschehnisse im Theater nicht die einzige Ursache war, weshalb sich die SPD-Fraktion dazu entschlossen hatte, einen Abwahlantrag gegen ihn zu stellen.

Ein tragisches Opfer ist ganz sicher zurückgeblieben, die Institution „städtisches Theater“ und der städtische Haushalt. Ein Trümmerfeld.

Und wer ist schuld? Meine Ratskolleginnen und  Ratskollegen, ich selbst, weil wir den neuen Intendanten eingestellt haben? Wer dies meint, sollte nicht außer Acht lassen, welche Begeisterung dieserr neue Mann versprühte und wie er auch von den Medien hochgejubelt wurde.

Alle, jeder war anfangs von dem neuen Mann überzeugt: Ich selbst, die Ratsmitglieder, vor allem diejenigen, die dem Kulturausschuss angehörten, und nicht zuletzt die Medienvertreter. Beispielsweise aber auch jemand, der später sein schärfster Kritiker wurde: Als bereits am 9. Juli 2015 der Politiker der Grünen, Gerd Dahm in einem offenen Brief („Ihr Führungsstil ist beschämend!“) Sibelius wegen des Umgangs mit engsten Führungskräften und seinen Mitarbeiter heftig kritisierte, konterte Eric Thielen als damaliger Pressesprecher noch „Karl Sibelius hat einen klaren Auftrag von der Politik. Sollte sich daran etwas geändert haben, dann muss die Politik neu entscheiden„. Wir haben uns wohl blenden lassen und Gerd Dahm darf für dich in Anspruch nehmen, dass er der erste war, der die Fehlentscheidung erkannt hatte.

Natürlich war ganz offensichtlich, dass Kontrolle gefehlt hat. Alle Kunstschaffenden beanspruchen gerne für sich, möglichst ungestört von allen Zwängen, auch finanziellen, agieren zu können, was aus ihrer Sicht durchaus verständlich ist. Aber in der heutigen Zeit der knappen kommunalen Kassen, geht das eben einfach nicht.

So tragisch das ganze Geschehen war, wir müssen jetzt hieraus lernen. So etwas darf sich nicht wiederholen, wenn wir dem Trierer Theater noch eine letzte Chance geben wollen. Um das zu erreichen müssen wir dem Theater endlich neue Strukturen geben und uns auf das rückbesinnen, was schon längst beschlossen wurde.

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Ein Brunnen für Tanguiéta

Hallo an alle!

Die letzten Tage waren sehr ereignisreich und auch sehr stressig. Grund dafür ist ein Brunnen, den wir gerade auf einem Dorf bauen bzw. ein Brunnenbau, den wir in Auftrag gegeben haben. Deswegen möchte ich Euch die Geschichte des Brunnens nicht länger vorenthalten und Euch davon berichten.

Im Prinzip hat die Idee, einen Brunnen zu bauen angefangen, als wir eine Freundin in Bagapodi, einem kleinen Dorf bei Tanguiéta, besucht haben. Davon habe ich Euch ja bereits berichtet. Die Menschen hatten dort schon im Dezember große Probleme an Wasser zu kommen.

Wie alles begann, könnt Ihr hier nachlesen: Es war aufregen und spannend.

Wasser – Ein wertvolles und teures Gut

Allgemein gibt es in Tanguiéta große Probleme mit Wasser, insbesondere in der Trockenzeit. Die Trockenzeit im Norden Benins dauert normalerweise von November bis Mai. Gegen Ende der Trockenzeit gibt es eigentlich in ganz Tanguiéta und Umgebung Wasserprobleme. Die Brunnen sind zu der Zeit fast alle leer und die Menschen müssen zum Teil weit laufen, um Wasser zu finden. Generell gibt es in Benin verschiedene Möglichkeiten, an Wasser zu gelangen.  In manchen Höfen, so wie bei uns, steht ein Wasserhahn. Das Wasser kommt aus dem hiesigen Stausee und wird so aufbereitet, dass man es trinken kann. Allerdings kostet das Wasser, was sich viele Menschen nicht leisten können.

Als kostenlose Alternativen gibt es Wasser aus Eimerbrunnen, die oft nur einige Meter tief sind. Das Problem hierbei ist allerdings, dass das Wasser eigentlich nicht trinkbar ist. Dadurch, dass die Brunnen offen sind, kann alles Mögliche hineinfallen, was das Wasser verseucht. Außerdem halten sie nicht über die komplette Trockenzeit. Wenn die Brunnen leer sind, laufen viele Menschen deswegen zu großen Seen, die noch über die Trockenzeit Wasser enthalten. Das Wasser dort ist allerdings noch verschmutzter als in den Brunnen. Mangels einer besseren Möglichkeit wird es dennoch getrunken.

Bild 1Nachdem wir aus Bagapodi zurückgekommen sind, dachten wir noch, es könne nicht viel schlimmer zugehen als dort und in Tanguiéta. Da hatten wir uns allerdings getäuscht und mussten feststellen, dass es noch viel schlimmer geht, wie wir in Monkonton gesehen haben.

Die einzige Möglichkeit dort an Wasser zu kommen, ist ein See in der Nähe. Um dorthin zu gelangen, müssen die Frauen allerdings erst 20 Minuten über Stock und Stein gehen. In der Regenzeit gibt es dort sehr viel Wasser, in der Trockenzeit geht das Wasser jedoch so weit zurück, dass sich der ganze Schmutz im See sammelt. Mit einem Stock müssen die Frauen zuerst die schlimmste Mikrobenschicht  von der Oberfläche entfernen, bevor sie anfangen können, Wasser zu schöpfen.

Bei unserem Besuch im Dorf haben wir solches Wasser auch zum Trinken angeboten Bild 2bekommen. Es war so braun, dass wir wahrscheinlich noch nicht einmal unseren Fuß hineinstecken würden – von Duschen oder gar Trinken ganz zu schweigen.

Aber für die Menschen aus Monkonton  gibt es nun mal keine andere Möglichkeit. Es gibt dieses Wasser oder keines. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie viele Krankheiten einzig und allein durch das Wasser ausgelöst werden, die die Strapazen des Alltags natürlich noch verschlimmern.

Uns haben die Erlebnisse auf den Dörfern so sehr berührt, dass wir beschlossen haben zu handeln und den Menschen helfen wollen.

Unser Entschluss: Wir müssen handeln

Der Weg zum Brunnenbau war ein sehr langer und stressiger Weg. Davor wäre mir niemals die Idee gekommen, dass es so aufwendig sein kann einen Brunnen zu bauen. Zunächst einmal stellt sich da die Frage, was für ein Brunnen gebaut werden soll. Es gibt die da die Möglichkeit einen ganz einfachen Eimerbrunnen zu bauen, der nur wenige Meter tief ist. Diese Brunnen sind nicht teuer, halten aber auch nicht über die gesamte Trockenzeit. Deswegen haben wir beschlossen einen Tiefbrunnen mit einer Pumpe zu bauen. Das Wasser wird hierbei  vom Grundwasserspiegel mithilfe einer Handpumpe nach oben gepumpt. Der Brunnen ist geschlossen und bietet somit über das gesamte Jahr Trinkwasser.

Bild 3Soweit so gut. Wir hatten das Dorf und wussten, welchen Brunnen wir bauen können. Aber wer baut uns den Brunnen? Vor allem: Wer baut uns den Brunnen zu einem angemessenen Preis? Die Suche nach geeigneten Brunnenbauern hat sich als am Schwierigsten herausgestellt. Leider ist es oft so, dass der Preis astronomisch in die Höhe steigt, wenn ein Weißer am Projekt beteiligt ist. Deshalb wollten wir auch zunächst die Idee des Brunnens ganz aufgeben, weil wir dachten, dass es viel zu teuer werden wird. Außerdem war es zu dem Zeitpunkt schon Mitte Mai und die Regenzeit konnte jederzeit einsetzen. Die beste Zeit einen Brunnen zu bauen ist in der Trockenzeit, weil dann der Grundwasserspiegel sehr weit unten liegt und man so sicher sein kann die ganze Trockenzeit über auf Wasser zu stoßen. Die Zeit drängte. Nach einiger Recherche und vielen Gesprächen haben wir buchstäblich in letztem Moment jemand gefunden, der bereit war uns den Brunnen zu einem angemessenen Preis zu bauen.

Es war wirklich schön die Freude in allen Gesichtern der Dorfbewohner zu sehen, als wir ihnen mitgeteilt haben, dass wir ihnen einen Brunnen bauen wollen. Sie waren direkt Feuer und Flamme und sofort bereit sich tatkräftig am Bau des Brunnen zu beteiligen.

Zwei Wochen später ging es dann auch schon los. Das Wichtigste war zunächst ein Loch zu Bild 4bohren und dort dann hoffentlich auf Grundwasser zu treffen. Da die Maschine, mit der der Bohrer betrieben wird, sehr viel Wasser benötigt, war e die Aufgabe der Frauen Wasser zu besorgen. Der See, den ihr auch auf dem Foto gesehen habt, ist über eine halbe Stunde Fußweg entfernt. Zum Glück sind die Tage des Wasserholens für die Frauen hoffentlich bald gezählt.

Bild 5Das Loch wurde mit einer handbetriebenen Bohrmaschine gebohrt. In Deutschland wäre so etwas unvorstellbar. Ein 24m tiefes Loch mit einem Handbohrer nur durch

Muskelkraft bohren? Niemals! Der Bohrer wird von den Männern nach und nach immer tiefer in die Erde gedrückt und das Wasser schwemmt Schlamm und Steine nach oben. Größere Steine müssen von den Männern mit dem Bohrer durchschlagen werden. Man kann sich gar nicht vorstellen wie anstrengend so eine Arbeit sein muss.

Nachdem das Loch gebohrt und die Rohre, in denen später das Wasser nach oben gepumpt wird, eingesetzt waren, wurde eine Mauer um den

Brunnen gebaut. An der Mauer sind die Arbeiter gerade noch dran.  Der Brunnen ist aber noch nicht ganz fertig. Die Handpumpe muss noch eingesetzt und das Wasser desinfiziert werden.  Es gibt also noch einiges zu tun, bis die Bewohner aus Monkonton endlich an ihr Wasser kommen können.

Zum Schluss meines heutigen Berichtes, wende ich mich noch an Euch mit einer BitteBild 6. Der Brunnen wird wahrscheinlich in nächster Zeit fertiggestellt werden können, weil wir einige Finanzierer  gefunden haben. Es fehlt allerdings immer noch Geld, um meinen Aufenthalt hier in Benin zu finanzieren. Meine Organisation benötigt für meinen Aufenthalt insgesamt 2400 Euro, um die Kosten für die Unterkunft, Essen und den Flug zu decken. 

Wenn Ihr also meine Arbeit hier unten unterstützen wollt, dann bitte ich Euch um eine Spende, um so meinen Aufenthalt weiterhin zu ermöglichen. Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden an den ihr mein Anliegen und meinen Bericht zum Brunnen weiterleiten könnt. Das würde mir wirklich sehr helfen.

Die Spenden sollten an folgende Adresse gehen:

Spendenkonto: Kinderhilfe Westafrika e.V.

IBAN: DE03 8305 0000 0000 6521 64

BIC: HELADEF1GER, Sparkasse Gera-Greiz

 Verwendungszweck: Sarah Albrecht, Tanguiéta, Name Spender + Adresse

Ich danke Euch schon jetzt für Eure Unterstützung und bis zum nächsten Mal!

Eure Sarah

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Eine Vision: Das Brunnenprojekt

Hallo an alle!

Da ihr ja zu Recht ein paar Bedenken geäußert habt zu unserem Projekt, möchte ich euch nun ein Resümee schicken zu unserem Projekt und euch ein bisschen erzählen wie alles angefangen hat und an welchem Schritt wir jetzt sind, damit ihr euch keine Gedanken mehr machen müsst.
Bild 1Angefangen hat alles wie schon im Brunnenbericht erwähnt im Dezember als wir bei unserer Freundin Charlotte waren und gesehen haben was es dort schon am Anfang der Trockenzeit für große Probleme mit Wasser gibt. Darüber hatte ich auch in einem meiner Rundbriefe berichtet. Danach ist mir das Wasserproblem hier und die Idee einen Brunnen zu bauen nicht mehr wirklich aus dem Kopf gegangen. Daher sind wir also im Prinzip seit Dezember am Projekt dran. Zuerst haben wir in Tanguiéta ein bisschen nachgefragt, wie man überhaupt einen Brunnen bauen kann. Dabei haben die Preise von 150 – 10.000 Euro variiert und das Ganze hat uns auch nicht wirklich weitergeholfen. Im Gegenteil wir dachten schon die Idee aufgeben zu müssen, weil 10.000 Euro nun wirklich zu viel ist.

Irgendwann haben wir mit unserem Gastvater (dem Pastor) darüber gesprochen. Er fand die Idee von Anfang an gut, hat uns sehr geholfen und unterstützt uns bis jetzt sehr viel, was auch dazu beigetragen hat, dass wir das Projekt weiter verfolgt haben.

Ihn haben wir dann auch gefragt, wo die Wasserprobleme in und um Tanguiéta amBild 2 Schlimmsten sind. Durch ihn haben wir dann den Präsident der Baumwollfabrikation, Michel, kennengelernt. Er hat uns Monkonton gezeigt, das Dorf wo wir jetzt den Brunnen bauen. Wir hatten großes Glück an ihn zu geraten. Er kennt Tanguiéta und Umgebung unglaublich gut und ist vor allem mit vielen Ethnien hier sehr vertraut.
Zuerst wollten wir den Brunnen mit einer Unternehmerin bauen, die den Pastor persönlich kennt. Ihr Preis für einen Brunnen war allerdings viel zu hoch. Außerdem wollte sie nur einen einfachen Brunnen bauen, der 15 Meter tief ist. Normalerweise sollen so Brunnen, wenn man sie mit der Hand gräbt 150 Euro Kosten, sie aber wollte 5000 Euro dafür haben. Nachdem ich den Preis gehört habe, bin ich auch mit einer Organisation in Deutschland in Kontakt getreten (afrikabrunnen.org)

Ein holpriger Weg zum Brunnen

Auch sie haben mir bestätigt, dass der Preis viel zu hoch ist. Zu dem Zeitpunkt wollte ich das Projekt dann endgültig aufgeben, weil es schon April war (im März konnten wir fast nicht an dem Projekt arbeiten, weil ich ja so schlimm krank geworden bin). Die Organisation hat mir aber ein paar gute Tipps gegeben, weshalb ich das Projekt dann doch weiterverfolgt habe.
Wir haben mit einer ansässigen ONG hier geredet, mit dem Bürgermeister und mit drei verschiedenen Firmen (eine ist extra auf unsere Kosten angereist, hat uns vorher einen guten Preis genannt und hat den Preis dann doch geändert, als er gesehen hat, dass wir weiß sind). Gegen Ende waren wir total verzweifelt, auch weil die Zeit immer knapper wurde (einen Brunnen kann man nur in der Trockenzeit bauen und die Regenzeit fängt im Mai an).
Lange Rede kurzer Sinn – es war ein sehr holpriger Weg zu unserem Brunnen mit sehr viel
Gegenwind (unter anderem von unserer eigenen Organisation, darüber wissen meine Eltern schon Bescheid), aber schlussendlich sind wir wie durch ein Wunder an einen wirklich zuverlässigen und netten Unternehmer gestoßen, der noch nicht mal über den Preis verhandeln wollte.

Also sind wir diese Woche ins Dorf gefahren, um ihnen mitzuteilen, dass wir einen Brunnen bauen. (alle haben sich so sehr gefreut, es war richtig süß) und am Donnerstag haben wir den Vertrag unterschrieben.Bild 3

Insgesamt wird der Brunnen 5300 Euro kosten. 30% davon müssen wir im Voraus zahlen, weil er dafür das ganze Material besorgt. Das Geld haben Pauline und ich schon bereits vom Konto abgehoben. 35% werden wir im Juni zahlen und weitere 30% im August, wenn wir hoffentlich das ganze Geld an Spenden zusammen haben werden. 5% zahlen wir erst nach einem Jahr, weil es ein Jahr Garantie auf den Brunnen gibt. Der Vertrag ist also wirklich sehr vorteilhaft für uns.

Soweit die Geschichte des Brunnens. Die Arbeit am
Brunnen wird voraussichtlich nächste Woche Mittwoch beginnen. Die Bauarbeiten dauern insgesamt nicht länger als zwei Wochen.
Bild 4Zur Eröffnung des Brunnens werden wir unter anderem den Bürgermeister einladen und hier ansässige Organisationen. Vielleicht gibt es dadurch ja noch mehr Leute, die auch einen Brunnen hier bauen wollen – Bedarf ist wirklich da.

Falls ihr sonst noch Fragen habt, stellt sie mir gerne jederzeit. Ich versuche euch jetzt so gut es geht auf dem Laufenden zu halten. Wahrscheinlich aber eher telefonisch, weil solche Emails schon immer viel Zeit in Anspruch nehmen.

Bis dahin!

Eure Sarah

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Eine Reise durch Benin

In diesem 6.Bericht aus Benin möchte ich Euch dazu einladen mit mir auf eine Reise durch den Benin zu gehen. Daniel hat mich Anfang März besucht, wir sind zusammen rumgereist und haben sehr viel gesehen. Das möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten und wünsche Euch jetzt viel Spaß mit meinem kleinen Reiseführer zu Benin. Vielleicht bekommt der ein oder andere ja danach auch ein bisschen Lust nach Benin zu fliegen und das Land kennen zulernen.

Cotonou

Grostadttreiben

Grostadttreiben

Unsere allererste Station ist natürlich Cotonou, weil Daniel dort mit dem Flugzeug ankommt. Außerdem hat Cotonou den Vorteil, dass es ganz im Süden liegt und wir so perfekt von Stadt zu Stadt reisen können, bis wir ganz oben bei mir im Norden sind. Von Tanguieta nach Cotonou zu fahren, um Daniel abzuholen ist für mich zuallererst sehr aufregend. Seit einem halben Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen!

Schon am Flughafen angekommen, kann ich mich gar nicht mehr richtig halten vor Aufregung. Und dann kommt auch noch sein Flug zu spät und ich muss noch länger warten. Als er dann endlich aus Flughafengebäude kommt, ist es für uns beide ein herzliches Wiedersehen.Bild 2

Cotonou ist für uns beide kein Ort, an dem wir uns lange aufhalten möchten. Zwar ist es für mich schön wieder einmal in einer Stadt zu sein, wo ich europäisch essen kann, dennoch ist es uns beiden viel zu laut und viel zu voll. Es gibt unglaublich viel Verkehr – die Autos und Motorräder fahren, wie sie wollen, und es sind oft so viele Menschen unterwegs, dass man total den Überblick verliert. In Cotonou kann man zwar viel machen, sie ist aber keine schöne Stadt und mir fehlt auch die afrikanische Ruhe, die ich sonst aus Benin gewohnt bin. Wir sind also beide nicht unglücklich darüber Cotonou bald zu verlassen und einen Ausflug zur Stadt auf dem Wasser zu machen.

Ganvier

Stadt auf dem Wasser

Stadt auf dem Wasser

Die Stadt auf dem Wasser heißt Ganvier und ist definitiv eines der Highlights unseres Trips durch Benin. Ganvier liegt mitten in einer Lagune. Nach einer langen Bootsfahrt übers Wasser sieht man die ersten Häuser, die wie über dem Wasser zu schweben scheinen. Fährt man etwas näher ran wird aber schnell klar, dass die Häuser auf Stelzen gebaut sind. Die meisten Bewohner von Ganvier sind Fischer und verdienen ihr Geld damit den Fisch auf dem Markt am Festland zu verkaufen.
Bild 4Aber auch in Ganvier gibt es einen Markt – einen Markt auf dem Wasser. Tomaten, Gewürze, Reis und vieles mehr befinden sich auf Booten und die Menschen müssen dort vorbeifahren, um einzukaufen. Jedes Haus hat mindestens ein Boot, weil die Menschen sich auch von Haus zu Haus nur mit ihren Booten fortbewegen können. Die Stadt hat sogar eine Kirche, ein Krankenhaus, eine Schule … Und das alles auf dem Wasser. Allerdings müssen die Häuser alle fünf Jahre erneuert werden, weil das Holz dann zu angegriffen ist vom Wasser und einstürzen kann. Ganvier – das Venedig von Benin.

Ouidah

Sklavenleid

Sklavenleid

Auf Ouidah war Daniel von Anfang am meisten gespannt. Von Ouidah aus wurden vor und während der Kolonialzeit die Sklaven nach Europa verschifft. Heute kann man an verschiedenen Stationen in Ouidah den Weg der Sklaven bis zum Meer verfolgen. Die Stationen sollen an das Leiden der Sklaven erinnern. Schon auf dem Weg nach Ouidah zur Verschiffung sind sehr viele Sklaven an Erschöpfung gestorben. Haben sie es bis nach Ouidah geschafft, wurden sie in ein Gefängnis eingesperrt. Auch dort sind noch einmal viele an den unmenschlichen Bedingungen gestorben.

Diejenigen, die robust genug waren die ganzen Strapazen zu überstehen, wurden schließlich am „Porte du non retour“ nach Europa verschifft. Noch heute kann man das große Tor am Strand bewundern.Bild 6

Neben seiner traurigen Sklavengeschichte ist Ouidah die bedeutendste Stadt des Vodoo. Überall in Ouidah sieht man Statuen, die Vodoo Gottheiten darstellen.
Außerdem gibt es einen Pythonpalast, in dem auch Vodoo Zeremonien stattfinden. Pythons sind im Vodoo heilig und dürfen nicht gejagt und gegessen werden. Die Pythons wohnen in einem kleinen dunklen Raum und werden einmal

Bild 8

Keine Angst vor Schlangen

im Monat zum Fressen hinausgelassen. Danach kehren meist alle Pythons zurück. Findet ein Passant draußen eine Python, bringt er sie zurück in den Palast – in Oudiah ist klar, dass Pythonfleisch tabu ist. Der Palast ist auch Ort für Vodoo Zeremonien

Grand Popo

Nach den ganzen Reisen ist uns erstmal nach Entspannung zumute. Die wollen wir iBild 9n Grand Popo am Strand finden. Der Name hört sich für uns erstmal komisch an, aber die Betonung im französischen liegt nicht auf dem ersten, sondern dem zweiten „o“.
Wir übernachten in einem sehr schönen Hotel direkt am Strand. Sehr schade ist nur, dass man nicht wirklich im Meer schwimmen kann. Die Brandung ist so stark, dass man direkt ins offene Meer getragen wird und sehr aufpassen muss.

Entspannung am Meer

Entspannung am Meer

Abomey/ Bohicon

Bild 11Nach der kleinen Entspannung in Grand Popo geht es weiter nordwärts nach Abomey, der Stadt der Könige. Als Benin noch das Königreich Dahomey war – also vor der Kolonialisierung – war Abomey der Sitz der Könige Dahomeys. Über die Jahrzehnte gab es sehr viele Könige und man sieht heute noch viele Paläste, weil jeder König sich einen eigenen Palast gebaut hat. Der am besten erhaltene und größte Palast, der heute ein Museum ist, ist der des letzten Königs von Dahomey und seinem Sohn. Es ist beeindruckend zu sehen, wie groß unBild 12d bedeutend der Palast ist, aber auch erschreckend, wie grausam die Zeit des Königs war. Der Thron des Königs besteht zum großen Teil aus Köpfen, die seine Soldaten bei Überfällen in andere Königreiche gesammelt haben. Menschenopfer waren bei den damaligen Vodoo Zeremonien weit verbreitet. Bei der Beerdigung des Königs wurden 40 Kriegsgefangene geopfert. Dahomey gehörte vor der Kolonialisierung auch zu den Reichen, die Kriegsgefangene und zum Teil die eigenen Leute an Europa verkauft haben. Seinerzeit bestand zwischen den Portugiesen und dem König Dahomeys eine wichtige Handelsbeziehung.
Gegenstand des Handels waren Sklaven. Belohnt wurde der König für seine Lieferungen mit wertvollen Geschenken. Nicht weit von Abomey ist Bohicon, bekannt für die „village souterrain“ – die unterirdische Stadt. Noch zu Zeiten Dahomeys haben die Menschen dort unterirdisch in Höhlen gewohnt, um sich besser vor Feinden schützen zu können. Außerdem konnten sie so ankommende Feinde mit einem Angriff überraschen.

Dassa

Bild 13Nach der Besichtigung der Königsstadt fahren wir noch weiter in den Norden nach Dassa – der Pilgerstadt für Christen. Eine Grotte in Dassa dient jetzt neben einer großen, von Italienern gebauten Kirche, als Pilgerstädte. Da es den allermeisten Beninern finanziell unmöglich ist nach Lourdes, den großen Pilgerort in Frankreich, zu fahren, wurde ein Stein aus Lourdes zur Grotte gebracht und in den Felsen eingebaut.
Dassa ist außerdem ein wichtiger Ort des Vodoo, weil es dort einen heiligen Berg gibt. Da wir inBild 13 b
Dassa das Glück haben an einen sehr guten Fürer zu geraten, der sich sehr gut in Dassa auskennt, lernen wir auch ein Cafe eines Künstlers kennen, der seine Kunstwerke in Felsen eingraviert.


Bild 14

Pendjari National Park (Tanguieta)

Abschied

Abschied

Nach unserem kurzen Aufenthalt in Dassa folgt unsere bisher längste Fahrt nach Natitingou, um einen kurzen Abstecher zu Anna und Andrea zu machen. Außerdem schauen wir uns Boukombe an, berühmt für seine Tatas. Tatas sind besonders gebaute Lehmhütten, die ein bisschen an eine kleine Burg erinnern, weil sie sehr hoch gebaut sind. Die Menschen schlafen oben auf den Dächern, um besser vor Feinden und Dieben geschützt zu sein.
In Tanguieta sieht Daniel endlich, wie ich so lebe und arbeite. Das Schwierigste an Tanguieta ist für ihn mit der Hitze umzugehen, an die ich ja zum Glück schon ungefähr gewöhnt bin. Dennoch ist er froh am letzten Tag in einem ventilierten Hotel übernachten zu können.
Tanguieta ist am bekanntesten für den nahegelegenen Pendjari Nationalpark. Dort kann man Büffel, Affen, Antilopen, Nilpferde, Elefanten und Löwen beobachten. Außer Löwen und Elefanten bekommen wir bei unserem eintägigen Trip in den Park alles zu sehen. Als besonderes Highlight besuchen wir gegen Ende unserer Tour einen wunderschönen Wasserfall, wo wir uns abkühlen können.
Nach diesen zwei Wochen, die für mich wie im Flug vergangen sind, muss sich Daniel auch schon wieder verabschieden, um zurück nach Deutschland zu fliegen.
Wie ihr seht, gibt es in Benin sehr viel zu sehen und zu erleben, auch wenn es überhaupt kein touristisches Land ist. Aber gerade das macht einen großen Reiz aus, weil man so als Tourist vieles intensiver erleben kann.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Sarah

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Sechzig

60 Jahre ist nur eine Zahl,
und aber macht sie uns Gedanken,
wird für manchen schier zur Qual,
dunkle Wolken sich um sie ranken.

Gut: Weisheit und Erfahrung wurd’ Dir beschert,
oft schmerzhaft erkauft in 60 Jahren,
denn Jugend und Schönheit, so begehrt,
kann man nicht so lang’ bewahren!

Wie lang es wohl noch dauern wird,
bis uns quält Krankheit und Verdruss?
Wer dies negiert, wohl ganz schwer irrt,
wie man mit 60 nun erkennen muss.

Und dann noch die Frage aller Fragen,
an die man immer öfter denken muss:
Es auszusprechen, darf man es wagen?
„Wann ist mit unsrem Leben Schluss?“

Die Hälfte des Lebens ist schon lange vorbei,
aufgefallen war es bislang nicht!
Jetzt sind wir gefangen in der Grübelei:
Wann sehen wir des Todes Angesicht?

Immer kann es geschehen, vielleicht schon morgen.
Und da sind neue Ängste, die noch weniger gefallen
Wenn nicht gleich der Tod, so dann die Sorgen,
ob und wann wird Siechtum uns befallen?

Freunde, die wir kennen aus vergangener Zeit
und die im gleichen Jahr wie wir geboren,
hat dieses Schicksal schon ereilt!
Wie lang’ bleiben wir da noch ungeschoren?

Wenn solche Fragen die Gedanken trüben,
sehr schnell die Einsicht kommen muss:
In Bescheidenheit und Demut musst Du Dich üben
und vertreiben Ängste und Verdruss.

Dankbar sei für 60 Jahre Leben!
Denn sei stets eingedenk:
Jeder Tag, der Dir gegeben,
war ein herrliches Geschenk,
das Du achten musst, bewahren,
denn selbstverständlich war es nicht!
Jede Minute Deiner 60 Jahre,
war von besonderem Gewicht!

Und jeder Tag, den Du künftig darfst erleben,
den halte fest mit ganzer Kraft!
Nach dieser Einsicht musst Du streben
und glauben dran mit Leidenschaft.
Was noch kommen wird, kannst Du nicht wissen.
Das ist in eines anderen Hand.
Damit wirst Du leben müssen,
doch empfinde es als Glücksumstand.

Denk’ stets dran, was jemand schrieb,
der vor dem Ende seines Lebens stand:
was für ihn die Essenz des Daseins blieb,
weshalb er trotz Schicksal Zuversicht empfand:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarte stets getrost, was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jeden neuen Tag!

Thomas Albrecht 1.9.2013

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