Ehrenamtsempfang der Evangelischen Kirche

»Ich suche nach so vielen Dingen, die Glück, Erfolg und Ehre bringen. Doch worin liegt der Sinn?«

(Text und Melodie: Gottfried Heinzmann, Hans-Joachim Eißler)

Dies sind Zeilen eines Lieds, das wir heute Abend beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirchengemeinde Trier im Dietrich Bonhoeffer-Haus gemeinsam gesungen haben. Es greift die diesjährige Jahreslosung auf: »Wer Durst hat, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm von der Quelle, aus der das Wasser des Lebens fließt.« (Offenbarung 21,6)

150 Eingeladene – von 300 – waren der Einladung gefolgt, hauptsächlich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde Tätige. Ich war als Mitglied des Caspar Olevian- Chors dort und erlebte mit meinen Tischnachbarn und -nachbarinnen einen abwechslungsreichen Abend.

– Pfarrerin Zens, welche die einleitenden Worte sprach, erläuterte die Jahreslosung mit einem persönlichen Erlebnis: Auf dem Jakobusweg litt sie großen Durst und bediente sich hoffnungsfroh am Wasser einer Zisterne, froh, »das Wasser des Lebens« gefunden zu haben. Aber dieses war ungenießbar. Wie oft, so Pfr.in Zenz, werden uns Dinge als »Wasser des Lebens« angeboten (Erfolg, Schönheit, Reichtum), und entpuppen sich ebenfalls als schädlich für unser Leben. Nachdenklich stimmende Worte.

– Es blieb aber nicht nur bei der Nachdenklichkeit. Pfarrer Thomas Luxa zählte geschickt in alphabetischer Reihenfolge – von A – Z alle Initiativen auf, die sich in der Evangelischen Kirchengemeinde ehrenamtlich betätigen. Da wurde dann auch dem CVJM der YAMC – »da es ja ansonsten nicht in der alphabetischen Reihenfolge gepasst hätte.«

– Genial das musikalische Quiz unseres Kantors, Chorleiters und Kirchenmusikdirektors Martin Bambauer: In Filmmelodien, die er am Klavier intonierte, »versteckte« er bekannte Kirchenlieder, die dann von uns zu erraten waren. Tolle Idee!

-Und natürlich kam das leibliche Wohl nicht zu kurz. Es hat vorzüglich geschmeckt. Ein schöner Dank an diejenigen, die das Jahr über viel Zeit für das Ehrenamt zur Verfügung stellen

Veröffentlicht unter Kirche | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Wunder in Westafrika wahr werden lassen!

»Wunder gibt es immer wieder«

5.000,- Euro für »Colettes Vision«: Das Ausbildungszentrum »Mille clés« in Tanguiéta/Benin

»Fluchtursachen bekämpfen« wird häufig als Lösung der Probleme vieler Menschen aus afrikanischen Ländern genannt.
Da es größtenteils kriegerische Auseinandersetzungen sind oder Regime, welche die Freiheitsrechte ihrer Bürger/innen unterdrücken (Eritrea, Somalia, Nigeria, Mali, Gambia), ist dies jedoch für die deutsche Entwicklungshilfe nicht so einfach zu realisieren.

In Tanguiéta in Benin, dem Nachbarland von Nigeria, sind die Voraussetzungen für Hilfen von außerhalb günstiger: Hier herrschen demokratische Verhältnisse – selbstverständlich nach afrikanischem Muster. Aber nach Niger, Burkina Faso, Sierra Leone und Guinea hat Benin die höchste Analphabetenrate in Afrika, unvorstellbare 63%. Bildung ist somit ein ganz wichtiger Faktor, mit dem man die Not der Menschen in diesem armen Land langfristig beheben kann. Jedes Jahr reisen junge Menschen aus Deutschland nach Benin, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr, auch in Schulen, zu absolvieren. Eine dieser jungen Frauen war unsere Tochter Sarah.

Wer erinnert sich noch an die Berichte von ihr aus Benin, die zwischen September 2015 und September 2016 in regelmäßigen Abständen hier veröffentlicht wurden? (Sie können alle aufgerufen werden, wenn die Kategorie »Afrika« angewählt wird.)

Nach ihrem Bachelorstudium der Psychologie in Chemnitz hat Sarah ein freiwilliges soziales Jahr in diesem armen westafrikanischen Land absolviert und dort neben ihrer Tätigkeit als Lehrkraft ein Brunnenbau-Projekt – mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland – umgesetzt. Auch nach ihrer Rückkehr und der Aufnahme eines Masterstudiums in Jena haben das Land und seine Leute unsere Tochter nicht losgelassen. So gelang es unter anderem mit der tatkräftigen Unterstützung der Schüler und Schülerinnen des MPG in Trier (Spendenlauf an der Schule) und vieler privater Spenden aus der familiären Umgebung und dem Bekanntenkreis, dass ein schulisches Projekt in Tanguiéta in die Tat umgesetzt werden konnte. Sehr berührend war der Dank der afrikanischen Schüler und Schülerinnen , der ganzen Schulgemeinschaft und der persönlich überbrachte Dank des Pfarrers aus Benin, Pasteur Douèto N‘ Touama und seiner Frau, Colette Moutouama, deren Pfarrei Assemblée de Dieu (Evangelische Freikirche) die Schule betreibt.

Hilfe für junge Frauen

Und nun steht ein weiteres großes Projekt an, für das ich um finanzielle Unterstützung bitte! Es geht – seitdem völlig überraschend eine Großspende von 5.000,- Euro eingetroffen ist – um keine große Summe mehr, es geht um noch  2.100,- Euro!!

Colette Moutouama, von allen liebevoll »Maman« genannt, die Gastmutter unserer Tochter Sarah, betreibt seit 1998 ein Webatelier, in dem Mädchen und Frauen als Weberinnen ausgebildet werden. Seitdem haben 19 die Ausbildung erfolgreich beendet. Einigen von ihnen gibt Colette nach der Ausbildung Kleinkredite, damit sie mit diesem Budget eine Webmaschine kaufen können, um in einem eigenen Atelier zu arbeiten. Aktuell sind zwölf Mädchen bei ihr in der Ausbildung, von denen die meisten zu arm sind, um sich die Ausbildungsgebühren zu leisten. Einige von ihnen brauchen eine Unterkunft in Tanguiéta, da ihre Eltern verstorben sind oder sie von zu Hause weggelaufen sind (Stichwort: Zwangsheirat, Beschneidung). Da im Haus von Colette kein Platz ist zum Weben, arbeiten die Mädchen mit den Maschinen im Freien. Bei zu starkem Wind oder Regen können sie nicht arbeiten, können sie kein Geld verdienen.

Eine Vision

Und hier setzt »Colettes Vision« an: Sie möchte ein Ausbildungszentrum für Frauen und Mädchen eröffnen, »mille clés« (Tausend Schlüssel) um ihnen in ihren Problemlagen besser helfen zu können, um ihnen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.

In dem geplanten Zentrum wird sich ein Klassenzimmer, eine Küche und ein Atelier befinden, in dem die Ausbildungen stattfinden, sowie ein Schlafzimmer. Die Mädchen sollen dort eine Ausbildung im Bereich Weben, Schneidern oder Sticken erlernen. Außerdem können sie eine Ausbildung als Friseuse absolvieren. Sie sollen Lesen und Schreiben lernen und in Sexualität und Haushaltsführung unterrichtet werden. Denn viele Mädchen werden zu Hause nicht aufgeklärt, geschweige denn über sexuell übertragbare Krankheiten informiert. Außerdem können 70% aller Frauen in Benin nicht lesen und schreiben.

Was kann man tun, um Colette bei dem Bau ihres Ausbildungszentrums zu unterstützen?

Sarah und ihre Kollegin Pauline, die mit ihr gemeinsam in Benin war, wollen mit Hilfe ihrer Entsendeorganisation »Kinderhilfe Westafrika e.V.« eine Fördermaßnahme in Höhe von 50.000 Euro beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beantragen.

Da die Maßnahme nur eine 75% Finanzierung ist, muss ein Anteil von 25% selbst aufgebracht werden. Bis zum 31. Januar 2018 – somit bis in 13 Tagen – müssen 10.000 Euro gesammelt werden, damit das Projekt für nächstes Jahr bewilligt wird.

Bis heute war es, ehrlich gesagt, völlig utopisch, das Geld zusammen zu bekommen, 2.900,- Euro waren gespendet worden. Gewiss keine Kleinigkeit, um nicht missverstanden zu werden, aber zu weit von den 10.000 Euro entfernt. Aber Sarah hat die Hoffnung nicht aufgegeben und ihr Glaube an die wirklich gute Sache hat ihr geholfen: Heute erhielt sie von einer Frau aus Freiburg, die sie nicht kennt, die aber vom Projekt und vom Engagement von Sarah und Pauline überzeugt war, die Nachricht, dass diese ganze 5.000,- Euro (!) für das Projekt überwiesen hat.

Da ich im Sommer 2016 in Tanguiéta war und mich vor Ort davon überzeugt habe, dass die finanzielle Hilfe aus Deutschland dort sehr gut angewandt wird, kann ich grantieren, dass das Geld auch sicher ankommt. Deshalb bitte ich herzlich darum mit dazu beizutragen, dass Sarah und Pauline die 2.100,- Euro bis zum 31. Januar 2018 zusammen haben. Hier die Angaben zur Kontoverbindung:

Spendenkonto: Kinderhilfe Westafrika e.V.
IBAN: DE03 8305 0000 0000 6521 64
BIC: HELADEF1GER
Sparkasse Gera-Greiz
Verwendungszweck:
Tausend Schluessel Tanguieta

Wer eine Spendenquittung erhalten will möge bitte seine Adresse im Verwendungszweck angeben.

Ich danke allen sehr für die Unterstützung!

Hier noch eine ergänzende Information von Sarah, was geschieht, sollte das Geld (wider Erwarten) nicht zusammengbraacht werden:

»Keine Angst: Das Geld ist nicht verloren! Bekommen wir die 10.000 Euro nicht zusammen, heißt das nur, dass wir den Antrag erst später stellen können. Stellen wir den Antrag allerdings nach dem 31. Januar, verzögert sich das Projekt um ein Jahr, da die Anträge bis zu einem gewissen Zeitpunkt beim BMZ eingegangen sein müssen. Bekommen wir bis zum 31. Januar also nicht 10.000 Euro zusammen, kann der Bau des Zentrums also frühestens erst im Januar 2019 starten

Veröffentlicht unter Afrika | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn die Menschenwürde vor der Tür abgelegt wird

»Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt« – Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Meldung des Trierischen Volksfreundes über den Ausstieg des Wittlichers Marvin Stablo aus einer ProSieben Fernsehshow hat mich auf neues Sendeformat aufmerksam gemacht, dem ich normalerweise keinerlei Beachtung geschenkt hätte.

»Get the f*ck out of my house«, heißt diese Sendung bezeichnenderweise, an der der regionale Kandidat kurze Zeit teilgenommen hat.
Ich mache mich kundig über diese so genannte »Strategie-Reality-Show« und stelle mit Erstaunen fest, dass es den Fernsehmachern tatsächlich gelungen ist, die Niveaulosigkeit von Sendungen wie »Big Brother«, »Dschungelcamp« oder »Schwiegermutter gesucht« noch zu unterbieten.
100 Leute, von Geltungssucht, der Gewinnsumme von 100.000 Euro oder beidem getrieben, lassen sich freiwliig in einem 116 Quadratmeter großen Haus im Ort Satzvey in der Eifel unter unwürdigsten Umständen zusammenpferchen. Im Vergleich dazu wird manchen ein Aufenthalt in einem deutschen Gefängnis als Luxusurlaub erscheinen.
Sie werden weder mit ausreichend Nahrung versorgt, noch gibt es genügend Schlafgelegenheiten. Die sanitären Umstände sind dermaßen katastrophal, dass es jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. Von Fäkalien in der Dusche und ähnlichen Unappetitlichkeiten liest man, mit denen ich mich nicht näher beschäftigen mag.
Niemand mag wohl daran denken, welche Aromen sich in so einer Behausung in kürzester Zeit ausgebreitet haben.
Um davon und der natürlich auftretenden Langeweile abzulenken, werden von Zeit zu Zeit sogenannte »Spiele« auf Kindergarten-Niveau veranstaltet (z.B. Herumschaufeln von farbigen Plastik-Bällchen).
Das Ganze wird mit gehässigen Kommentaren eines arroganten auftretenden Moderatorenpaares gespickt.
Dabei lassen sich die Probanden wie Paviane in einem Zoo rund um die Uhr von Fernsehkameras beobachten.
Offenbar laben sich zahlreiche Voyeure als Fernsehzuschauer gerne an dem Schicksal der Freiwilligen, weshalb man von guten Einschaltquoten liest, was kräftige Werbeeinnahmen verspricht. Natürlich gibt es unter den geschilderten Umständen jede Menge soziale und persönliche Konflikte und Krisen, die von den Fernsehmachern geschickt oder gemein – das ist Auslegungssache – gesteuert werden (z.B. Wahl eines »Chefs«, der für einen Zeitraum Privilegien genießt).

Ich denke zurück an Art. 1 unseres Grundgesetzes: was ist, wenn Menschen freiwillig auf ihre Menschenwürde und Grundrechte verzichten, wie hier geschehen?
Ist der Staat nicht gleichwohl verpflichtet einzuschreiten? Ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die sich hierauf eingelassen haben, gar nicht verstehen, was sie sich damit antun.

Veröffentlicht unter Gedanken, Medien | Hinterlasse einen Kommentar

Fakten zum Bürgerentscheid

Mit ein Erstaunen und auch ein wenig Schmunzeln habe ich eine Presseerklärung der SPD-Stadtratsfraktion zum Ausgang des Bürgerentscheides zur Verlängerung des Pachtvertrages „Araltankstelle Ostallee“ zur Kenntnis genommen.

Ich zitiere: „Wir haben eine andere Meinung, haben dafür gekämpft und nicht einmal ein Viertel aller Wahlberechtigten hat nun anders entschieden. Die große Mehrheit blieb zu Hause, da das Thema offensichtlich keine Relevanz hatte.“ Weiter heißt es (Sven Teuber): „Offensichtlich waren nicht nur wir im Bündnis ‚Nein Tanke‘ der Meinung, dass es für einen Bürgerentscheid vielleicht wichtigere Fragen gäbe.“


Was will uns die SPD damit sagen?

Ein Vergleich:
Bei der Stadtratswahl 2014 wurden 38.968 Stimmen abgegeben. Davon wählten 26,2, % SPD, das entspricht 10.210 Stimmen für die lieben Kolleginnen und Kollegen von der SPD. OK, nicht ganz vergleichbar, da es bei der Kommunalwahl „Panaschieren“ und „Kumulieren“ gibt. Trotzdem über 14.000 Triererinnen und Trierer haben für den Erhalt der Tankstelle gestimmt.
Und dann sehe ich mal bei den Zahlen der OB Wahl nach. Stichwahl 2014. Der gewählte Oberbürgermeister erhielt 12.737 Stimmen, das sind 1342 Stimmen weniger, als für den Erhalt der Tankstelle gestimmt haben. Die Wahlbeteiligung dieser wichtigen Wahl lag übrigens bei mageren 30,4 Prozent, obwohl diese Wahl in viel größerem Umfang medial vorbereitet wurde. Gibt es für Trier etwas Wichtigeres, als den Oberbürgermeister zu wählen, ich meine Nein! 22,95 Prozent Wahlbeteiligung beim Bürgerentscheid müssen sich da wirklich nicht verstecken.
Warum schreibe ich das? Ich kann die Enttäuschung der Tankstellengegner gut verstehen. Mir ginge es im umgekehrten Fall nicht anders. Aber die aufgeführten Zahlen zeigen eindeutig, dass es einfach unfair ist, die Relevanz der Bürgerentscheides in Zweifel zu ziehen.
Festzustellen ist hingegegen (leider) ein eher allgemeines Desinteresse an der Kommunalpolitik. Da müssen wir uns ALLE und ganz generell überlegen, wie man dem entgegenwirken könnte.

Veröffentlicht unter Kommunalpolitik | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Keine Umbenennung der Metzer Allee!

Ich bedaure sehr, dass die Angelegenheit »Benennung einer Straße nach dem verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl« völlig verfrüht und ohne jede Not in die Öffentlichkeit geraten ist, wie am 27.9. der Trierische Volksfreund meldete.

Dies hätte unbedingt zuvor intern besprochen werden müssen.

Die jetzt unnötigerweise entfachte öffentliche Diskussion erreicht aus meiner Sicht genau das Gegenteil von dem, was die Initiatoren bezwecken: Sie schadet dem Ansehen des Altbundeskanzlers, dessen Verdienste für Europa auch ich hoch schätze.

Nachdem die das Thema jetzt öffentlich geworden ist, möchte ich auch öffentlich dazu Stellung nehmen, zumal mich heute zahlreiche Ansprachen in zu dem Thema erreicht haben.

Vorweg: Auch ich habe von den Vorschlägen aus der Zeitung erfahren. Die CDU Stadtratsfraktion hat sich hiermit noch nicht befasst

Ich bin der Auffassung, dass diese Angelegenheit in Ruhe und Bedacht  und unter Einbindung aller Beteiligten – so wie es Udo Köhler schon richtig zum Ausdruck gebracht hat – zu gegebener Zeit besprochen werden muss. Hier besteht keinerlei Zeitdruck!

Eine solche Frage lässt sich nur in einem breiten politischen Konsens regeln, so wie dies in der Vergangenheit bei anderen bedeutenden Persönlichkeiten auch geschehen ist.

Im Übrigen weise ich darauf hin, dass der Rat der Stadt Trier beschlossen hat, die Benennung von Straßen und Plätzen den jeweiligen Ortsbeiräten zu überlassen, was natürlich nichts daran ändert, dass seitens des Stadtrates Anregungen gegeben werden können.

Die Umbenennung der Metzer-Allee kommt dabei aus meiner Sicht unter keinen Umständen in Betracht. Es ist guter Brauch, dass wir unser Partnerstädte mit Straßennamen ehren. In diesem Jahr haben wir die 60-jährige Partnerschaft mit der französischen Stadt Metz gefeiert. Es ist aus meiner Sicht völlig undenkbar, ihr diesen Namen zu entziehen.

Zum anderen hat die deutsch-japanische Gesellschaft schon seit Jahren eine Initaitive gestartet, den unbewohnten Teil der Metzer-Allee in »Nagaoka-Allee«  umzubennen.

Beim dem von mir im Übrigen sehr geschätzten Landtagsabgeordneten Arnold Schmitt mahne ich Besonnenheit an.

Ob, welche und wann eine Straße oder ein Platz nach Helmut Kohl genannt wird, haben alleine die Trierer zu entscheiden. Ratschlag aus dem Umland ist hier wenig hilfreich.

Es käme in Trier auch niemand auf die Idee eine Initiative zu starten, beispielsweise die Moselstraße in Riol in Helmut-Kohl-Straße umzubenennen.

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Gaulandsche Geschichts Glättung

Nein, Herr Gauland: Luther, Bach, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Schubert, Heine hätten bestimmt KEINE AfD gewählt!

TOLL!

https://www.youtube.com/watch?v=hbPY47oqboc

In 17:50 Minuten Geschichtsunterricht mit »Opi Gauland« erfahren wir Deutschen doch endlich mal, weshalb wir so richtig stolz ein können auf uns. Denn: »Wir hatten den Stauferkaiser Friedrich II.«; »wir hatten die Goethezeit« ( dass SIE, Herr Gauland, in diesem Zusammenhang Heinrich Heine, Lessing und gar Luther bemühen, das haben diese Herren wahrlich nicht verdient, aber sie können sich nicht dagegen wehren). Was verbindet diese nach Gauland’scher Geschichtstheorie: »Die Dominanz deutscher Kultur und deutscher Sprache in Europa.«

Nun ist gegen diese Tatsache, nüchtern betrachtet, überhaupt nichts einzuwenden, doch, weshalb ist es Gauland – unter dem Gejohle der Anwesenden – wichtig, seine »tour d’horizon de littérature allemande« vor dem Kyffhäusertreffen am 2.9.2017 vorzutragen? »Weil wir eine Integrationsbeauftragte (Staatsministerin Aydan Üzoguz, SPD, Anm. Verf.) haben, die das alles für nichts erachtet, die (…) offensichtlich geistig vor einem Nichts steht!« Taramtamtam! DER hat Gauland es aber gegeben! Na ja, er wollte sie ja schon vor einigen Wochen … »entsorgen« – wie Müll! Da ist das geistige Nirwana der Ministerin, das er glaubt, bei ihr entdeckt zu haben, ja geradezu harmlos dagegen! Und was rufen die begeisterten Herren im Saal? »ABSCHIEBEN, ABSCHIEBEN! Eine deutsche Bundesministerin… ABSCHIEBEN! »ENTSORGEN!« Ein Vorgeschmack auf die Degenerierung der Debattenkultur im nächsten Bundestag?

Und dann, der Skandal! »Auf (den) 550 Seiten (der Wahlprogramme aller Parteien außer dem der AfD) kommt das Wort >Deutsche< nur fünfmal vor!« Das ist die… »Apocalypse Now!« des Jahres 2017! Und zwar nicht als Antikriegsfilm, sondern als »Gegen das Anti-Deutschtum in unserm Lande!« Denn anstelle an die Deutschen wenden sich doch die Vaterlandsverräter von »Union, SPD, GRÜNEN und LINKE an die ‚Menschen‘, die mehr als vierhundert Mal angesprochen werden!« Skandalös! »Nur, liebe Freunde, unser Programm weicht davon ab. Da steht 15x bei uns ‚das deutsche Volk‘, und das ist der Unterschied von AfD und Allparteien.«

Aber es wird im Laufe der »Geschichtsstunde à la Gauland in 17 Minuten« immer besser: »Der Sozialdemokrat in Wehrmachtsuniform Helmut Schmidt gehört zu uns! (…) Wenn eine wild gewordene CDU Verteidigungsministerin Helmut Schmidt (entsorgen will), dann stehen wir auf. Er ist ein patriotischer Deutscher gewesen!« Taramtamtam! Jetzt wissen die Sozialdemokraten endlich mal, wo Helmut Schmidt seine eigentliche Heimat hatte.
Allerdings pflichte ich an dieser Stelle als Historikerin mal dem Kommentator der FAZ, Lorenz Hemicker, bei, der diese Maßnahme der Verteidigungsministerin, Dr. Ursula von der Leynen – die ich ansonsten sehr schätze – folgendermaßen beschrieb: „Aus einer Suche darf keine Hetzjagd werden“, sprich, Hakenkreuze gehören nicht in deutsche Kasernen, aber das Bild des Ex-Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt, von 1940, das ihn als jungen Wehrmachtsoffizier der Luftwaffe zeigt, darf dies meiner Meinung nach sehr wohl!

Den geschichtshistorischen Kick à la Gauland erleben wir aber nur, wenn wir bis 13:10 Minuten der Rede ausgehalten haben. Denn dann kommt er zum Wesentlichen: »Wer Geschichte säubert, der zerstört unsere Identität!« Soweit, so gut! Aber, was gehört nach Gauland NICHT mehr zu unserer deutschen Identität dazu? »Man muss uns diese 12 Jahre (1933-1945, die Zeit des Nationalsozialismus, Anm. Verf.) jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr!« Frenetischer Jubel bei den Anwesenden!
Und: »Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen!« Da ist die Menge in Nordthüringen nicht mehr zu halten! Und Gauland erträgt stoisch so viel Beifall!

Ich will mich nicht aufhalten mit dem Tatbestand einer für mich fast unerträglichen Geschichtsklitterung, denn »fake news« gehören ja bekanntlich zum rhetorischen Stilmittel der AfD, ich will antworten mit Johannes Scherr (1817 – 1886), einem schweizerischen Schriftsteller und Literaturhistoriker, einem Politiker, der als demokratischer Abgeordneter in die württembergische Kammer gewählt wurde und 1849 in die Schweiz fliehen musste und dessen – prophetische anmutenden Worte – heute leider wieder Gültigkeit haben: »Man muss die Vergangenheit kennen, wenigsten einigermaßen ahnen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu kennen. Ohne Kenntnis der Geschichte ist dem Menschen alles, was um ihn vorgeht, schlechterdings unbegreiflich, geradezu ein Rätsel. Daher die stupide Auffassung der Erscheinungen unserer Zeit von Seiten der kenntnislosen und urteilslosen Menge.«

Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Radweg in der Loebstraße zum Zweiten

So könnte der Radweg in der Loebstraße künftig beschildert werden

Der Bericht vom 2.8.2017 im Trierischen Volksfreund von Christiane Wolff »Ein Radweg, der ein Gehweg ist?« hat in der Öffentlichkeit viel Wirbel ausgelöst. Verständlich, war es doch lange Zeit hoch umstritten, ob beim Ausbau der Loebstraße ein gesonderter Radweg angelegt werden soll oder ob, wie Anwohner es vorgeschlagen haben, es bei einem kostengünstigen markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn verbleiben soll.

Nach langen und intensiven Diskussionen hat sich der Stadtrat aus vielerlei Gründen dazu entschieden, Geld in die Hand zu nehmen und einen eigenen sogenannten zwei Richtungs-Radweg zu bauen.

Schon seit 2015 ein Fußgängerweg

Dass dieser dann aber als Gehweg, der auch für Radfahrer zugelassen ist, gekennzeichnet wurde, war indes bislang niemanden aufgefallen. Denn die jetzige Beschilderung besteht offensichtlich schon seit Dezember 2015 wie sich aus einer gemeinsamen Stellungnahme der beiden Beigeordneten Andreas Ludwig und Thomas Schmitt vom 14.8.2017 an die Stadtratsfraktionen ergibt.

(Wenn es interessiert hier das Schreiben im Wortlaut: Schreiben der Beigeordneten an die Fraktionen)

Jetzt ist es aber aufgefallen und publik geworden. 

 

Doch kein »Schild«bürgerstreich?

Zunächst einmal: Die Beschilderung war kein Schildbürgerstreich, sondern gut gemeint. War man sich doch von Anfang an darüber einig – so wurde es auch im Bebauungsplan festgeschrieben -, dass kein benutzungspflichtiger Radweg entstehen sollte. Dies aus verschiedenen Gründen: Zum einen sollte man jederzeit bequem die Querstraßen des Gewerbegebietes erreichen. Auch sollten besonders schnellen Zweiradfahrern die Straßennutzung ermöglicht werden. Da die bekannten blauen Radwegschilder, wären sie auf dem neuen Weg aufgestellt worden, nach dem Gesetz eine Benutzungspflicht begründet hätten, hatte man sich als Lösung einfallen lassen, den Radweg als Fußweg mit Gestattung für Radfahrer zu kennzeichnen.

In der Stresemannstraße ist kein blaues Radfahrerschild aufgestellt, d.h., die Zweiradfahrer müssen diesen Radweg nicht benutzen

Ich persönlich hatte vorgeschlagen, das Schild einfach wegzulassen und den Radweg mit Fahrrad-Piktogrammen zu versehen. Dass es eine bundesweit geltende Empfehlung gibt, dies bei Zweirichtungs-Radwegen nicht anzuwenden, war mir nicht bekannt.

Lösung gefunden?

Zunächst hat man als Alternative angeboten ein Sperrschild anzubringen und es mit dem Zusatz zu versehen »Radfahrer frei«. Das erschien mir  eine praktikable Lösung zu sein, ermöglicht sie es doch, dass die wenigen Fußgänger, die den Radweg nützen müssen, um zu den Parkplätzen zu gelangen, darauf gehen dürfen. Andererseits zwingen sie den Radfahrer aber nicht dazu, besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen und  gegebenenfalls in Schrittgeschwindigkeit fahren zu müssen, weil es sich um einen Fußweg handelt, auf dem Radfahrer nur geduldet sind. Davon hat man dann jedoch wieder Abstand gewonnen. Das wurde in der Sitzung des Dezernatsausschusses IV vom 30.8.2017 so bekannt gegebenen. Die Gefahr, das zu zu Missverständnissen käme, sei zu groß. Autofahrer könnten meinen, die gsamte Loebstraße sei gemeint, so hieß es. Für mich wenig nachvollziehbar.

Bleibt jedenfalls zu hoffen, dass der neue Radweg dann auch entsprechend

Selbst auf dem Gerhweg wird (verbotenerweise) derzeit noch gefahren.

angenommen werden wird. Denn bisher lässt die Nutzung, wie ich mehrfach beobachten konnte, noch etwas zu wünschen übrig.

Dies liegt meiner Auffassung nach insbesondere auch daran, dass der Radfahrer vom Verteilerkreis kommend in Richtung Ruwer fahrend den Radweg gar nicht wahrnimmt oder Probleme hat, über die Straße nach links auf den Weg zu wechseln. Deshalb ist es meines Erachtens unbedingt erforderlich, entsprechende, markierte Furten zu schaffen, die ein gefahrloses Überqueren der Fahrbahn ermöglicht. Ich hoffe, dass auch diesbezüglich praktikable Lösungen gefunden werden können.

 

 

Veröffentlicht unter Stadtrat, Trier, Verkehr | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Abenteuer Abfallentsorgung

Gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an?

Die Abfallentsorgung in der Region Trier ist in letzter Zeit in das Gerede gekommen. Das hat mehrere Gründe:

Zum einen hat der regionale Zweckverband Abfallbeseitigung im Raume Trier, der sich bisher um alles kümmerte, was irgendwie in unserer Gegend mit Abfallentsorgung zu tun hat, das lukrative Geschäftsfeld verloren, die Wertstoffsäcke ein-zusammeln. Dies übernimmt künftig die Firma »Remondis«.

Zum anderen ist eine heftige Diskussion darüber entflammt, ob die Leistungen der nunmehr für vier Landkreise zuständigen A.R.T. im bisherigen Umfang aufrechterhalten werden können. Zur Diskussion steht der Abhol-Service für Gartenabfälle und  Elektronikschrott, ich berichtete bereits darüber.

Und außerdem ist da noch die Kontroverse über die sogenannte Biotonne. Ist sie sinnvoll oder überflüssig?

Dr. Monzel erläutert die grundsätzlichen Probleme der Abfallentsorgung

Kein Wunder also, dass viele Interessierte der Einladung des CDU-Bundestags-kandidaten Andreas Steier und der Vorsitzenden der CDU-Ortsverbände Trier-Süd, Jo Dietzen, und Heiligkreuz, Jörg Kämper, in das Hotel »Deutscher Hof« gefolgt sind, um den »Abfall-Papst« der Region, Dr. Max Monzel, zu diesen brisanten Themen befragen und über die Abfallentsorgungsproblematik diskutieren zu können.

In seiner bekannten lockeren und sehr anschaulichen Art und Weise erläuterte Dr. Monzel die komplexe Sachlage:

Keine Zwangs-Biotonne

Man habe in Verhandlungen mit dem Land erreichen können, dass es in der Region Trier keine Zwangs-Biotonne gäbe. Der Kompromiss: Die Bürgerinnen und Bürger erhalten kostenlose kompostierbare Tüten, die für den Transport der Speise- und Küchenabfälle geeignet sind. Diese sollen sie dann an den 84 Grüngut-Sammelstellen abgeben werden. Soweit jedenfalls die Theorie. Es wird abzuwarten sein, ob in der Paxis tatsächlich viele von dieser umständlichen Art und Weise beispielsweise seine Speisereste zu entsorgen, auch tatsächlich Gebrauch machen werden. Man mag schon jetzt nicht so recht daran glauben. Monzel warb jedenfalls vehement dafür, doch das ein oder andere Mal biologische Abfälle auf diese Art und Weise zu entsorgen, um den Erhalt des politisch erreichten Kompromiss nicht zu gefährden.

»Gelber Sack« – jetzt von Privaten entsorgt

Recht gelassen bewertete Monzel den Umstand, dass die Abfuhr des Wertstoffs künftig von einem Konkurrenz-Unternehmen durchgeführt werde. Damit verliere A.R.T. zwar bares Geld, da die über Jahre aufgebaute Logistik nicht mehr verwendet werden könne, dies sei aber nun mal eben Marktwirtschaft. Denn dieser Bereich sei kein hoheitliches Handeln, wie die Abfallentsorgung im Übrigen, sondern unterliege dem freien Wettbewerb. An die neuen Fahrzeuge, die dann künftig die gelben Säcke entsorgen würden, würde sich der Bürger schon gewöhnen, meinte der A.R.T.-Chef mit einem Augenzwinkern.

Grünabfall-Abholung wird (wohl) bleiben,
aber nicht in bisherigem Umfang

Wie zu erwarten entspann sich eine heftige Diskussion über die Frage, ob die Grünschnitt- und Elektroschrott-Abholung in der Region Trier aufrechterhalten werden kann. Monzel rechnete vor: 955.000, fast 1 Million Euro, kostet die Grünschnittentsorgung in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg die A.R.T. jährlich. Das bedeutet, dass jede Anmeldung zur Abfuhr den Verband etwa 10 Euro kostet. »Und das sollen auch diejenigen bezahlen, die überhaupt keine Grünabfälle verursachen? Ist das zumutbar?«, fragte der Abfall-Experte etwas ketzerisch.

CDU-Bundestagkandidat Andreas Steier

Jetzt griff CDU-Bundestagskandidat Andreas Steier in die Diskussion ein. Er wies darauf hin, dass man nicht allein auf den Kostenfaktor sehen könne, sondern insbesondere auch berücksichtigen müsse, dass viele gar nicht in der Lage sein, den Grünabfall selbst zur Sammelstelle zu transportieren, etwa diejenigen, die über kein Auto verfügten. Weiterhin wies er auf die Gefahr hin, dass sehr viel mehr Grünabfälle mit den entsprechenden negativen Folgen für die Umwelt illegal entsorgt werden könnten, würde der Abfuhr-Service gestrichen werden. Ein Argument, das auch viele der anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer teilten.

Diese Gefahr sah Monzel natürlich auch, wies aber auch auf die Notwendigkeit hin, dass der Zweckverband wirtschaftlich geführt werden müsse. »Ich glaube, dass die Grünschnitt-Sammlung nicht eingestellt werden wird», meinte er, »wenn auch letztendlich die Verbandsversammlung über diese Frage zu entscheiden hat!«. Ob es aber bei den bisherigen 26 Abfuhrterminen bleiben werde, das sei nicht sicher. Auch müsse man sicherlich darüber nachdenken, ob nicht eventuell eine Zusatzgebühr oder Ähnliches für die besondere Dienstleistung verlangt werde. Eine Variante, die andernorts praktiziert wird, nämlich Sammel-Container aufzustellen, lehnte er indes kategorisch ab.

Der auch in der Kommunalpolitik tätige Ingenieur Andreas Steier ergänzte, dass man sich im Landkreis Trier, Saarburg einig sei und schon entsprechende Beschlüsse gefasst habe, dass die Grünabfall-Einsammlung grundsätzlich auf jeden Fall bleiben müsse.

Zum Schluss der Veranstaltung entwickelte sich eine kurze, aber umso interessantere Aussprache zu grundsätzlichen Problemen der Abfallbeseitigung.

»Ist das bei uns nunmehr seit vielen Jahren praktizierte Prinzip der Abfalltrennung heute überhaupt noch sinnvoll?«, über diese Frage entspann sich eine interessante Grundsatzdiskussion.

Versteht man in Syrien mehr von Abfallentsorgung?

Ein anschauliches Beispiel, vorgetragen von Bernd Kettern, erläutert sehr gut die Problemlage. Ist dieser doch beruflich mit der Integration von Flüchtlingen befasst und lehrt ihnen mithin als erstes die ur-deutsche Tugend der fachgerechten, peniblen Mülltrennung, die andernorts völlig unbekannt ist: »Wer den Müll fein säuberlich auseinander friemeln und dann richtig in die farblich passenden Behältnisse verfüllen kann, der hat den ersten großen Schritt zur Integration getan«, könnte es heißen. Doch bei einem Flüchtling, einem syrischen Ingenieur, der Fachmann auf dem Gebiet und in den USA studiert hatte, stieß er auf vehementen Widerspruch, als er diesem das deutsche Müllentsorgung-System erläuterte.

Dr. Max Monzel links, rechts Andreas Steier

Der syrische Ingenieur trug kundig im Detail vor, dass sich die Trennung vorab überhaupt nicht rechnen würde und viel kostengünstiger und sicherer zu gestalten sei, wenn sie nach dem Einsammeln des Abfalls vorgenommen würde. Dies hätten alle wissenschaftlichen Untersuchungen ergeben.

Dr. Monzel, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema intensiv auseinandersetzt, konnte dies nur bestätigen und erläuterte, dass man schon entsprechende Versuche in Trier schon sehr erfolgreich durchgeführt habe. Nur die Politik wolle dies eben nicht, meinte er resignierend, weshalb man am derzeitigen dualen System nicht rütteln könne.

Meinung

Die Abfallentsorgung in Deutschland ist leider von zu viel Ideologie geprägt. Mit Logik hat das, was er derzeit praktiziert wird, überhaupt nichts zu tun. Nehmen wir das Beispiel Bio-Tonne: Da fühlen sich manche als besonders umweltbewusste Verbraucher, wenn sie beispielsweise ihre Nahrungs-Reste gesondert in einer speziellen Tonne entsorgen. Dabei vergessen sie, dass es wenig umweltfreundlich ist, Bio-Abfall zusätzlich mit Nitrat zu belasten, nämlich dem Salz in unserer Nahrung. Das Nitrat kann dem Abfall zwar später theoretisch wieder entzogen werden, aber bei diesem Aufwand macht das vorherige Trennen überhaupt keinen Sinn.

War bei der Einführung des dualen Systems es durchaus noch sinnvoll, Verpackung und Restmüll vor der Entsorgung zu separieren, entspricht dies heute nicht mehr dem Stand der Technik, die auf diesem Gebiet rasante Fortschritte gemacht hat. Jeder, der will, kann in Mertesdorf das dortige (bundesweit bekannte) Entsorgungs- und Verwertungszentrum selbst in Augenschein nehmen, wo exakt, sauber und schnell der Müll in die verschiedenen Bestandteile zerlegt und zur Weiterverarbeitung bzw. dem Recycling  bereit gestelt wird.

Es wäre deshalb viel sinnvoller, Kosten einzusparen, indem man auf die Mülltrennung vor Abfuhr verzichtet und diese im Nachhinein automatisch und zuverlässig durchführt.

Kosten einzusparen, indem die derzeit sicher sehr komfortablen Leistungen der regionalen Abfallentsorgung einschränkt, ist die falsche Lösung, die mit fatalen Folgen verbunden wäre. Ist doch die Versuchung beim ach so bequemen Menschen viel zu groß, sich des lästigen Mülls auf andere, illegale und umweltschädliche, Art und Weise zu entsorgen.

Aber weil viele der politisch Verantwortlichen die wissenschaftlichen Fakten einfach ignorieren, ist ein Umdenken in der Abfallentsorgungspolitik derzeit politisch nicht durchsetzbar. Schade, aber vielleicht gibt es nach der Bundestagswahl noch eine Chance, sich mit dem Thema mit aller Sachlichkeit und in Ruhe zu beschäftigen.

Veröffentlicht unter Kommunalpolitik, Stadtrat | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Bald keine Grünabfuhr mehr in Trier?

Fast hätte ich es auch überlesen, wenn ich nicht von einer besorgten Trierer Bürgerin darauf aufmerksam gemacht worden wäre. Drohen uns bald wesentliche Einschränkungen bei der Abfallbeseitigung? Fast könnte man den Eindruck gewinnen, liest man ein Artikel im Trierischen Volksfreund vom 22.6.2017. Rolf Seydewitz schreibt zu möglichen Veränderungen ab dem Jahre 2020: «Die größten Veränderungen dürften voraussichtlich auf die Verbraucher in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg zukommen: So sollen nach den bislang vorliegenden Plänen beispielsweise Grünschnitt und Elektroschrott nicht mehr bei den Bürgern abgeholt werden.»

Mit anderen Worten: Bald könnten die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt gezwungen sein, selbst ihren Elektroschrott und Grünabfall wegzufahren und an den Sammelstellen abzugeben. Keine bequeme Abholung vor der Haustür mehr! Was in Bezug auf den Elektroschrott möglicherweise noch als vorstellbar erscheint, ist bezüglich Grünabfall meines Erachtens völlig undenkbar!

Nehmen wir als Beispiel die Gartenstadt Mariahof, wo besonders viel Grünabfall anfällt. Würde man von den Betroffenen verlangen, diesen selbst zu den Sammelstellen zu bringen (In Trier gibt es zwei: Eine in der Metternichstraße und die andere in Tarforst) würde viele diese Wege scheuen. Es ist unbequem, aber auch gar nicht so einfach eine größere Menge Planzenteile zu transportieren. Die Folgen wären ebenso vorhersehbar wie katastrophal für die Umwelt: Die illegale Entsorgung, die jetzt schon ein Problem darstellt, würde mit Sicherheit zunehmen. Ist doch nicht so schlimm, denken sie? Grün zu Grün, das passt schon, meinen Sie?  Weit gefehlt! Die vielen Nährstoffe in den wilden Komposthaufen sind nicht gut für die Böden. In der Folge wachsen Pflanzen, die dort nicht hingehören. Die fatalen Folgen kann man jetzt schon in einigen Bereichen am Mariahofer Rundweg beobachten.

Das darf alles nicht sein, denke ich! Deshalb habe ich natürlich gleich Kontakt zu dem Abfallexperten unserer Fraktion, Karl Biegel, aufgenommen.

Der konnte mich teilweise beruhigen: «Nein, entschieden sei noch nichts», versicherte er mir. Die Informationen beruhten auf einer Untersuchung eines Büros, die die Änderungen vorgeschlagen hätten, um die Kosten zu senken. Man müsse jetzt im zuständigen Gremium darüber beraten.

Gleichwohl, wehret den Anfängen, meine ich! An den guten Standards unserer heimischen Abfallentsorgung darf sich nicht zum Negativen wenden. Es wäre ja auch wirklich ein Treppenwitz, wenn man mit dem Argument, anderswo in der Region gäbe es keine Abholung des Grünschnitts, diesen künftig überall nicht mehr abholt, um gleiche Bedingungen zu erzielen! Eine Absenkung aller auf ein gleiches, niedriges Niveau? Man hatte uns bei Bildung des neuen, großen Zweckverbandes «Abfallbeseitigung» versprochen, dass es zu keinen Leistungseinschränkungen kommen wird. An dieses Versprechen werden sich die Beteiligten halten müssen. Ich werde deshalb die weitere Entwicklung genau beobachten. Eine solche, drastische Einschränkung der Leistung bei der Abfallbeseitigung wie angedacht darf es nicht geben!

Veröffentlicht unter Kommunalpolitik, Stadtrat | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Der Radweg, der kein Radweg ist

Ein neuer Radweg, der viel öffentliches Geld verschlungen hat, und niemand fährt darauf? Ein Radweg, der unerwartet zum Fußgängerweg mutierte? Ein neuer Trierer Schildbürgerstreich?
Doch der Reihe nach:
Viele, viele Jahre wurde über den Ausbau der Loebstraße gestritten. Ein wesentlicher Streitpunkt: Soll ein gesonderter Radweg gebaut werden oder genügt es auf der Fahrbahn ein Radweg abzumarkieren, wie es Anwohner oder auch der Adfc Trier gefordert hatten?
Die Verwaltung hat sich letztlich durchgesetzt, insbesondere mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, ein durchgehendes Radwegenetz zu schaffen, das einen gesonderten Radweg erfordert. Besonders abgestellt wurde in der Argumentation auch auf die besondere touristische Bedeutung dieses Radweges. Mir liegen diese Statements Allesamt vor: „Der Verteilerkreis ist sinnvollerweise nur mit einem Zweirichtungsradweg ins Radwegenetz einzubinden“, so heißt es wörtlich in einer Stellungnahme der Verwaltung. Richtig! Und jetzt?
Ist der jahrelange vehemente Einsatz der Stadt Trier für diesen Radweg plötzlich Null und Nichtig?
Immerhin muss man den Verantwortlichen, die dafür Sorge getragen haben, dass aus dem geplanten Radweg ein Fußgängerweg mit Fahrradgestattung wurde, zugestehen, dass von Anfang an beabsichtigt war, diesen neuen Radweg nicht benutzungspflichtig zu machen, wie es wörtlich in einer Stellungnahme der Verwaltung vom 27.11.2011 zur Vorlage 543/2010 festgelegt ist. Und dies hat auch einen guten, sehr nachvollziehbaren Grund: Radfahrern mit dem Ziel Gewerbegebiet sollte ermöglicht werden, in die Seitenstraßen hinein zu fahren!
Doch muss man deshalb den neuen, teuren Radweg zu einem Fußweg degradieren mit der Folge dass Radfahrer dort nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen?
Natürlich nicht! Da hat die Verwaltung wohl wieder einmal das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet. Meines Erachtens muss das derzeitige Schild „Fußgängerweg“ schnellstmöglich verschwinden und zwar ersatzlos! Stattdessen sollte dort überhaupt kein Verkehrsschild montiert werden, insbesondere natürlich nicht das berühmte Zeichen Nr. 237, das den Weg zu einem benutzungspflichtigen Radweg machen würde. Stattdessen sollte auf diesem Weg weiße Fahrradzeichen aufgemalt werden, die jedem deutlich signalisieren, dass hier freie Fahrt für Zweiradfahrer herrscht, die aber (rechtlich) keinen Benutzungszwang anordnen würden.
Und ein weiteres muss sich schnellstmöglich ändern: Die Zu-und Abfahrt zum neuen Radweg ist äußerst gefährlich. Hier muss (beispielsweise in roter Farbe) eine Furt abmarkiert werden, die den Zweiradfahreren gefahrlose Zu-
und Abfahrt ermöglicht.
In Rat und Verwaltung sind wir uns ja (fast) alle einig, und so ist es ja auch im Mobilitätskonzept festgeschrieben, dass wir den Radverkehr in Trier fördern und steigern wollen. Dieses selbst gesteckte Ziel sollte aber auch ernst genommen werden! Manchmal kann man sich nicht ganz des Eindrucks verwehren, als fehle manchem da die entsprechende Einsicht.

Veröffentlicht unter Kommunalpolitik, Stadtrat, Verkehr | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar