Quo Vadis Kaufhof?

Täglich neue Nachrichten über steigende Verluste beim Kaufhof-Konzern. Unterdessen sitzen die Verantwortlichen weiter am Verhandlungstisch und beraten über eine Fusion.
»Jede einzelne Kaufhoffiliale wird durchleuchtet«, so lese ich in der Süddeutschen Zeitung. Die Wirtschaftswoche setzt noch einen drauf und fragt, vielleicht etwas ketzerisch »Brauchen wir überhaupt noch Warenhäuser«? Was wird diese Entwicklung für Trier bedeuten, frage ich mich sorgenvoll?
In Trier gibt es bekanntlich zwei Filialen und eine Karstadt-Warenhaus. Während die Kaufhoffiliale in der Simeonstraße in gemieteten Räume residiert (Eigentümer ist die hamburgische Investmentgesellschaft DC Values) befindet sich die Filiale in der Fleischstraße im Eigentum (vormals Horten).
Wie immer eine Fusion aussehen wird, eines scheint mir sicher: Man wird kaum davon ausgehen können, dass alle drei Filialen erhalten bleiben. Doch welche wird geschlossen, welche bleiben erhalten! Ich erinnere mich daran, dass im Jahre 2013 neben dem Standort Europahalle (der inzwischen gestorben ist) als zweiter Standort für ein Einkaufscenter, dass die Firma ECE unbedingt in Trier errichten wollte) die Fläche von Kaufhof und Karstadt von der Simeonstraße bis zur Trevirispassage ins Gespräch gebracht wurde. Wir diese Diskussion dann wieder eröffnet? Spannende Fragen, die sich für den Wirtschaftsstandort in den kommenden Monaten stellen werden. Existentiell für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Einzelhandels insgesamt in einer Stadt, in der der Einzelhandel eine besonders zentrale Rolle spielt.

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Das Bus-Parkplatz-Missverständnis

Schon wieder! Wirklich ärgerlich: Ich radele auf der Mustorstraße in Richtung Weberbach auf der gemeinsamen Bus- und Radfahrerspur. Da parkt doch schon wieder mitten auf dem Fahrstreifen in aller Seelenruhe ein Bus und zwingt mich zum Ausweichen auf die Straße.

Immer wieder waren nicht nur mir an dieser Stelle illegal parkende Busse aufgefallen. Ich hatte auch schon dem Ordnungsamt einige Anzeigen zugeleitet. Nicht, weil ich notorischer Anzeigeerstatter wäre, aber in besonders ärgerlichen und gefährlichen Fällen, entschließe ich mich schon einmal zu einem solchen Schritt. Das will ich auch jetzt tun. Doch diesmal kommt alles anders: Denn der Busfahrer ist vor Ort. »Warum ich den Bus fotografiere«, will er wissen. »Weil er hier verbotswidrig parke«, erwidere ich. »Das stimme doch nicht«, empört sich der Fahrer aufgeregt, »er stehe schließlich auf einem ausgewiesenen Busparkplatz!«, irrt er sich.

Ich zeige ihm die Piktogramme, die eindeutig die Fahrspur als gemischte Bus- und Radspur ausweisen. Doch das will er nicht gelten lassen und wird zunehmend ungehalten. »OK,«, unterbreche ich den Disput, »dann rufe ich jetzt einfach das Ordnungsamt an und wir klären das«, schlage ich vor. Der Mann wird plötzlich wesentlich zugänglicher: »Das brauchen wir nicht, ich fahre den Bus ohnehin gleich weg«, erwidert er jetzt schon wesentlich freundlicher. Also erkläre ich ihm meinen Unmut. »Für mich als Radfahrer ist es nicht ungefährlich, nach links auf die Fahrbahn zu fahren, wenn die Spur blockiert ist!«, erläutere ich. »Und außerdem: Was meinen Sie, wie toll das Ihre Kollegen von den Linienbussen finden, wenn sie plötzlich nicht mehr weiterfahren können?«, füge ich hinzu. Der Angestellte eines westfälischen Reiseunternehmens hat offensichtlich eingesehen, einen Fehler gemacht zu haben und fordert mich plötzlich auf: »Kommen Sie doch mal mit, ich zeige Ihnen etwas!«. Er deutet nach hinten.

Die Erklärung

Wir gehen um die Ecke in die Ostallee. Dort zeigt er mir ein gelbes Schild mit einem schwarzen Pfeil, das auf einen Busparkplatz hinweist. »Ja natürlich!«, erläutere ich ihm, »Es gibt einen Busparkplatz, aber viel weiter hinten in der Weberbach, nicht gleich um die Ecke! Dort gibt es sogar einen sehr großen Parkplatz!« Er hat verstanden. Wir wünschen uns wechselseitig noch einen schönen Tag. Ich habe endlich begriffen, warum an dieser Stelle vor dem
»SCHMIT-Z« immer wieder verbotswidrig Reisebusse abgestellt werden und nehme wir fest vor, gleich nach der Sommerpause die Verwaltung um Abhilfe zu bitten. Das muss doch schnell erledigt werden können: Unter dem Hinweisschild eine Ergänzung, die die Entfernung des nächsten Busparkplatze ausweist (»in 500m«), unmittelbar vor dem »SCHMIT-Z« noch ein zusätzlicher Hinweis »KEIN PARKPLATZ« und das Problem müsste eigentlich gelöst, ein Gefahrenpunkt beseitigt sein.
Natürlich kann man argumentieren, dass die Beschilderung eigentlich jetzt schon sehr eindeutig ist. Aber weil es so bewuem ist, wird sie eben leider gerne übersehen, wie die vielen Beispiele zeigen.

Wegen des verwirrenden Schildes meinen die Busfahrer, der Busparkplatz befände sich unmittelbar hinter der Kreuzung!

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Die Hutmacherin

Auch alte Hüte dabei?

»Der Hutmacher« ist in meiner Erinnerung mit dem Märchen »Alice im Wunderland« verbunden, die Hutmacherin wird mir seid heute mit dem Trierer Handwerkermarkt verbunden sein:
Wenn sich jemand fragt, was das seltsame Bild mit den vielen schwarzen Balken zu bedeuten hat?
Ich will es gerne erklären. Jeder der meine Jutta kennt, weiß, dass sie ein besonderes Faible für Hüte hat. Und deshalb zog es sie geradezu magisch zum Verkaufsstand der Hutmacherin auf dem Trierer Handwerkermarkt, um auszuprobieren, wie sich einige der ausgestellten Kopfbedeckungen gestalterisch machen. Als guter Ehemann wollte ich das Ergebnis gleich fotografisch festhalten, bis eben jene Hautmacherin dazwischenging. Meine Frau dürfe ich ja gerne ablichten, aber nicht den Hut, fuhr sie mich unwirsch an. Mein Einwand, dass sie das Werk ihrer Arbeit schließlich hier öffentlich präsentiere, lies sie nicht gelten. Sie wolle nicht, dass jemand das Design der von ihr kreierten Hüte kopiere, war das Argument für das seltsame Fotografierverbot. In einem späteren Gespräch mit meiner Frau drohte sie gar mit einer Strafanzeige, sollte ein Foto tatsächlich veröffentlicht werden. Denn sie hätte genau gesehen, dass ich gleichwohl meinen Fotoapparat gezückt hätte. Doch es sollte noch doller kommen: Sie verlangte dann sogar noch von meiner Frau, sie solle ihr ihr IPhone vorzeigen, damit sie kontrollieren könne, ob tatsächlich alle Photos der Hüte gelöscht seien, was diese selbstverständlich ablehnte.
Nicht, dass ich eine Entfernung aus dem Dienst wegen des Vergehens des »unerlaubten Fotografieren von Hüten« fürchten würde. Ich habe der guten Frau, wenn es denn ihr Wille ist, den Gefallen getan und alle Hüte geschwärzt. Gekauft haben aber weder meine Frau noch ich einen Kopfschmuck. Schließlich schien die Hutmacherin daran auch gar kein Interesse zu haben.

Nur noch ein ergänzender Hinweis im Hinblick auf die Sorge der Hutmacherin vorm Abkupfern: Im Internet finden sich jede Menge Abbildungen der von der Modisten kreierten Kopfbedeckungen, aich auf einschlägigen Verkaufsseiten, wenn man deren Namen, den ich hier aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentliche, ganz einfach auf der Google Bildersuche eingibt.

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Old Marx in der Parabel

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz aus George Orwells berühmtem Roman »Animal Farm« (»Farm der Tiere«):

»Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher «

Treffender lässt sich meines Erachtens das Wesen und die Auswirkungen des Kommunismus, so wie er sich in der Realität offenbart hat, nicht beschreiben.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Zeichentrickfilm, der diesen Roman zum Inhalt hat, gesehen habe. War er doch festes Programm in der Bildungsarbeit meiner Pfadfindertätigkeit, die ich in meiner Jugend ausgeübt habe.

Der 1945 erschienene Roman des berühmten englischen Schriftstellers und Journalisten beginnt bekannterweise mit dem Auftritt des angesehenen alten Keilers in der sogenannten »Herren-Farm«, einem englischen Bauernhof, in der die Tiere von dem Bauern Jones brutal unterdrückt werden.

»Old Major«, der Visionär

Während der Unterdrücker völlig betrunken im Bett liegt, versammeln sich die Tiere um den Eber »Old Major«, der seinen eigenen Tod kommen sieht. Er hat ein Vermächtnis für die Versammelten:
Die Menschen sind Feinde, die die Tiere ausbeuten. Sie haben viele Laster, unter anderen den Alkohol. Im Traum hat er gesehen, wie die Tiere das Joch der Unterdrückung abschütteln und nach einer Rebellion eine »blühende Landschaft« gestalten, in der alle glücklich und zufrieden zusammenleben. Kurz gesagt, er ruft sie zur Revolution auf. Ein Lied (»Tiere Englands«) soll alle zusammenschmieden und auf den Tag der Revolution vorbereiten. Der Visionär weiß nur nicht, wann dieser Tag kommen wird

Old Major stirbt. Einige Zeit später kommt es tatsächlich zu der prophezeiten Rebellion. Drei besonders intelligente Schweine entwickeln aus den Ideen des alten Ebers eine Art Gesellschaftstheorie für Tiere, die sie »Animalismus« nennen, und die Grundlage für die Neuorganisation des Bauernhofes wird.

Die Diktatur

Was dann aus der Farm der Tiere wird, wissen wir: (Wer dies noch einmal in Kurzform nachlesen will, kann dies hier tun) Es entsteht eine viel brutalere Diktatur wie zuvor unter einer »herrschenden Klasse« der Schweine, die sich am Ende mit den verhassten Menschen sogar verbünden.

Der Roman ist bekanntlich eine drastische Parabel, die die Entwicklung der Sowjetunion von der Befreiung vom Zaren, und die Entwicklung über den Sozialismus und Kommunismus bis zu dessen Pervertierung in den Stalinismus beschreibt.

Und der alte weiße Eber »Old Major« soll neben Lenin vor allem Karl Marx repräsentieren. Dieser führt den anderen Tieren ihre schreckliche Situation vor Augen und sagt voraus, dass es irgendwann zur Revolution kommen wird. Seine Visionen bilden die Grundlage der Ideologie, die nachher zu der brutalen Unterdrückung führt.

200 Jahre nach der Geburt des realen »Old Marx« stehen wir heute vor der Frage, wie wir dessen Wirken zu beurteilen haben. Ich glaube, wenn wir uns Inhalt dieses genialen Romans noch einmal vor Augen führen, fällt uns das Nachdenken vielleicht etwas leichter, weil Orwell es geschafft hat, komplexe Geschehnisse in seiner Bildsprache sehr erlebbar darzustellen.

Konnte »Old M.« wissen oder nur ahnen, was sich aus seiner Situationsbeschreibung und seiner Vision alles entwickeln wird? War seine Beschreibung der damaligen Zustände nicht zutreffend? Hätte es die Rebellion auch ohne die ideologische Grundlage gegeben?

Alles Fragen, über deren Antworten man nur spekulieren kann. Aber eines wird jedenfalls für mich aus Orwell’s Roman deutlich: Man sollte sich vor Pauschalierungen hüten. Auch der Kommunismus-Kritiker Orwell hatte erkannt, dass sich nicht der Theoretiker, sondern diejenigen, die seine Thesen aus eigennützigen Motiven in ihr Gegenteil verkehrten, schuldig gemacht haben.

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Nie wieder

Bereits im 2. Weltkrieg gehörte „im Rahmen des rassenideologisch motivierten Eroberungs- und Vernichtungskrieges die Demütigung der Bevölkerung – zu der vor allem die sexuelle Gewalt gegen die Frauen des Gegners gehörten – zum festen Bestandteil der Kriegführung.“ (Birthe Kundrus: Nur die halbe Geschichte. Frauen im Umfeld der Wehrmacht. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht: Mythos und Realität. München 1999, S. 734).

Nicht anders war es 1992, im Jugoslawien-Krieg in Bosnien-Herzegowina. Ich war zu der Zeit schwanger mit meinem 2. Kind und fand die Berichte über vergewaltigte Bosnierinnen, die bewusst von serbischen und bosnisch-serbischen Sodaten geschwängert wurden ( sie sollten serbische Babys bekommen) ganz entsetzlich und beteiligte mich an einer Demo vor dem Rathaus. Mit diesen Vergewaltigungen demonstrierten die Soldaten ebenfalls ihre Macht gegenüber den Männern dieser Frauen, die nichts dagegen unternehmen konnten. Dieses grausame Muster wiederholt sich immer wieder, in jedem Krieg, in jeder kriegerischen Auseinandersetzung.

So auch zurzeit in Afrin, wenn man sich die Bilder und Videos von einer halb entkleideten Soldatin ansieht, die zurzeit auf facebook hochgeladen werden. Ich habe keinen Grund, an der Echtheit zu zweifeln. Ich finde die Bilder auf der Seite einer Syrerin aus Afrin, mit der ich auf facebook befreundet bin, ich finde die Kommentare meiner syrischen Freunde, die hier in Trier leben, das Video wird mir zugesandt von meinen türkischstämmigen, Erdogan-kritischen Freunden hier in Trier. Es ist entsetzlich, was darauf abgebildet ist. Normalerweise teile ich solche grausamen Bilder aus Respekt vor den abgebildeten Toten nicht. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Denn es schockiert mich zutiefst, wie wir wieder einmal ohne Protest zusehen, wie Zivilisten in einem Angriffskrieg – und nichts anderes ist das, was dem 20. Januar 2018 in Afrin seitens der türkischen Armee passiert ist – getötet werden. Wie Soldatinnen und Soldaten der YPD – die in Deutschland nicht als terroristische Vereinigung eingestuft ist, sonst hätten wir sie ja nicht im Kampf gegen den IS unterstützt – , als Terroristen beschimpft, Opfer der türkischen Armee werden.

Ich kann nicht helfen, aber ich muss nicht tatenlos zusehen. Ich kann meinen Protest kundtun. Und das tue ich heute Abend. In der vagen Hoffnung, dass der politische Druck auf die Türkei endlich einsetzt. Bevor die Enklave Afrin vollständig in türkischer Hand ist und ein Völkermord an den dort lebenden Kurden erfolgreich durchgeführt wurde. Und wir wieder sagen: „Nie wieder!“

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Ehrenamtsempfang der Evangelischen Kirche

»Ich suche nach so vielen Dingen, die Glück, Erfolg und Ehre bringen. Doch worin liegt der Sinn?«

(Text und Melodie: Gottfried Heinzmann, Hans-Joachim Eißler)

Dies sind Zeilen eines Lieds, das wir heute Abend beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirchengemeinde Trier im Dietrich Bonhoeffer-Haus gemeinsam gesungen haben. Es greift die diesjährige Jahreslosung auf: »Wer Durst hat, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm von der Quelle, aus der das Wasser des Lebens fließt.« (Offenbarung 21,6)

150 Eingeladene – von 300 – waren der Einladung gefolgt, hauptsächlich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde Tätige. Ich war als Mitglied des Caspar Olevian- Chors dort und erlebte mit meinen Tischnachbarn und -nachbarinnen einen abwechslungsreichen Abend.

– Pfarrerin Zens, welche die einleitenden Worte sprach, erläuterte die Jahreslosung mit einem persönlichen Erlebnis: Auf dem Jakobusweg litt sie großen Durst und bediente sich hoffnungsfroh am Wasser einer Zisterne, froh, »das Wasser des Lebens« gefunden zu haben. Aber dieses war ungenießbar. Wie oft, so Pfr.in Zenz, werden uns Dinge als »Wasser des Lebens« angeboten (Erfolg, Schönheit, Reichtum), und entpuppen sich ebenfalls als schädlich für unser Leben. Nachdenklich stimmende Worte.

– Es blieb aber nicht nur bei der Nachdenklichkeit. Pfarrer Thomas Luxa zählte geschickt in alphabetischer Reihenfolge – von A – Z alle Initiativen auf, die sich in der Evangelischen Kirchengemeinde ehrenamtlich betätigen. Da wurde dann auch dem CVJM der YAMC – »da es ja ansonsten nicht in der alphabetischen Reihenfolge gepasst hätte.«

– Genial das musikalische Quiz unseres Kantors, Chorleiters und Kirchenmusikdirektors Martin Bambauer: In Filmmelodien, die er am Klavier intonierte, »versteckte« er bekannte Kirchenlieder, die dann von uns zu erraten waren. Tolle Idee!

-Und natürlich kam das leibliche Wohl nicht zu kurz. Es hat vorzüglich geschmeckt. Ein schöner Dank an diejenigen, die das Jahr über viel Zeit für das Ehrenamt zur Verfügung stellen

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Ein Wunder in Westafrika wahr werden lassen!

»Wunder gibt es immer wieder«

5.000,- Euro für »Colettes Vision«: Das Ausbildungszentrum »Mille clés« in Tanguiéta/Benin

»Fluchtursachen bekämpfen« wird häufig als Lösung der Probleme vieler Menschen aus afrikanischen Ländern genannt.
Da es größtenteils kriegerische Auseinandersetzungen sind oder Regime, welche die Freiheitsrechte ihrer Bürger/innen unterdrücken (Eritrea, Somalia, Nigeria, Mali, Gambia), ist dies jedoch für die deutsche Entwicklungshilfe nicht so einfach zu realisieren.

In Tanguiéta in Benin, dem Nachbarland von Nigeria, sind die Voraussetzungen für Hilfen von außerhalb günstiger: Hier herrschen demokratische Verhältnisse – selbstverständlich nach afrikanischem Muster. Aber nach Niger, Burkina Faso, Sierra Leone und Guinea hat Benin die höchste Analphabetenrate in Afrika, unvorstellbare 63%. Bildung ist somit ein ganz wichtiger Faktor, mit dem man die Not der Menschen in diesem armen Land langfristig beheben kann. Jedes Jahr reisen junge Menschen aus Deutschland nach Benin, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr, auch in Schulen, zu absolvieren. Eine dieser jungen Frauen war unsere Tochter Sarah.

Wer erinnert sich noch an die Berichte von ihr aus Benin, die zwischen September 2015 und September 2016 in regelmäßigen Abständen hier veröffentlicht wurden? (Sie können alle aufgerufen werden, wenn die Kategorie »Afrika« angewählt wird.)

Nach ihrem Bachelorstudium der Psychologie in Chemnitz hat Sarah ein freiwilliges soziales Jahr in diesem armen westafrikanischen Land absolviert und dort neben ihrer Tätigkeit als Lehrkraft ein Brunnenbau-Projekt – mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland – umgesetzt. Auch nach ihrer Rückkehr und der Aufnahme eines Masterstudiums in Jena haben das Land und seine Leute unsere Tochter nicht losgelassen. So gelang es unter anderem mit der tatkräftigen Unterstützung der Schüler und Schülerinnen des MPG in Trier (Spendenlauf an der Schule) und vieler privater Spenden aus der familiären Umgebung und dem Bekanntenkreis, dass ein schulisches Projekt in Tanguiéta in die Tat umgesetzt werden konnte. Sehr berührend war der Dank der afrikanischen Schüler und Schülerinnen , der ganzen Schulgemeinschaft und der persönlich überbrachte Dank des Pfarrers aus Benin, Pasteur Douèto N‘ Touama und seiner Frau, Colette Moutouama, deren Pfarrei Assemblée de Dieu (Evangelische Freikirche) die Schule betreibt.

Hilfe für junge Frauen

Und nun steht ein weiteres großes Projekt an, für das ich um finanzielle Unterstützung bitte! Es geht – seitdem völlig überraschend eine Großspende von 5.000,- Euro eingetroffen ist – um keine große Summe mehr, es geht um noch  2.100,- Euro!!

Colette Moutouama, von allen liebevoll »Maman« genannt, die Gastmutter unserer Tochter Sarah, betreibt seit 1998 ein Webatelier, in dem Mädchen und Frauen als Weberinnen ausgebildet werden. Seitdem haben 19 die Ausbildung erfolgreich beendet. Einigen von ihnen gibt Colette nach der Ausbildung Kleinkredite, damit sie mit diesem Budget eine Webmaschine kaufen können, um in einem eigenen Atelier zu arbeiten. Aktuell sind zwölf Mädchen bei ihr in der Ausbildung, von denen die meisten zu arm sind, um sich die Ausbildungsgebühren zu leisten. Einige von ihnen brauchen eine Unterkunft in Tanguiéta, da ihre Eltern verstorben sind oder sie von zu Hause weggelaufen sind (Stichwort: Zwangsheirat, Beschneidung). Da im Haus von Colette kein Platz ist zum Weben, arbeiten die Mädchen mit den Maschinen im Freien. Bei zu starkem Wind oder Regen können sie nicht arbeiten, können sie kein Geld verdienen.

Eine Vision

Und hier setzt »Colettes Vision« an: Sie möchte ein Ausbildungszentrum für Frauen und Mädchen eröffnen, »mille clés« (Tausend Schlüssel) um ihnen in ihren Problemlagen besser helfen zu können, um ihnen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.

In dem geplanten Zentrum wird sich ein Klassenzimmer, eine Küche und ein Atelier befinden, in dem die Ausbildungen stattfinden, sowie ein Schlafzimmer. Die Mädchen sollen dort eine Ausbildung im Bereich Weben, Schneidern oder Sticken erlernen. Außerdem können sie eine Ausbildung als Friseuse absolvieren. Sie sollen Lesen und Schreiben lernen und in Sexualität und Haushaltsführung unterrichtet werden. Denn viele Mädchen werden zu Hause nicht aufgeklärt, geschweige denn über sexuell übertragbare Krankheiten informiert. Außerdem können 70% aller Frauen in Benin nicht lesen und schreiben.

Was kann man tun, um Colette bei dem Bau ihres Ausbildungszentrums zu unterstützen?

Sarah und ihre Kollegin Pauline, die mit ihr gemeinsam in Benin war, wollen mit Hilfe ihrer Entsendeorganisation »Kinderhilfe Westafrika e.V.« eine Fördermaßnahme in Höhe von 50.000 Euro beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beantragen.

Da die Maßnahme nur eine 75% Finanzierung ist, muss ein Anteil von 25% selbst aufgebracht werden. Bis zum 31. Januar 2018 – somit bis in 13 Tagen – müssen 10.000 Euro gesammelt werden, damit das Projekt für nächstes Jahr bewilligt wird.

Bis heute war es, ehrlich gesagt, völlig utopisch, das Geld zusammen zu bekommen, 2.900,- Euro waren gespendet worden. Gewiss keine Kleinigkeit, um nicht missverstanden zu werden, aber zu weit von den 10.000 Euro entfernt. Aber Sarah hat die Hoffnung nicht aufgegeben und ihr Glaube an die wirklich gute Sache hat ihr geholfen: Heute erhielt sie von einer Frau aus Freiburg, die sie nicht kennt, die aber vom Projekt und vom Engagement von Sarah und Pauline überzeugt war, die Nachricht, dass diese ganze 5.000,- Euro (!) für das Projekt überwiesen hat.

Da ich im Sommer 2016 in Tanguiéta war und mich vor Ort davon überzeugt habe, dass die finanzielle Hilfe aus Deutschland dort sehr gut angewandt wird, kann ich grantieren, dass das Geld auch sicher ankommt. Deshalb bitte ich herzlich darum mit dazu beizutragen, dass Sarah und Pauline die 2.100,- Euro bis zum 31. Januar 2018 zusammen haben. Hier die Angaben zur Kontoverbindung:

Spendenkonto: Kinderhilfe Westafrika e.V.
IBAN: DE03 8305 0000 0000 6521 64
BIC: HELADEF1GER
Sparkasse Gera-Greiz
Verwendungszweck:
Tausend Schluessel Tanguieta

Wer eine Spendenquittung erhalten will möge bitte seine Adresse im Verwendungszweck angeben.

Ich danke allen sehr für die Unterstützung!

Hier noch eine ergänzende Information von Sarah, was geschieht, sollte das Geld (wider Erwarten) nicht zusammengbraacht werden:

»Keine Angst: Das Geld ist nicht verloren! Bekommen wir die 10.000 Euro nicht zusammen, heißt das nur, dass wir den Antrag erst später stellen können. Stellen wir den Antrag allerdings nach dem 31. Januar, verzögert sich das Projekt um ein Jahr, da die Anträge bis zu einem gewissen Zeitpunkt beim BMZ eingegangen sein müssen. Bekommen wir bis zum 31. Januar also nicht 10.000 Euro zusammen, kann der Bau des Zentrums also frühestens erst im Januar 2019 starten

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Wenn die Menschenwürde vor der Tür abgelegt wird

»Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt« – Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Meldung des Trierischen Volksfreundes über den Ausstieg des Wittlichers Marvin Stablo aus einer ProSieben Fernsehshow hat mich auf neues Sendeformat aufmerksam gemacht, dem ich normalerweise keinerlei Beachtung geschenkt hätte.

»Get the f*ck out of my house«, heißt diese Sendung bezeichnenderweise, an der der regionale Kandidat kurze Zeit teilgenommen hat.
Ich mache mich kundig über diese so genannte »Strategie-Reality-Show« und stelle mit Erstaunen fest, dass es den Fernsehmachern tatsächlich gelungen ist, die Niveaulosigkeit von Sendungen wie »Big Brother«, »Dschungelcamp« oder »Schwiegermutter gesucht« noch zu unterbieten.
100 Leute, von Geltungssucht, der Gewinnsumme von 100.000 Euro oder beidem getrieben, lassen sich freiwliig in einem 116 Quadratmeter großen Haus im Ort Satzvey in der Eifel unter unwürdigsten Umständen zusammenpferchen. Im Vergleich dazu wird manchen ein Aufenthalt in einem deutschen Gefängnis als Luxusurlaub erscheinen.
Sie werden weder mit ausreichend Nahrung versorgt, noch gibt es genügend Schlafgelegenheiten. Die sanitären Umstände sind dermaßen katastrophal, dass es jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. Von Fäkalien in der Dusche und ähnlichen Unappetitlichkeiten liest man, mit denen ich mich nicht näher beschäftigen mag.
Niemand mag wohl daran denken, welche Aromen sich in so einer Behausung in kürzester Zeit ausgebreitet haben.
Um davon und der natürlich auftretenden Langeweile abzulenken, werden von Zeit zu Zeit sogenannte »Spiele« auf Kindergarten-Niveau veranstaltet (z.B. Herumschaufeln von farbigen Plastik-Bällchen).
Das Ganze wird mit gehässigen Kommentaren eines arroganten auftretenden Moderatorenpaares gespickt.
Dabei lassen sich die Probanden wie Paviane in einem Zoo rund um die Uhr von Fernsehkameras beobachten.
Offenbar laben sich zahlreiche Voyeure als Fernsehzuschauer gerne an dem Schicksal der Freiwilligen, weshalb man von guten Einschaltquoten liest, was kräftige Werbeeinnahmen verspricht. Natürlich gibt es unter den geschilderten Umständen jede Menge soziale und persönliche Konflikte und Krisen, die von den Fernsehmachern geschickt oder gemein – das ist Auslegungssache – gesteuert werden (z.B. Wahl eines »Chefs«, der für einen Zeitraum Privilegien genießt).

Ich denke zurück an Art. 1 unseres Grundgesetzes: was ist, wenn Menschen freiwillig auf ihre Menschenwürde und Grundrechte verzichten, wie hier geschehen?
Ist der Staat nicht gleichwohl verpflichtet einzuschreiten? Ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die sich hierauf eingelassen haben, gar nicht verstehen, was sie sich damit antun.

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Fakten zum Bürgerentscheid

Mit ein Erstaunen und auch ein wenig Schmunzeln habe ich eine Presseerklärung der SPD-Stadtratsfraktion zum Ausgang des Bürgerentscheides zur Verlängerung des Pachtvertrages „Araltankstelle Ostallee“ zur Kenntnis genommen.

Ich zitiere: „Wir haben eine andere Meinung, haben dafür gekämpft und nicht einmal ein Viertel aller Wahlberechtigten hat nun anders entschieden. Die große Mehrheit blieb zu Hause, da das Thema offensichtlich keine Relevanz hatte.“ Weiter heißt es (Sven Teuber): „Offensichtlich waren nicht nur wir im Bündnis ‚Nein Tanke‘ der Meinung, dass es für einen Bürgerentscheid vielleicht wichtigere Fragen gäbe.“


Was will uns die SPD damit sagen?

Ein Vergleich:
Bei der Stadtratswahl 2014 wurden 38.968 Stimmen abgegeben. Davon wählten 26,2, % SPD, das entspricht 10.210 Stimmen für die lieben Kolleginnen und Kollegen von der SPD. OK, nicht ganz vergleichbar, da es bei der Kommunalwahl „Panaschieren“ und „Kumulieren“ gibt. Trotzdem über 14.000 Triererinnen und Trierer haben für den Erhalt der Tankstelle gestimmt.
Und dann sehe ich mal bei den Zahlen der OB Wahl nach. Stichwahl 2014. Der gewählte Oberbürgermeister erhielt 12.737 Stimmen, das sind 1342 Stimmen weniger, als für den Erhalt der Tankstelle gestimmt haben. Die Wahlbeteiligung dieser wichtigen Wahl lag übrigens bei mageren 30,4 Prozent, obwohl diese Wahl in viel größerem Umfang medial vorbereitet wurde. Gibt es für Trier etwas Wichtigeres, als den Oberbürgermeister zu wählen, ich meine Nein! 22,95 Prozent Wahlbeteiligung beim Bürgerentscheid müssen sich da wirklich nicht verstecken.
Warum schreibe ich das? Ich kann die Enttäuschung der Tankstellengegner gut verstehen. Mir ginge es im umgekehrten Fall nicht anders. Aber die aufgeführten Zahlen zeigen eindeutig, dass es einfach unfair ist, die Relevanz der Bürgerentscheides in Zweifel zu ziehen.
Festzustellen ist hingegegen (leider) ein eher allgemeines Desinteresse an der Kommunalpolitik. Da müssen wir uns ALLE und ganz generell überlegen, wie man dem entgegenwirken könnte.

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Keine Umbenennung der Metzer Allee!

Ich bedaure sehr, dass die Angelegenheit »Benennung einer Straße nach dem verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl« völlig verfrüht und ohne jede Not in die Öffentlichkeit geraten ist, wie am 27.9. der Trierische Volksfreund meldete.

Dies hätte unbedingt zuvor intern besprochen werden müssen.

Die jetzt unnötigerweise entfachte öffentliche Diskussion erreicht aus meiner Sicht genau das Gegenteil von dem, was die Initiatoren bezwecken: Sie schadet dem Ansehen des Altbundeskanzlers, dessen Verdienste für Europa auch ich hoch schätze.

Nachdem die das Thema jetzt öffentlich geworden ist, möchte ich auch öffentlich dazu Stellung nehmen, zumal mich heute zahlreiche Ansprachen in zu dem Thema erreicht haben.

Vorweg: Auch ich habe von den Vorschlägen aus der Zeitung erfahren. Die CDU Stadtratsfraktion hat sich hiermit noch nicht befasst

Ich bin der Auffassung, dass diese Angelegenheit in Ruhe und Bedacht  und unter Einbindung aller Beteiligten – so wie es Udo Köhler schon richtig zum Ausdruck gebracht hat – zu gegebener Zeit besprochen werden muss. Hier besteht keinerlei Zeitdruck!

Eine solche Frage lässt sich nur in einem breiten politischen Konsens regeln, so wie dies in der Vergangenheit bei anderen bedeutenden Persönlichkeiten auch geschehen ist.

Im Übrigen weise ich darauf hin, dass der Rat der Stadt Trier beschlossen hat, die Benennung von Straßen und Plätzen den jeweiligen Ortsbeiräten zu überlassen, was natürlich nichts daran ändert, dass seitens des Stadtrates Anregungen gegeben werden können.

Die Umbenennung der Metzer-Allee kommt dabei aus meiner Sicht unter keinen Umständen in Betracht. Es ist guter Brauch, dass wir unser Partnerstädte mit Straßennamen ehren. In diesem Jahr haben wir die 60-jährige Partnerschaft mit der französischen Stadt Metz gefeiert. Es ist aus meiner Sicht völlig undenkbar, ihr diesen Namen zu entziehen.

Zum anderen hat die deutsch-japanische Gesellschaft schon seit Jahren eine Initaitive gestartet, den unbewohnten Teil der Metzer-Allee in »Nagaoka-Allee«  umzubennen.

Beim dem von mir im Übrigen sehr geschätzten Landtagsabgeordneten Arnold Schmitt mahne ich Besonnenheit an.

Ob, welche und wann eine Straße oder ein Platz nach Helmut Kohl genannt wird, haben alleine die Trierer zu entscheiden. Ratschlag aus dem Umland ist hier wenig hilfreich.

Es käme in Trier auch niemand auf die Idee eine Initiative zu starten, beispielsweise die Moselstraße in Riol in Helmut-Kohl-Straße umzubenennen.

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