Die Maus

In unserem Wohnzimmer ist eine Maus!„, verkündet unsere Tochter Sarah.

„Wer hat denn da wieder nicht aufgeräumt?“, erhält sie als Antwort. In unserem hoch technisierten Haushalt ist eine Maus, das ist doch ganz klar, ein Zeigegerät für einen Computer.
Maus„Nein,“erwidert sie verärgert „ich meine natürlich eine richtige Maus. Sie ist im Wohnzimmer herumgelaufen und hat mich mit ihren großen Knopfaugen angesehen. Richtig süß, das kleine Tier.“
„Rede doch kein Quatsch, wie soll denn eine Maus in unser Haus hereinkommen. Das kann noch gar nicht sein!“, herrscht sie ihr ältesten Bruder an.
Seine Schwester würdigt ihn keines Blickes: „Wie können wir die nur einfangen? Das wird nicht so einfach sein!“
Ich glaube natürlich meiner Tochter. Und der Gedanke, dass irgendwann in irgendeiner Ecke unserer Wohnung eine verhungerte Maus vermodern könnte, stimmt mich nicht gerade fröhlich. Zum Glück erinnere ich mich daran, dass im Keller noch eine Mausefalle steht. Ich präpariere das Gerät mit einem dick mit Nutella beschmierten Brotstück und stelle es im Wohnzimmer auf. Schließlich habe ich im Internet gelesen, dass Mäuse den süßen Brotaufstrich lieben sollen. Am nächsten Morgen sehe ich erwartungsvoll in die Fall:.. Keine Maus!
Glücklicherweise kommt gerade heute Morgen „Garfield“ wieder einmal zu Besuch!  
Lilly2„Garfield heißt eigentlich Mickey und ist ein Kater aus der Nachbarschaft. Ich nenne ihn Garfield, weil er eben dem gleichnamige Kater aus dem Comic ähnelt: Faul, voll gefressen, rötliches Fell und äußerst verschmust. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, mir gelegentlich zu einer Zeit, zu der er bald zu Bett gehen will, ich aber aufstehe, einen Besuch abzustatten.
Wenn er mich morgens früh besucht, komme ich zu gar nichts mehr, weil er mir ständig um die Beine streicht und seine Streicheleinheiten einfordert. Aber heute kommt er ja wie gerufen! „Kater,“sage ich streng zu dem wohlgenährten Schmuser, „komm jetzt kannst Du Dich einmal nützlich machen! „
Ich setze ihn ins Wohnzimmer mit der Aufforderung: „Such das Mäuschen!“ Nein, ich will ja gar nicht, dass er es frisst, das könnte er gar nicht! Ich will nur, dass er zeigt, wo sich der Eindringling versteckt hat. Und es scheint zu funktionieren: Garfield geht zielstrebig auf die Mausefalle zu, schnuppert intensiv daran („Aha – Witterung aufgenommen!“) und strebt dann sogleich einer großen Kiste zu, die unser jüngster Sohn im Wohnzimmer aufgebaut hat und die mit Spielzeug, vornehmlich Playmobil-Sachen, bis zum Rand gefüllt ist. Er versucht, sich in der Kiste einzugraben, was dem Tier natürlich nicht sonderlich gut gelingt.
 
Ach, denke ich, in der Kiste ist also der kleine Nager und räume schnell die ganzen Sachen heraus. Und was sehe ich: Eine leere Kiste, aber keine Maus. Während ich noch überlege, wohin sich der kleine Racker nur so schnell verkriechen konnte, springt Garfield zufrieden in die Kiste, dreht sich ein einige Mal um sich selbst und macht es sich schnurrend gemütlich. So ist das eben heute mit unseren Hauskatzen: Noch nicht einmal zum Mäuse-Aufspüren sind sie zu gebrauchen! Zwischenzeitlich ist meine Frau heruntergekommen, die sich über den Kater in der Kiste sichtlich amüsiert. Zum Glück gibt sie mir jetzt den entscheidenden Hinweis:

„Stell‘ dir vor,“sagt sie zu mir “ als ich gestern Abend in der Küche saß, kam plötzlich unter der Tür zum Esszimmer eine kleine Maus hervor. Ich konnte überhaupt nicht glauben, dass sich eine Maus soo dünn machen kann, dass sie sogar unter der Türspalte durchkommt! Das Tierchen sah mich mit großen Augen erschreckt an, drehte sich sofort um und verschwand wieder im Esszimmer .“

Aha, wir haben an der falschen Stelle gesucht! Dort muss sie also sein! Ich sehe mich im Esszimmer um und überlege, wohin ich mich verkriechen würde, wenn ich eine Maus wäre. Natürlich! Hinter dem Ikea-Schrank! Dort gibt es eine Wölbung, das ideale Versteck für ein kleines, scheues Tier. Also flugs die Falle direkt an die Wand neben den Schrank deponiert. Und siehe da! Es dauerte nur 10 Minuten, bis ich heftiges Gerappel im Esszimmer wahrnehme.
Maus

In der Falle

Die Maus sitzt in der Falle. Sie sieht mich mit ihren runden Knopfaugen erschreckt an und zittert am ganzen Leib. Meine beruhigenden Worte versteht sie offenbar nicht. Ich mache noch schnell ein Beweisfoto (siehe links), damit mir meine Söhne die Geschichte mit der Maus auch glauben und entlasse das zarte Wesen aus dem Käfig in die Freiheit, gleich neben den Komposthaufen, in dem es dann auch – sichtlich erleichtert über den guten Ausgang des Abenteuers im Hause Albrecht – verschwindet.

 
Ich wünsche der Gartenmaus ein langes Mäuseleben. Angst vor der Katze muss sie ja nicht haben! Sie ist beschäftigt!
Lilly4

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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7 Antworten zu Die Maus

  1. augur sagt:

    Hoffentlich kommt die Maus nicht zurück, in der Hoffnung, dass sie ein weiteres leckeres Brot mit Nutella bekommt 😉

  2. Roland sagt:

    Schöne Geschichte 🙂 Wir würden sie eventuell gern in der Blogparade machen. Gibts das Foto auch in größerer Auflösung?

  3. tetrapanax sagt:

    Das Katzen Mäuse fressen, scheint ein Gerücht zu sein. Unsere Katzen verhalten sich Mäusen gegenüber sehr sozial. Sie bringen sie mit ins Haus, spielen ein wenig, (wenn auch schnell die Lust verlierend) mit den Mäuschen und überlassen die restliche Tagesgestaltung dann den kleinen Gästen selber.

    Die ziehen es in der Regel vor, sich in der Küche bei Brot- und Kuchenkrümeln gemütlich zu machen.

    Es bedarf oft vieler kleiner Tricks und Kniffe, um die Mäuse von der Endlichkeit unserer Gastfreundschaft zu überzeugen…

    Ich finde es sehr nett, daß Ihr ebenfalls Lebendfallen einsetz!

    @ Roland und Th. Albrecht

    Falls das Bild von Th. Albrecht nicht für den Abdruck geeignet ist, dürft ihr gerne ein Mäusebild von mir benutzen. Das ist nur ein ganz unverbindliches Angebot, weil mir einfiel, daß ich ebenfalls unsere Gäste geknipst hatte.

    http://weltrandbewohner.blog.volksfreund.de/g2.html?i=197&page=0

  4. Maus sagt:

    Ich war mal eine solche Maus: Hab da ein Haus mit Käse gefunden. Irgendwann haben sie dort den Käse in den Käfig gelegt und ich hab mich jedesmal fangen lassen und satt gefressen. Morgens haben sie mich dann in den Garten gesetzt und frei gelassen. Das ging wochenlang gut, bis die irgendwann nimmer wollten und mich ganz weit weg gebracht haben.

  5. Thomas Albrecht sagt:

    @tetrapanax
    Vielen Dank für das Angebot. Das Bild ist zugegebenermaßen gelungener als das meinige. Es wäre aber etwas gepfuscht, weil es nicht die original-Maus ist. Aber immerhin: Wir haben offensichtlich die gleiche Mausefalle. Sehr praktisch und gleichzeitig tierfreundlich das Gerät.

  6. Roland sagt:

    @Tetrapanax: Danke für das Angebot. Dankenswerterweise hat Thomas Albrecht mich schon mit dem Foto in der passenden Größe versorgt 🙂

  7. Hans-Peter Linz sagt:

    Die Geschichte ist einfach klasse! Endlich mal was anderes im Blatt als die üblichen Katastrophemeldungen…
    schöne Grüße

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