Ein Vermögen als Geschenk – einfach so!

Benin ist ein armes Land, eines der ärmsten der Welt. Etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung lebt in extremste Armut. Das bedeutet, die Menschen haben einmal gerade so viel zur Verfügung, dass sie mehr schlecht als recht überleben können. Doch auch in der Armut gibt es noch graduelle Unterschiede, obwohl man sich das gar nicht vorstellen kann.

Bild 7Sarah arbeitet in Tanguiéta! Viel von dem für uns selbstverständlichen täglichen Komfort gibt es dort nicht. Aber immerhin eine funktionierende Wasserversorgung und ein passables Krankenhaus.

Sie war eingeladen, ein Dorf (1000 Einwohner) etwa 1 Stunde Fahrt mit dem Motorrad entfernt zu besuchen.

Dort gibt es noch nicht einmal von dem genug, was für das Überleben des Menschen existenziell ist: Wasser.

Eine vernünftige Körperhygiene zu wahren oder Kleidung waschen ist dort unmöglich. Dazu ist das Wasser viel zu kostbar. Um ein wenig Trinkwasser zu holen, muss man Kilometer weit laufen und dann das Wasser in einem schweren Krug auf dem Kopf tragend wieder zurück transportieren.

Ich glaube, wenn man sie nicht selbst gesehen hat, kann man sich diese Zustände nicht vorstellen.

Sahara führte doch viele Gespräche dort und unterhielt sich mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, die seltsamerweise überhaupt nicht über ihr Schicksal haderten.

Zum Abschied erhielt sie ein Geschenk, dass sie nicht zurückweisen konnte: Ein Stück Käse und einen Hahn. Wer nicht weiß, wie selten und teuer dort Käse ist, wie außerordentlich wertvoll ein Tier ist, kann nicht begreifen, was dieses Geschenk bedeutet: Man hat dem Gast aus Deutschland ein halbes Vermögen als Geschenk gegeben, etwa so, als wenn wir einem Besucher den Gegenwert von ein oder zwei Monatseinkommen mitgeben würden.

Gastfreundschaft ist dort ein hohes Gut. Da nimmt man späteren Hunger in Kauf, um sie angemessen zu pflegen.

Sarah hat uns diese Geschichte erzählt, als wir gestern beim Heilig-Abend-Essen miteinander über Skype gesprochen haben. Nein, sie wollte uns nicht den schönen Abend verderben, an dem wir das wie in jedem Jahr von meiner Mutter zubereitetes Ragout Fin genossen. Sie musste das Erlebnis aber einfach mal loswerden.

Ja, es ist wichtig, an solchen Tagen auch einmal über die eigene Art und Weise nachzudenken, wie wir so selbstverständlich in den Tag hineinleben.

Ich würde mich freuen, wenn solche Gedanken auch bei denen einmal aufkämen, die sich den letzten Tagen so fürchterlich aufgeregt haben, weil sie erfahren haben, dass ein paar Flüchtlinge in Ihrer Nähe wohnen sollten und sie den Wertverlust ihrer Grundstücke fürchteten.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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