Mentalitäts-Sache

Als ich heute Morgen mit der Linie 82 zur Arbeit fuhr, sah ich zum ersten Mal einen farbigen Busfahrer am Steuer. Das ist als solches sicherlich noch nicht sonderlich erwähnenswert, wenn auch ein seltener Anblick in Trier. Doch an der Haltstelle „Kaiserthermen“ kam die große Überraschung:
„Liebe Fahrgäste!“ höre ich auf einmal durch die Lautsprecheranlage. Als „lieber Fahrgast“ bin ich jedenfalls in einem städtischen Linienbus bislang noch nie angesprochen worden. Ein völliges neues Gefühl!

„Liebe Fahrgäste, ich warte hier auf die Linie 87 nach Quint“ Und nach ein paar Minuten informiert uns der Fahrer: “Der Anschlussbus wird in 2 Minuten da sein.“

Zur Erklärung: Die Line 82 wartet morgens bei den Kaiserthermen den Anschlussbus nach Quint, was schon mal eine Weile dauern kann. Eingeweihte wissen das. Andere sind über die lange Wartezeit oftmals verwundert, da dies – bislang jedenfalls – nicht angesagt wurde.

Der Bus fuhr weiter. Bald schon die nächste Durchsage: „Die Haltestelle „Südallee ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Nächste Haltestelle ist ‚Rathaus’ „. Auch einen solchen Hinweis höre ich zum ersten Mal.

Ich frage mich, warum bisher eigentlich in den städtischen Linienbussen so ein großes Schweigen herrscht. Klar, das ist Mentalitätssache. Da will ich unseren vielen Busfahrern, die täglich ihren anstrengend Job machen und dafür wahrlich nicht überbezahlt werden, keinen Vorwurf machen. Doch einen Hinweis erlaube ich mir doch: Von anderen Mentalitäten kann man lernen. Ein Fahrgast, der so nett angesprochen und so gut informiert wird, fühlt sich einfach wohler. Eine ganz einfache und zudem völlig kostenfreie Methode, Kundenzahlen zu erhöhen. Dank den Stadtwerke für die kluge Personalentscheidung. So gewinnt und hält man Kunden!

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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6 Antworten zu Mentalitäts-Sache

  1. tetrapanax sagt:

    Das war wirklich in Trier? Und Du hast nicht geträumt?! Ich kann es kaum glauben 😉

  2. Thomas Albrecht sagt:

    Fast habe ich es schon geahnt, dass mir das keiner glaubt! Vielleicht hätte ich doch ein Foto machen sollen. Aber diese nette Mensch wird sicher noch mehreren auffallen.

  3. miaspheria sagt:

    Es gibt noch mehr solcher Einzelfälle:

    http://miaspheria.blog.volksfreund.de/p34.html

  4. NauriEstel sagt:

    Will ja nicht stänkern, aber wer sagt das dieser Mensch eine andere Mentalität hat als andere Deutsche? Immerhin sieht man einem ja an der Hautfarbe noch nicht an aus welcher Ecke man kommt…

    Kann sein das die SWT einfach mal jemanden eingestellt haben der „nett“ und „zuvorkommend“ ist… oder den Job halt einfach noch nicht lange macht ;D

    Aber deutsch kann er ja trotzdem sein oO

    Wie dem auch sei, so oder so, is doch schön das es noch nette Menschen auf diesem Planeten gibt =)

    greetZ Nauri

  5. Thomas Albrecht sagt:

    Das ist natürlich nur eine Vermutung von mir. Doch gibt es meines Erachtens schon erhebliche Mentalitätsunterschiede bei den Menschen. Natürlich auch bei uns deustcen. so ist mir schon aufgefallen, dass es in einem Berliner Bus ganze anders zugeht als beispielsweise in einem Hannoveraner Bus (eisiges Schweigen).
    Ich finde nichts schlimmes dran. Doch ist es m.E. auch nicht schlimm, von einer anderen Mentalität zu lernen.

  6. NauriEstel sagt:

    „Doch ist es m.E. auch nicht schlimm, von einer anderen Mentalität zu lernen.“

    Da geb ich ihnen absolut Recht.

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