Öffentlicher Personennahverkehr im Raume Trier – Marketing soll verbessert werden

Kaum einer weiß es: Zentrales Marketing beim öffentlichen Personennahverkehr in der Region Trier, Fahrpreise usw., das alles wird nicht von den örtlichen Verkehrsunternehmen (wie Stadtwerke Trier) sondern vom Zweckverband des Verkehrsverbundes der Region Trier (VRT) beschlossen. Gestern tagte das Leitungsgremium dieses Zweckverbandes, die sog. Verbandsversammlung, in der Kreisverwaltung Wittlich.

Eine Binsenweisheit ist es, dass ÖPNV nur dann richtig funktionieren kann, wenn ihn viele nutzen. Ziel des Verkehrsverbundes ist daher logischerweise, Maßnahmen zu entwickeln, die zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen und damit der Fahrgelderlöse führen. Aus diesem Grunde hat sich eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Kreis- beziehungsweise Stadtverwaltungen und der Verkehrsunternehmen gebildet, die sich Gedanken über das Marketing macht. Zunächst einmal wurde der Markt durch einen Gutachter genau analysiert. Sinn dieser Untersuchung ist es, festzustellen, wie man die Nachfrage erhöhen kann. Daraus entwickeln sich Konzepte, wie man die Nachfrage erhöhen kann. Eine Möglichkeit, die schon erarbeitet wurde, wäre beispielsweise, eine so genannte „Kundenbindungskarte“ für Gelegenheitsnutzer einzuführen. Ferner sollen verschiedene Sonder-Werbeaktionen durchgeführt werden. Die unterschiedlichen Maßnahmenvorschläge (hat jemand Vorschläge?) sollen jetzt durch den Gutachter konkretisiert und dann umgesetzt werden.

Eine Maßnahme, die mir persönlich besonders am Herzen liegt, kann wohl in absehbarer Zeit nicht durchgeführt werden: Die Einführung einer elektronischen Chipkarte, mit der man den ÖPNV bequem benutzen könnte und die auch Möglichkeiten für eine flexible Fahrpreisgestaltung böte. Pilotprojekte haben gezeigt, dass die Umsetzung einer solchen Maßnahme sehr teuer ist.

Eigentlich sollte ein umweltfreundliches Verkehrsmittel wie die Bahn weiter ausgebaut werden. Die deutsche Bahn AG plant jedoch auf der Strecke Trier-Metz (Obermosel Strecke) das Gegenteil: Der Bahntunnel inzwischen Nittel und Wellen soll aus Kostengründen eingleisig zurück gebaut werden. Dagegen erhebt sich nun Partei- und länderübergreifend Protest: Der Rückbau des Tunnels bei Nittel würde dazu führen, dass dauerhaft eine neue und zusätzliche Engstelle auf dieser Strecke entsteht und damit ihre Attraktivität erheblich senken. Da die Strecke vom Güterverkehr besonders intensiv genutzt wird, wären Verspätungen bei der Personenbeförderung unumgänglich. Die Bahn hat mittlerweile signalisiert, die ganze Sache noch einmal zu überdenken. Die Verbandsversammlung hat die Geschäftsführung des Zweckverbandes beauftragt, gleichwohl in diese Richtung zusätzlich eine deutliche Stellungnahme abzugeben und die Reduzierung der Bahnlinie eindeutig abzulehnen.

Nicht immer läuft im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs alles reibungslos ab. Ist eigentlich bekannt, dass einen Fahrgastbeirat gibt, der als Anlaufstelle für alle Anliegen der Fahrgäste dient und der Beschwerden und Anregungen gebündelt in regelmäßigen Treffen mit Vertretern der verschiedenen Organisationen einbringt? Er ist das Sprachrohr aller Fahrgäste. Wir haben beschlossen, dass diese nützliche Institution, bestehend aus 10 Mitgliedern, weiter fortgeführt wird. Wer als ÖPNV Nutzer selbst Anregungen an den Fahrgastbeirat hat, kann ihm diese an die E-Mail Adresse fahrgastbeirat@vrt-info.de übersenden.

Vorsitzender des Zweckverbandes war übrigen bis dato der Trierer Baudezernent Peter Dietze (SPD). Da er in den Ruhestand geht, war dies die letzte Sitzung, die er geleitet hatte. Er wurde von Landrat Schartz gebührend verabschiedet.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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3 Antworten zu Öffentlicher Personennahverkehr im Raume Trier – Marketing soll verbessert werden

  1. tetrapanax sagt:

    Natürlich ist Marketing wichtig. Der ÖPNV und grade der Busbetrieb hat bei vielen das Image, ein umbequemes und recht teures Transportmittel für Kinder, Jugendliche und Rentner zu sein.

    Noch wichiger als gegen das schlechte Bild vom ÖPNV durch Marketing (Werbung?) anzugehen, ist die wirkliche Attraktivitätssteigerung. Sonst läuft die Werbung ins Leere. Folgende Maßnahmen wären wichtig:

    * freundliche und hilfsbereite Busfaher (die gibt es in Trier, aber irgendwie nie auf meinen bevorzugten Routen…)

    * preiswertere Tarife (Ich zahle für den Weg in die Stadt und wieder zurück 4,40€. Das sind fast 8,80 DM! Das Auto ist da definitiv für mich preiswerter, selbst mit parken!)

    * eine sehr gute Taktfrequenz (Wenn man aus einigen umliegenden Dörfern nur zwei mal am Tag nach mit dem Bus Trier kommen kann, ist das ein Armutszeugnis. Auch wenn ich beim Umsteigen eine halbe Stunde auf meinen Anschlußbus warten muß, ist das nicht attraktiv)

    * ein verbessertes Angebot über 18.00 Uhr hinaus

    Eine Aktion, die mit der Umweltfreundlichkeit von Bus und Bahn wirbt, kann nur dann Erfolg haben, wenn der ÖPNV tatsächlich eine Alternative zum Auto wird.

    Zum Schluß aber noch ein paar positive Dinge:

    * die Busse in Trier sind meist sehr pünktlich. Das ist nicht überall so.

    * auch sind die Fahrzeuge modern und in der Regel sauber. Großes Lob. Ich habe da schon anderes gesehen.

    * Das Konzept der „Stadtbahn“ ist hervorragend. Der Haltepunkt „Ehrang Ort“ wird gut angenommen. Der weitere Ausbau sollte schleunigst vorrangetrieben werden.

  2. Solange Autos Statussymbole sind und im Stadtgebiet extralange Geländewagen mit fünf Liter Hubraum herumfahren habe ich meine Zweifel, ob der ÖPNV wirklich voran kommt. Aber vielleicht tut sich ja was – nach und nach.
    Mein Eindruck ist, dass die 100-Prozent-Autofahrer-Generation solangsam ausstirbt. Neulich war ich in einem Restaurant und hörte einigen betagteren Trierer Damen am Nachbartisch zu. Kleidung und Schmuck ließen auf gehobenes Bürgertum schließen. Dazu kam der für diese Gruppe so typische „hoch-trierische“ Akzent. Der ist zwar auch dialektal, hebt sich aber von der Trierer Gossensprache ab, denn er weist nur wenige Versatzstücke an Dialekt auf. Diese Damen wohnten auf der Weismark. Und sie erzählten, wie toll es doch sei, denn als echter Trierer habe man immer sein Parkplätzchen in der Stadt. Ich glaube nicht, dass sich eine von denen jemals in einen Linienbus zum gewöhnlichen Volk setzen würde…

  3. Thomas Albrecht sagt:

    @tetrapanax
    Das Problem ist, dass die einzelnen Verkehrsunternehmen in der Region kostendeckend arbeiten müssen. Deshalb sind die Tarife so hoch.dieses weiterhin der Grund dafür, dass gerade in nicht so dicht besiedelten Gebieten,die Taktfrequenz sehr gering ist. Dies wurde auf der Sitzung von vielen Teilnehmern aus dem Umland beklagt. Eine Lösung des Problems weiß sich jedoch nicht.

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