Zurzeit arbeite ich in Bitburg und bin deshalb auf das Auto »angewiesen«, wie man so oft und so schön sagt. Und das bei den gegenwärtigen Benzinpreisen! Der Horror. Doch bei der gestrigen Fahrt über die »Bitburger« habe ich noch einmal über diese Aussage nachgedacht. Auf der Rückfahrt hatte ich dafür auch etwas länger Zeit. Bewusst nahm ich den Umweg über die A 60 und Wittlich in Kauf, weil ich den Stau auf der Umleitungsstrecke vermeiden wollte, die wegen eines schweren Unfalls bei Hohensonne notwendig geworden war. »Lieber etwas länger unterwegs, als sich in einer Fahrzeugschlange zu quälen«, dachte ich angesichts der Verdoppelung des Reiseweges wenig umweltbewusst.
Während der Autofahrt erinnerte ich mich an meine Zeit als Mitglied des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT) und an die Bemühungen, eine direkte Buslinie von Trier nach Bitburg einzurichten – die dann vor 5 ½ Jahren tatsächlich kam.
Gedacht – probiert. Heute Morgen ging es mit der Linie 8 von Mariahof zunächst zur Nordallee und dann mit der Buslinie 400, die im Stundentakt fährt, nach Bitburg. Es dauerte – inklusive Wartezeit beim Umsteigen – 1 ½ Stunden. Die Fahrzeit hätte sich noch etwas reduzieren lassen, wenn ich bei der Berechnung der Umsteigezeit mehr Risikobereitschaft gezeigt hätte. Doch dieser Mut ist mir als Kunde der Deutschen Bahn schon lange ausgetrieben worden.
Doch selbst mit einer optimierten Verbindung wäre es nicht ohne eine Verdoppelung der Reisezeit im Vergleich zu der des motorisierten Individualverkehrs gegangen.
Das liegt auf der einen Seite der Waagschale. Auf der anderen liegen die Kosten: Für mich betrugen sie als Inhaber des Deutschland-Tickets 0 Euro! (Das ist insofern etwas geschummelt, als mein Arbeitgeber mir die Fahrtkosten größtenteils erstattet hätte – gleichwohl bleibt das gute Gefühl, gespart zu haben, auch wenn jemand anderes davon profitierte.)
Doch dann kommt der richtig dicke Brocken auf die Waagschale, der psychische Faktor: Die Reise war völlig entspannt. Ich habe Musik gehört (OK, geht beim Autofahren auch) und dabei ein gutes Buch gelesen (geht nicht!). Kein Stress mit riskant überholenden Autofahrern oder solchen, die mich mit der Lichthupe ärgern, weil ich überhole, kein Ärger über Lkw-Fahrer, die sich auf den dreispurigen Streckenabschnitten nervige Elefantenrennen liefern. OK, auch mein Linienbus musste eine Weile hinter einem Traktor herfahren. Aber das war mir völlig egal, weil es mich nicht betraf! Und gleichwohl kam ich nicht nur gut gelaunt, sondern auch pünktlich in Bitburg an.
Mein Fazit: Der ÖPNV ist ganz sicher nicht für jeden geeignet. Großer Termindruck, an dem man nichts ändern kann, kann ein Hindernis sein. Und wer in einem kleinen Ort wohnt, der schlecht oder gar nicht an den Bus angebunden ist, für den funktioniert es ebenfalls nicht. Aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es viel besser und viel öfter, als man denkt. Wir sind tatsächlich weniger auf das Auto »angewiesen«, als man gemeinhin annimmt. Die heutige Fahrt habe ich genossen, und am Montag werde ich ganz bestimmt wieder mit dem Bus nach Bitburg fahren. Vielleicht probieren Sie es auch einmal aus?