Gedanken zum Altstadtfest

Ein fröhliches Altstadtfest wird es in diesem Jahr gewiss nicht geben. Die Sorge um Tanja Gräff, ihr noch immer ungewisses Schicksal lässt dies nicht zu. Gibt es doch inzwischen nicht einen mehr in Trier und Umgebung, der nicht von dem ungwissen Schicksal der jungen Frau tief bewegt wäre.
Zu dieser Trauer mischt sich die Sorge um die eigenen Kinder. Ein Einzelschicksal erinnert schmerzlich daran, dass das Leben voller Gefahren steckt. „Bleibt immer in Gruppen zusammen! Gehe nicht mit Unbekannten alleine weg! Habe dein Getränk immer im Blick, damit Dir niemand etwas herein schüttet!“ werden nicht nur wir unserer Tochter als Mahnung auf den Weg zum Fest geben.
Trotz dieser gedrückten und ängstlichen Stimmung will ich doch ein paar grundsätzliche Anmerkungen zu diesem jährlichen Trierer Ereignis machen.
Ich spüre jedes Jahr bei der Eröffnung, dass das Altstadtfest mehr und mehr an Schwung verliert. Es ist ja auch hier im Blog schon beschrieben worden, wie es sich leider zu sehr in Richtung Trink- und Essveranstaltung entwickelt hat, um es einmal vorsichtig zu formulieren.
Schon im letzten Jahr hatte ich deshalb an dieser Stelle neue Impulse für das Altstadtfest angemahnt und auch konkrete Vorschläge gemacht.
Deshalb hat es mich sehr gefreut, heute im TV zu lesen, dass Oberbürgermeister Klaus Jensen über Möglichkeiten nachdenken will, das Fest qualitativ zu verbessern. Richtig so!
Ein Vorschlag von mir: Lasst uns das Altstadtfest ganz abschaffen und einen Neubeginn wagen:
Aus dem „Altstadtfest“ wird ein „Antikenfest“ oder ein „Römerfest“, wie immer man es auch nennen mag, jedenfalls sollte es einen konkreten Bezug zu der römischen Geschichte Trier erhalten. Dies ist ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann. Um dieses Thema herum könnten sich dann verschiedene kulturelle Ereignisse gruppieren. Das Thema soll nicht einengen, selbstverständlich sollte der Auftritt von modernen Musikgruppen möglich sein, aber es sollte den Rahmen, eine Leitlinie bilden.
Man könnte ja regelrechte Festwochen zu dem Thema Antike veranstalten, in denen das Antikenfestival und Veranstaltungen wie „Brot und Spiel“ ein fester Bestandteil wären. Die Veranstaltungen um die Konstantin-Ausstellung herum, zeigen zurzeit beispielhaft auf, was da so alles möglich ist. Damit bestünde die Chance, dass diese „Festwochen“ bundesweit bekannt würden, und viele Touristen anziehen würden. Gut für die örtliche Wirtschaft. Abschluss dieser Wochen könnte dann ein Fest über das Wochenende in der Innenstadt mit besonderen kulturellen Höhepunkten sein, aber natürlich auch den Imbiss- und Getränkeständen. (Ich hatte ja auch schon einmal einen großen Festumzug angeregt, aber das wiederhole ich besser nicht). Das wäre dann ein wirklich „neues Gesicht“ für unser dringend reformbedürftiges „Altstadtfest“, das inzwischen ein „altes“, zu altes Fest geworden ist.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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6 Antworten zu Gedanken zum Altstadtfest

  1. augur sagt:

    Gute Idee! Anderswo laufen die Mittelaltermärkte sehr gut. So etwas auf die Römerzeit übertragen… Ich hatte auch bereits in meinem Blog sehr begeistert vom Tag der offenen Tür mit vielen Römerspielen für Kinder und einer Kinderführung durch die neu gestalteten Kaiserthermen berichtet. So etwas in größerem Umfang. Stände nur mit thematischer Auflage erlauben… Anderswo haben übrigens die Altstadtfeste ähnliche Probleme, wobei ich diesen Umfang an Scherben und Sauferei wie in Trier bisher noch in keiner Stadt erlebt habe…

    Die Angst um die eigenen Kinder ist übrigens bei mir auch nun viel größer und es ist schwer, die Vorsicht zu vermitteln, ohne dass diese verängstigt werden. Ein Handy für das Kind ist da sicher nur eine Lösung…

  2. Thomas Albrecht sagt:

    @augur
    …aber wohl auch keine wirkliche Lösung, wie der Fall Tanja zeigt, eher eine Gewissensberuhigung für die Eltern. So haben wir schon frühzeitig unseren „Kleinen“ mit einem ausgedienten Handy ausgerüstet, aber ob es im Ernstfall wirklich etwas hilft???

  3. augur sagt:

    Richtig, denn das Handy würde sicher im „Ernstfall“ gleich dem Kind abgenommen werden. Aber sicher gut z.B. für ein Fest, wenn das Kind „mal eben“ an einen anderen Stand will.

  4. Urtrierer sagt:

    Das Altstadtfest befriedigt aber offensichtlich den Geschmack der breiten Masse. Kultur interessiert doch da weniger.

    Die Mehrheit will sich besaufen, das ist doch ganz offensichtlich. Aus diesem Grund meide ich die Innenstadt für die Dauer des Altstadtfestes.

    Mein Mitgefühl gilt vor allem den Anwohnern der Innnenstadt. Verpinkelte und verkotzte Hauseingänge garniert mit viel Lärm, das ist das Altstadtfest.

  5. Hans-Peter Linz sagt:

    Ich hatte immer den Eindruck, dass die Trierer da etwas zu selbstzufrieden sind. „Die Leute kommen ja sowieso und sorgen für fetten Umsatz mit Essen und Trinken“ scheint die Devise gewesen zu sein. Diese Einstellung ist fast schon symptomatisch für Trier. Hier wird nichts aus dem Kulturerbe gemacht, „weil die Leute ja sowieso kommen und wir so eine schöne Altstadt haben“. Wer mal nach Xanten schaut oder zur römischen Villa in Borg im benachbarten Saarland, sieht, was alles möglich ist und wie umsichtig und liebevoll die Leute mit ihrem Erbe umgehen. Dort gibt es römische Restaurants, man kann in einer Anlage original römisch baden gehen und anspruchsvolle Ausstellungen runden das Programm ab. Neulich hat ein prominenter Trierer seinen Geburtstag in römischem Ambiente gefeiert – inklusive Toga und Essen. Und wo hat er das getan? In der Villa Borg im Saarland. In Trier gibt es schlicht keine Möglichkeit dazu. Und selbst die in Fachkreisen sehr anerkannten milites bedensis, die Bitburger reenactment-Gruppe der römischen Legionäre, kommt nicht mehr nach Trier, weil hier zu lax mit der römischen Geschichte umgegangen wird (stand in der Mittelalterzeitschrift „Karfunkel“). Das ist eigentlich eine große Schande.
    Ein „reload“ des Altstadtfestes mit mehr Kulturprofil könnte ein Signal setzen. Man könnte Straßenzügen Themen widmen, wie zum Beispiel eine „Coverband-Straße“, eine „Jazz-Straße“ und eine Musikverein-Straße“. Dazu eine „Mittelalterstraße“ (Nähe Frankenturm) und eine „Römerstraße“. So könnten die Besucher auf „Zeit- und Kulturreise“ gehen…

  6. Spectator sagt:

    Man sollte Antikenfestspiele aller Art auch nicht übertreiben, sonst verlieren sie ihr Einmaligkeit und Besonderheit. Das mag alles eine gute Idee sein, Trier noch stärker auf die „Römerwelle“ zu bringen, aber das kann leicht zu einer Art kitschigen Kommerz ausarten und ins Triviale abgleiten, so dass sich dann der wahre Geschichtsfreund gruselt. Man sieht ja am Weihnachtsmark, wie sich so etwas entwickeln kann. Mittlerweile meiden viele Trierer solche Veranstaltungen, denn worum geht es dabei: Man will etaws trinken, essen oder Musik hören, sich mit Bekannten unterhalten, die man trifft. Man kann aus solchen Veranstaltungen keine hochkulturellen Events machen.
    Dies mag eine gute Absicht sein, aber allein die Umsetzung ist schwierig.

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