Zukunft der Stadt Trier: Bereich Wohnen

Trier ist jetzt stabil zu einer Großstadt geworden. Die Zukunft einer solchen Stadt muss vorbereitet – geplant werden. Im Bereich Bauen geschieht dies dadurch, dass ein so genannter Flächennutzungsplan aufgestellt wird. Dabei handelt es sich um einen Plan, aus dem sich unmittelbar keine Rechtswirkung für den Bürger ergibt, er bindet aber die Verwaltung für ihr weiteres Vorgehen, beispielsweise bei der Frage wo, welche Bebauungspläne aufgestellt werden.
Gestern Abend gab es nun in den Räumlichkeiten der IHK eine öffentliche Anhörung zu einem Vorentwurf dieses Planes. Der Raum war gut gefüllt, ich persönlich hätte vielleicht noch mehr Interessierte erwartet, geht das Anliegen doch viele an und gab es Gelegenheit, Bürgerbeteiligung unmittelbar zu praktizieren.

Von links nach rechts: Stefan Leist, Simone Kaes-Torchiani und OB Klaus Jensen Oberbürgermeister Klaus Jensen, der es sich nicht nehmen ließ, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen, freute sich jedenfalls über die Zahl der Anwesenden und betonte bei seiner Begrüßung, dass er die Ausweisung neuer Baugebiete für „überlebensnotwendig“ für die Stadt hält, ein deutlicher Hinweis für all diejenigen, die im Vorfeld der Diskussion die Notwendigkeit bezweifelt haben, neue Baugebiete bereit zu stellen. Baudezernentin Kaes-Torchiani führte dann in die Materie ein

Abteilungsleiter Stefan Leist stellte in einem etwa 1stündigen Vortrag sehr detailliert dar, wie die Stadt Trier, den Bedarf ermittelt hat und wie es dazu kam, dass 41 Standorte in eine „vertiefte Prüfung“, wie es heißt, einbezogen werden sollen. Das mag manchem Zuhörer etwas lange vorgekommen sein, doch um qualifiziert mitreden zu können, muss man eben zunächst einmal die rechtlichen und tatsächlichen Grundlagen kennen.
Die Stadt hat einen Bedarf von etwa 100 ha zusätzlichen Bauland für die kommenden 15 Jahre errechnet. Sie hat 41 Standorte mit einer Fläche von ca. 300 ha für die „vertiefte Prüfung“ vorgeschlagen (Davon befinden sich ca. 30% im Innen- und 70% im Außenbereich).
Das heißt nicht mehr und nicht weniger, dass über diese Gebiete diskutiert werden soll. Ergebnis sollen, die dann – als Ergebnis der Diskussion – auf die 100 ha zugeführt werden sollen, die dann letztendlich als Bauland in die Planung kommen sollen.
So mancher hat das schon jetzt gründlich missverstanden, wenn er der Verwaltung vorwarf, wie sie denn nur das und das Gebiet vorschlagen könne.
Die erste Diskussion hat folgendes gezeigt: Es wird schwierig werden, geeignete neue Baugebiete zu finden.
Irgendwo haben alle Standorte mehr oder weniger große Nachteile. So gilt beispielsweise für den gesamten Bereich „Höhenstadteile“, dass dort zwar Land bereit steht, aber zu befürchten ist, dass sich die Verkehrsproblematik (Kürenz, Olewig) noch weiter verschärfen wird.
Standorte im Bereich der Mosel (Zewen) haben den Nachteil, dass dort der Hochwasserschutz beachtet werden muss und außerdem die geplante Trassenführung für die Umgehungstrasse Zewen berücksichtigt werden muss.
Und, und ….
So gab es an diesem Abend zahlreiche Diskussionsbeiträge, Vorschläge, Anmerkungen und Fragen von interessierten Bürgern, die von Frau Kaes-Torchiani und Herrn Leist beantwortet wurden. Oberbürgermeister Jensen hörte aufmerksam zu und notierte sich die wichtigsten Punkte.
Immer wider wurde angeboten, spezielle Fragen in persönlichen Gesprächen in der Verwaltung zu beantworten.
Herr Leist versprach, dass alle Unterlagen, die in der Sitzung präsentiert wurden auch im Internet verfügbar sein werden. Leider ist dies noch nicht das Fall. Ich habe Herrn Leist darauf angesprochen: leider ist die Einstellung der Unterlagen sehr zeitaufwändig, so dass dies noch ein paar Tage dauern kann. Er versprach jedenfalls, dass dies schnellstmöglich erledigt werde.
Bis Ende Juli haben die Bürger jetzt noch Zeit, Ihre Anliegen der Verwaltung schriftlich vorzutragen. Dabei können nicht nur Bedenken gegen die zur näheren Prüfung empfohlenen Gebiete erhoben werden, es sogar ausdrücklich von der Verwaltung erwünscht, auch weitere, zur Wohnbebauung geeigenete Gebiete vorzuschlagen.

Eines steht meines Erachtens jetzt schon etwas: Allen Anliegen gerecht zu werden, wird der Quadratur des Kreises gleich kommen, zu unterschiedlich sind die verschiedenen Interessen, die in Einklang gebracht werden müssen.

Über Thomas Albrecht

Mitglied des Trierer Stadtrates.
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4 Antworten zu Zukunft der Stadt Trier: Bereich Wohnen

  1. Hallo, Herr Albrecht:
    nach einer ersten Sichtung des Flächennutzungsplans habe ich einige Bereiche vermisst. Die Neubaumaßnahmen in der Balthasar-Neumann-Straße und die Entwicklung des ehemaligen Post-Geländes zwischen Kürenzer Straße und Reichsabtei. Der Bahnhofs-Workshop vom vergangenen Jahr plante dort doch Wohnbebauung… und nun ist Funkstille..

  2. Thomas Albrecht sagt:

    Hallo Herr Linz,

    im Flächennutzungsplan sind nur die Gebiete aufgeführt, die bisher noch nicht zur Wohnbau-Nutzung vorgesehen waren. Der Bahnhofsbereich ist von diesem Plan deshalb nicht betroffen. Allerdings wissen Sie ja, dass die Planung in dem Gebiet wegen des Neubaus des Polizeipräsidiums überdacht werden muss.

  3. Hans-Peter Linz sagt:

    Hallo Herr Albrecht:
    Mich würde nun interessieren, ob denn jemand die Planung überdenkt und darüber hinaus daran denkt, auch die Anwohner zu Rate zu ziehen, wie es beim Bahnhofsworkshop der Fall war – ich fürchte das läuft auf eine geheime Landes-Aktion hinaus, siehe Ticketschalter Kaiserthermen….

  4. Spectator sagt:

    Hoffentlich fallen bei dem Bestreben, die Baulücken in Trier zu schließen, nicht die wichtigen Grünzonen der Stadt weg. Eine flächendeckende Bebauung der Stadt würde nicht nur viel grünes Land, sondern auch zahlreiches Bodenschätze zerstören. Der Bauwut in Trier sind bereits genug Bäume und Kulturgüter geopfert worden. Der Wert einer Stadt erkennt man auch daran, wie behutsam sie mit der Natur „in ihren Mauern“ umgeht. Bei Trier kommt hinzu, dass der Boden geschichtsträchtig ist und für die folgenden Generationen erhalten bleiben muss. Neues Bauland ist gut und schön, aber an den richtigen Stellen und nicht da, wo jetzt bereits eine Enge herrscht und über massiven Kraftfahrzeug-Verkehr geklagt wird.

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