AlltagTrier

Kleines Einkauferlebnis

Es sind manchmal die Kleinigkeiten, die das Leben versüßen:
Wer kennt sie nicht die typische Situation im Lebensmittelgeschäft: Ich kaufe beim Aldi in Heiligkreuz ein, nur ein paar Sachen. Zwei Kassen sind geöffnet. Vor Kasse 1 eine etwas längere Schlange, unmittelbar vor mir ein Mann, dessen Einkaufswagen so prall gefüllt ist, dass die Sachen fast herausfallen.
Also strebe ich zu Kasse 2, bei der ich sofort dran käme, gleich hinter der Frau, die gerade ihr Einkaufsgut auf dem Band platziert hat. Doch im selben Moment dringt die ernüchternde Neuigkeit über den Lautsprecher unerbittlich an mein Ohr: »Kasse 2 schließt! Bitte nicht mehr anstellen!«. Gleichzeitig wandelt sich das grüne Licht über der Kasse in ein strenges Rot! »Kasse geschlossen!«
Zwar habe ich eigentlich viel Zeit, hat doch mein Urlaub gerade erst begonnen und habe heute gar nicht so viel vor, eigentlich nur Gartenarbeit und die kann nun wirklich warten.
Aber irgendwie wirkt offenbar der »Rentner-Effekt«: Alle Zeit der Welt und doch in Eile!
Meine Laune sinkt also in den Keller, empfinde ich doch die schroffe Zurückweisung auch als persönliche Schmach. »Warum passiert eigentlich mir immer so was?«, denke ich, füge mich jedoch in meinem Schicksal und reihe mich brav in die Schlange gleich hinter dem Mann ein, der offenbar gerade seinen Wocheneinkauf erledigt hat und beginnt, die Waren auf das Band zu legen.
»Wollen Sie nicht vorkommen?«, fragt er mich plötzlich mit einem deutlich ausländischen Akzent, dessen Herkunft ich jedoch nicht identifizieren kann, und schiebt den Trennstab nach vorne: »Ich habe Ihnen auch Platz gemacht!«, lächelt er mich an.
Ich stammele ein verlegenes »Oh, vielen Dank, das ist aber wirklich nett von Ihnen!« und gehe – mit einem etwas schlechten Gewissen – vor.
Der Tag ist gerettet! Gleichwohl muss ich noch ein wenig meine Vorurteile pflegen und denken, dass mich ein Deutscher wohl niemals vorgelassen hätte, hätte er doch auf sein verbrieftes Recht, der erste Müller zu sein, der auch als erster mahlen darf, bestanden.
Natürlich irre ich mich, freundliche Leute gibt es – zum Glück – unter allen Nationalitäten und – leider – auch umgekehrt.
Doch lassen wir das Philosophieren über Mentalitäten: Meine Laune ist jedenfalls dank dieses überaus netten, freundlichen Mitmenschen jetzt ganz oben. Ich glaube wieder mal an das Gute im Menschen! Ein herzliches Dankeschön, unbekannterweise!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.