Mariahofer Ortsbeirat besichtigt Fernheizwerk Mariahof
Regelmäßig besichtigt der Mariahofer Ortsbeirat die wichtigsten Einrichtungen in unserem Stadtteil, um sich einen persönlichen Eindruck über den aktuellen Stand zu verschaffen. In Anbetracht des nahenden Winters lag es auf der Hand, dass er sich am Dienstag einen Eindruck vom Fernheizwerk verschaffte. Jörg Hennefeld, Leiter der Abteilung »Wärme/Kälte« bei den Stadtwerken, begrüßte mit Barbara Simon und vier weiteren SWT-Kollegen, die für das Heizwerk verantwortlich sind, die Mitglieder des Ortsbeirates.
Die Fakten
Barbara Simon erläuterte den Besucherinnen und Besuchern die wichtigsten Fakten:
Das Fernwärmenetz wurde 1963 errichtet, bereits 1970 wurden die Kessel des Heizwerkes von reiner Ölfeuerung auf Gas umgestellt. Danach sorgten die Stadtwerke kontinuierlich dafür, dass das Werk stets auf neustem Stand war. So wurde 2005 ein Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb genommen, das 2013 auf Bioerdgas umgestellt wurde. Die rund 11 km lange Fernleitungstrasse wurde in den Jahren 2007–2013 schrittweise erneuert, um das größte Problem eines Fernheizungssystems, Energieverlust beim Transport der Wärme, zu minimieren.
Derzeit werden 1200 Haushalte mit einer Energiebezugsfläche von 117.000 m² auf Mariahof versorgt. Die verbrauchte Wärmemenge beträgt im Durchschnitt 12 Millionen kWh im Jahr, wobei die Tendenz sinkend ist. Jörg Hennefeld ergänzte, vor welchen Herausforderungen die Stadtwerke derzeit stünden: Permanente neue gesetzliche Vorgaben, die erfüllt werden müssten, erforderten eine große Anpassungsbereitschaft der Verantwortlichen. Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit müssen miteinander in Einklang gebracht werden.
Versorgungssicherheit gewährleistet!
Im Vordergrund der Nachfragen der Ortsbeiratsmitglieder stand – wenn wundert es in Anbetracht der Weltlage – das Problem der Versorgungssicherheit in der Gegenwart.
Jörg Hennefeld versicherte, dass sich die Mariahoferinnen und Mariahofer keine Sorgen machen müssten: Man ist auf alle Eventualitäten eingestellt: Neben dem Blockheizkraftwerk stehen zwei Brennwertkessel bereit. Fällt eine Komponente aus, können die anderen Systeme nahtlos die Versorgung übernehmen. Auch eine Befeuerung mit Öl ist für den Notfall möglich. Hier sind Leistungsreserven vorhanden, die im Fall der Fälle genutzt werden könnten.
Doch wie sieht es überhaupt mit der Wärmeerzeugung aus?
Wärmeerzeugung: Gegenwart und Zukunft
Nach den gesetzlichen Vorgaben (kommunale Wärmeplanung) muss Wärme (Wasser, Heizung) in 19 Jahren (bis 2045) vollständig durch erneuerbare Energien erzeugt werden.
Die Trierer Stadtwerke haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen die gesetzlichen Vorgaben jeweils vor Inkrafttreten erfüllen. Wie kann das erreicht werden.
Jedenfalls nicht durch Wärmeenergie aus Tiefbohrungen (Geothermie). Das wäre viel zu teuer! Ebenso ist der Einsatz von Biomasse nicht realistisch, obwohl die Kessel theoretisch mit Pellets betrieben werden könnten. Es wären 80 Anlieferungen jährlich von Holzhackschnitzeln notwendig, im Winter sogar alle 2–3 Tage. Kaum denkbar, dass dies in einem Wohngebiet wie Mariahof genehmigt werden würde.
Wäre also Solarthermie eine Alternative? Bei einem Deckungsanteil von nur 20 Prozent der Wärmeerzeugung wäre eine Fläche von 1,5 Hektar erforderlich, abgesehen davon, dass ein riesiger Energiespeicher gebaut werden müsste, da die Energie hauptsächlich im Sommer produziert, aber im Winter benötigt wird. Alles wenig realistisch.
Bleibt als Alternative regionales Grüngas (Biogas), das unsere Stadtwerke in der Region ausreichend herstellen oder herstellen können (nutzbares Potenzial: 220 Millionen kWh!) und durch das regionale Speichernetz auch bereitstellen können.
Wärmeerzeugung ist die eine, eine effektive Verteilung der Wärme auf die Mariahofer Haushalte, die andere zentrale Aufgabe. Hier kommt es nicht nur auf die Stadtwerke, sondern auch auf die Mitwirkung der Haus- und Wohnungseigentümer an:
Zukunftsmusik: Wärme wie bisher, aber mehr Schutz und Komfort und erhöhte Zukunftssicherheit.
Welche Empfehlungen geben die Stadtwerke speziell für Eigentümer?

Um energieeffizient arbeiten zu können, müssen die Vorlauftemperaturen des Systems, die derzeit ca. 85° betragen, abgesenkt werden. Das bedeutet nicht nur geringe Wärmeverluste (und damit auch niedrigere Kosten), sondern erleichtert auch den Einsatz von erneuerbaren Energien, was ja unbedingt angestrebt werden muss. Als ersten Schritt sollen in jedem Haus spezielle Übergabestationen geschaffen werden, die die derzeit praktizierte Direkteinspeisung ersetzen. Das würde zahlreiche Vorteile mit sich bringen: Durch die Entkoppelung vom Netz könnten keine Störungen mehr in das Haus übertragen werden, auch der Netzdruck hätte keinerlei Auswirkungen auf das Haus mehr. Im Haus selbst ist ein schonender Anlagenbetrieb möglich. Dort könnten dann auch witterungsgeführte, flexible Regelungen umgesetzt werden.
Und ein weiteres Thema wird künftig noch eine zentrale Rolle spielen, wen wundert es? Künstliche Intelligenz (KI) wird demnächst auch bei der Nahwärmeversorgung eingesetzt werden: So soll künftig ein spezielles System getestet werden, das durch selbstlernende Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Computer (Algorithmen) in Bezug auf die Wärmebedarfsprognose sowie hochpräzise lokale Wetterprognosen, optimale Erzeugungsfahrpläne erstellt. Dadurch soll der Energieverbrauch in Wohnungen um 10–30 Prozent gedrosselt und die Rücklauftemperaturen optimiert werden, ohne den Wohnkomfort zu beeinträchtigen. Dazu bedarf es natürlich der Mitwirkung der Hauseigentümer, für die finanzielle Anreize geschaffen werden sollen. Hört sich kompliziert an? Ist es auch! Deshalb sparen wir uns die Einzelheiten.
Die Ortsbeiratsmitglieder zeigten sich jedenfalls beeindruckt von der umfassenden Information. Stellvertretender Ortsvorsteher Ludwig Limburg (Thorsten Wollscheid war wegen einer gleichzeitig stattfindenden Tagung der Trierer Ortsvorsteher verhindert) brachte dies auch zum Ausdruck und bedankte sich bei Jörg Hennefeld und seinem Team, das uns allen sichere und umweltfreundliche Wärme beschert, herzlich. Alle waren sich gewiss: Die gute Zusammenarbeit des Ortsbeirates mit den Trierer Stadtwerken wird nicht nur fortgesetzt, sondern künftig noch weiter ausgebaut werden!
